Helfen Antioxidantien bei Kinderwunsch?

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Vitamine sind gesund. Manche sogar noch gesünder. Den Vitaminen E und C kommt eine zusätzliche Bedeutung zu, da sie „antioxidativ“ wirken. Dies bedeutet, dass sie sogenannte „freie Radikale“ abfangen, aggressive Sauerstoffverbindungen, die im Körper im Rahmen ganz normaler Stoffwechselprozesse entstehen. In geringem Umfang sind sie wichtig für den Körper, bei größeren Mengen entsteht jedoch oxidativer Stress, der in der Folge Zellen schädigen kann und – so sagt man – die Fruchtbarkeit beeinträchtigt.

Nichts Neues, oder?

Nein, mitnichten. Das ist alles wohlfeiles Allgemeinwissen und es stimmt sogar. Die Vitamine C und E sowie Betacarotin fangen diese freien Radikale ab. Das gilt ebenso für Selen oder Zink, die ebenfalls bei ausgewogener Diät ausreichend aufgenommen werden.

Deswegen wird es bei eingeschränkter männlicher Fruchtbarkeit trotzdem empfohlen, diese Substanzen in der Nahrung zu ergänzen. Die Studienlage dazu ist recht überzeugend, wie auch hier bereits berichtet wurde. Die Verbesserung der Chancen gelten jedoch nur im Zusammenhang mit der künstlichen Befruchtung, der Beweis für die Verbesserung der Schwangerschaftswahrscheinlichkeit auf normalem Wege steht hingegen noch aus. Und diese Erkenntnisse gelten nur für den Mann.

Basierend auf diesen Erkenntnissen hat sich eine Nahrungsergänzungsmittelindustrie etabliert, die Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch ein Rundum-Sorglos-Paket anbietet. Darin ist dann alles enthalten, was irgendwie der Fruchtbarkeit dienen könnte. Gemäß dem Motto: Wenn’s nicht hilft, schadet es wenigstens nicht.

Und hilft es denn wirklich?

Wie sichtig sind Vitamine? Foto: Elke Barbara Bachler / pixelio.de
Wie sichtig sind Vitamine?
Foto: Elke Barbara Bachler / pixelio.de
Man kann es nun einfach kaufen und einnehmen und gut ist’s. Schließlich wirkt es bei Männern ja unter bestimmten Voraussetzungen. Besser ist es jedoch immer, mal nachzuschauen, was in Studien so herausgekommen ist. Bei Frauen.


Und genau das wurde nun gemacht un in der Cochrane Database veröffentlicht. Dazu wurden die Ergebnisse aller Studien analysiert, in welchen die Wirkung von Antioxidativa mit Kontrollgruppen (Plazebo oder keine zusätzliche Gabe) verglichen wurden, also sogenannte kontrollierte Studien.

Insgesamt konnten 28 Studien gefunden werden, welche den strengen Kriterien der Cochrane Database genügten. Diese Studien enthalten Ergebnisse zu insgesamt 3548 Frauen.

Lebensgeburtenrate

Viele Studien berichteten lediglich über die Schwangerschaftsrate, so dass nur die Resultate von 97 Frauen gewertet werden konnten. Eine leichte Erhöhung ließ sich unter der Therapie mit Antioxidantien feststellen, jedoch war diese nicht statistisch signifikant und die Ergebnisse sehr heterogen (OR 1,25, 95% CI 0.19 to 8.26, P = 0.82).

Klinische Schwangerschaften

Bei den Schwangerschaften, die mit Ultraschall nachweisbar waren (klinische Schwangerschaft fand sich durch die Gabe von Antioxidantien ebenfalls keine Verbesserung der Erfolgsrate. Lediglich bei Pentoxifyllin fanden sich Hinweise auf einen positiven Effekt.

Zusammenfassung

Ein Hauptproblem der Analyse war sicherlich die große Bandbreite verwendeter Substanzen, die einen Vergleich nur bedingt zuließ. Eine Verbesserung der Schwangerschaftsrate durch diese Nahrungsergänzungsmittel konnte nicht nachgewiesen werden. Die gute Nachricht: Nebenwirkungen traten ebenfalls nicht in statistisch signifikantem Ausmaß auf.

Es ist sicherlich nie verkehrt, sich vitaminreich zu ernähren, jedoch stellt sich angesichts dieser Ergebnisse die Frage, ob über eine gesunde Ernährung hinaus, die Einnahme dieser zum Teil teuren Nahrungsergänzungsmittel notwendig oder ratsam ist.

Showell MG, Brown J, Clarke J, Hart RJ
Antioxidants for female subfertility.
Cochrane Database Syst Rev. 2013 Aug 5;8:CD007807. [Epub ahead of print]



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Kommentar

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8 Kommentare

  1. Greta S schreibt

    gute schlussfolgerung. wer sich natürlich nur von „steaks, bier und zigaretten“ (achim reichel, http://www.youtube.com/watch?v=nG6VdFZE1ig )ernährt, sollte seinen kinderwunsch eh nochmal kritisch überdenken 🙂 und ggf. substituieren…

  2. reaba2.0 schreibt

    Hmm. Wenn man genetisch bedingte Vitaminverwertungsstörungen hat, kann eine Substitution schon wirkungsvoll sein, z.B. Was den gesamten B-Komplex angeht. Zudem haben einige Vitamine ja auch Off-Label Potentiale. Vit E z.B. wirkt blutverdünnend.

    Bevor man aber höhere Dosen im Lebendversuch an sich selbst testet, wäre zu Raten vorher ein wenig genetische Recherche zu betreiben.

    Da derartige genetische Abweichungen gar nicht so selten sind und kaum jemand von seiner Betroffenheit weiß, tue ich mich immer ein bisschen schwer mit der Endgültigkeit solcher Studien zu Vitaminen.

  3. Greta S schreibt

    ok, aber eine folsäure-stoffwechselstörung ist heute in der gyn-sprechstunde quasi VORAUSSETZUNG, jeder kriegt noch VOR dem kinderwunsch folsäure verordnet! das war bei uns vor ü 10 jahren noch nicht so, wir waren bunte hunde, als wir unser MTHFR herausfanden und behandelt haben WOLLTEN…

    offenbar gab da aber doch erkenntnisse, die sich trotz mangelnder internetnutzung der ärzteschaft „herumgeschwiegen“ haben…

  4. Elmar Breitbach schreibt

    Es geht ja um Antioxidantien. Die B-Vitamine sind keine solchen. Weder das B9, also Folsäure, noch B6 und 12. Resorptionsstörungen der antioxidativen Vitamine (vor allem also C + E) sind nicht bekannt, ebensowenig Mangelversorgungen bei ausgewogenere Ernährung, was bei Folsäure ja die Regel ist und der Grund für die angeratene Substitution.

  5. Anna67 schreibt

    Pentoxifyllin zählt zu Antioxidantien/Vitaminen im weiteren Sinn? Interessant.
    Könnte ich ja mal gegen den blöden Tinnitus schlucken.
    NUR deshalb natürlich 😉
    Durchblutungsfördernd. Ähnlich wie ASS? Daher die Hinweise auf positiven Effekt?

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Ja, so ähnlich soll es wohl wirken. Dass es unter Antioxidantien fällt, war mir allerdings auch neu.

  7. Mythen und Fakten: Was kann man für bessere Spermien tun?

    […] Es gibt aber auch mögliche positive nahrungsbedingte Einflüsse auf die Spermienqualität, hier sind vor allem die bestimmte Vitamine zu nennen. Die antioxidativ wirkenden Vitamine C und E sollen sich in hochdosierter Form positiv auf die Fruchtbarkeit des Mannes des Mannes auswirken. Gleiches gilt für die Folsäure, die Vitamine B6 und B12, Zink sowie Selen. Diese Nahrungsergänzungsmittel sind billig und nebenwirkungsfrei, es ist daher auch weniger von Bedeutung, dass ihre Wirksamkeit umstritten ist, einen Versuch ist es allemal wert. Selbst in der Cochrane Database, einer Sammlung von Studien, die sehr strengen Kriterien genügen müssen, findet Belege für die Wirksamkeit von Antioxidanzien (bei Mann und Frau). […]