Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Die Biologische Uhr ablesen: Bald möglich?

1

Die Frage, wann die Fruchtbarkeit nachlässt oder gar die Wechseljahre beginnen, ist auch im Rahmender Kinderwunschbehandlung von großer Bedeutung. Schließlich gäben einem solche Parameter, an denen die „biologische Uhr“ ablesbar ist, eine Entscheidungshilfe bei der Therapieplanung. In das Anti-Müller-Hormon steckte man diesbezüglich große Hoffnung, aber dieser Parameter ist eher bei der Hormondosierung von Bedeutung, der Eintritt der Wechseljahre ist kann es jedoch nicht vorhersagen.

Die Erkenntnis, dass es so einfach (AMH bestimmen und dann weiß man Bescheid) nicht ist, reifte einige Jahre, aber inzwischen ist es Konsens, dass der AMH-Wert bei Vorhersage der Wechseljahre überfordert ist. Die Dauer der Funktion der Eierstöcke wird im Wesentlichen durch zwei Faktoren bestimmt: Genetik und Lebensstil. Zu letzterem kan man schon einige gute Tipps geben. Vor allem ist Rauchen in der Lage, jeder Frau einige fruchtbare Jahre zu nehmen. Zur Genetik sind die Fakten jedoch noch recht übersichtlich

70.000 Frauen genetisch untersucht

Um zu klären, was die Zahl der fruchtbaren Jahre einer Frau beeinflusst, untersuchten zahlreiche Wissenschaftler der Universitäten Cambridge und Exeter die DNA von 70.000 Frauen.

Foto von micahb37
DNA-Analyse

Korrelierte man die Ergebnisse mit deren Vorgeschichte, ließen sich mehrere Gene identifizieren, die einen Einfluss auf den Zeitpunkt der Menopause haben. Diese Gene sind vor allem verantwortlich für die Reparatur von DNA-Brüchen oder anderen Schädigungen des Erbguts, wie sie auch bei der Entstehung der Eizelle vorkommen können. Andere Gene reparieren Fehler, die durch äußere Einflüsse wie z. B. Alkohol oder Nikotin während der folgenden Jahre hervorgerufen werden können.

Hilft dies gegen vorzeitige Wechseljahre?

Dass frühe oder vorzeitige Wechseljahre auch genetisch vorgegeben sind, war schon lange vermutet worden. Jetzt, wo man weiß, welche Gene betroffen sind, kann man daraus denn eine Behandlung entwickeln? Dr. Anna Murray, eine der beteiligten Wissenschaftler, ist skeptisch:“Wir würden liebend gerne eine solche Therapie anbieten, aber leider geht es nicht“ sagt sie in einem Interview mit der BBC.

Es wird also eher darauf hinauslaufen, eine weitere diagnostische Möglichkeit zur besseren Prognose-Einschätzung zu bekommen. Zu wissen, wie viel Zeit einem noch bleibt, kann für die Planung hilfreich sein, vor allem, wenn ein solches genetisches Diagnosetool tatsächlich funktioniert (im Gegensatz zum AMH-Wert). Eine Therapie genetischer „Fehler“ ist aktuell noch nicht möglich, auch wenn wir hier kürzlich ja bereits einen Bericht über die Änderung von Erbgut hatten. Aber das ist noch sehr ferne Zukunftsmusik. Und ich weiß nicht, ob ich das nur bedauern soll, denn die Möglichkeit der Genchirurgie ist mir suspekt. Vielleicht aber auch, weil ich zu wenig davon verstehe.

Murray et al.
Large-scale genomic analyses link reproductive aging to hypothalamic signaling, breast cancer susceptibility and BRCA1-mediated DNA repair.
Nat Genet. 2015 Sep 28. doi: 10.1038/ng.3412. [Epub ahead of print]

Foto von micahb37


Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

1 Kommentar
  1. OSo schreibt

    Ich finde es gut, möglicherweise einen diagnostischen Parameter gefunden zu haben, um Paare diesbezüglich besser und früher zu beraten und ggf. auch besser therapieren zu können, hoffe jedoch auch, daß er nicht zu einer Schlechterstellung betroffener Paare im Zusammenhang mit der Genehmigung führt. Andererseits würde ich mir für die Ü40 und GK-Versicherten mit guten Parametern eine großzügigere Regelung wünschen.