Cortisongabe bei Kinderwunsch: Hilft es oder schadet es?

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Die Gabe von Cortison in niedriger Dosierung zur Unterstützung der Einnistung wird häufig im Zusammenhang mit einer IVF oder ICSI durchgeführt oder auch zur Vermeidung von Fehlgeburten. Weder bei der Einnistung noch bei wiederholten Fehlgeburten ist der positive Effekt jedoch bewiesen:

Bewiesen ist nichts und die Autoren der Übersichtsstudie sehen daher Anlass zur Durchführung weiterer und größeren Studien, um den Effekt der Kortisontherapie abzuklären und vor allem, um die Patientengruppen zu isolieren, die von einer solchen Behandlung profitieren.

Das hatten wir hier anlässlich eines Artikels aus dem Jahre 2008 hier als Zusammenfassung präsentiert und diese Schlussfolgerung ist immer noch gültig. Die Behandlung wiederholter Fehlgeburten (habitueller Aborte) mit Cortison befindet sich im gleichen Dilemma: die Wirkung ist nur unzureichend belegt.

In der aktuellen Ausgabe von „Human Reproduction“ wird die großzügige Anwendung von Cortison in der Kinderwunsch-Behandlung skeptisch gesehen. Wissenschaftler der Universität Adelaide raten Reproduktionsmedizinern davon ab, Cortison zu geben, da es Hinweise auf höhere Fehlgeburtenraten, Frühgeburten und angeborene Fehlbildungen gibt. Corticoide – wie z. B. Prednisolon – können die Einnistung und Entwicklung des Feten auch negativ beeinflussen, teilt Professor Sarah Robertson als Ergebnis ihrer Studien mit.

Killerzellen im Fokus

Der häufigste Anlass für die Gabe von Prednisolon sind erhöhte „natürliche Killerzellen“, weiße Blutkörperchen, die eine große Rolle in der Immunabwehr spielen. Klare Grenzwerte für dieser Killerzellen bestehen nicht und trotz ihres angsteinflößenden Namens sind sie wichtig für ein gut funktionierende Immunabwehr und auch für eine normal verlaufende Schwangerschaft.

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Soll helfen bei Kinderwunsch: Cortison. Aber offenbar nicht immer.
Bild: Katharina Bregulla / pixelio.de

Da die Blutspiegel der Natürlichen Killerzellen auch durch Stress und den weiblichen Zyklus Veränderungen unterworfen sind, gibt es keine definierten Normwerte und es ist immer noch unklar, was da eigentlich gemessen wird, wenn man diese Zellen aus dem Blut bestimmt.


Kindliche Entwicklung gestört?

Professor Robertson stellt ein mangelndes Verständnis für die Rolle des Immunsystems im Rahmen der Schwangerschaft bei Ärzten und Patienten fest: „Steroide wie Prednisolon hindern das Immunsystem daran, auf eine Schwangerschaft angemessen zu reagieren. […] Natürliche Killerzellen und andere Immunzellen können bei der Entwicklung einer gesunden Plazenta (Mutterkuchen) von Bedeutung sein und damit bei der Entwicklung des Kindes. Durch die nicht indizierte Anwendung immunsupprimierender Medikamente kann es zu Fehlgeburten, Frühgeburten und Fehlbildungen beim Feten kommen.

Sicherlich gibt es Patientinnen, die von einer solchen Therapie auch profitieren können. Jedoch sind diese Fälle vermutlich wesentlich seltener, als dass eine so häufige Anwendung wie aktuell zu rechtfertigen ist.“

Wer kann davon profitieren?

Welche Ausnahmen von einer immunsuppressiven Behandlung profitieren können, ist unklar, jedoch rechnet Professor Robertson mit einem überwiegend positiven Einfluss bei Frauen mit einer Autoimmunerkrankung. Bei der unter Kinderwunsch-Patientinnen recht häufigen „Hashimoto“-Thyreoditis (= Autoimmunerkrankung der Schilddrüsenerkrankung) gibt es den einen oder anderen Hinweis für die Wirksamkeit von Cortison, ohne dass man einen echten Beweis für die Wirksamkeit hätte.

Sarah A. Robertson, Min Jin, Danqing Yu, Lachlan M. Moldenhauer, Michael J. Davies, M. Louise Hull, Robert J. Norman. Corticosteroid therapy in assisted reproduction – immune suppression is a faulty premise. Human Reproduction, 2016; DOI: 10.1093/humrep/dew186



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