|
Beim sogenannten “Assisted Hatching” wird die Hülle des Embryos eingeritzt, um das Schlüpfen des Embryos zu erleichtern. Mehr dazu im entsprechenden Theorie-Kapitel dieser Seite.
Im letzten Jahr hatte ich bereits in einer sehr ausführliche Übersicht der aktuellen Literatur zusammengefasst und beschrieben, wem diese Methode nützt und bei wem sie eher nicht zu empfehlen ist.
Natürlich gibt es auch zu diesem Thema eine Artikel-Serie in der Cochrane Database. Also Zusammenfassungen der aktuellen Literatur nach sehr strengen Kriterien, wie in dem Artikel zu “Beweisen in der Medizin” nachzulesen ist. Zuletzt habe ich über die inzwischen vorletzte Veröffentlichung im Jahre 2005 hier berichtet. Zeit, das mal wieder auf den neuesten Stand zu bringen.
Damals waren es 23 Studien, die den strengen Kriterien der Cochrane Database genügten, inzwischen ist die Zahl auf 28 angewachsen und enthält Daten von 3646 Frauen und 1228 Schwangerschaften. Die Aussage der Autoren zum Hatching veränderte dies jedoch nicht.
Zusammenfassend zeigen sich also geringe Vorteile für eine Behandlung mit dem Assisted Hatching, aber die Zahlen sind immer noch nicht ausreichend, um den Vorteil des Hatching nachweisen zu können oder gar bestimmte Patientengruppen isolieren zu können, denen die Methode hilft.
Basierend auf den aktuellen Studien stellen die Autoren eine Rechenmodell auf: Ist die durchschnittliche Schwangerschaftsrate einer IVF-Klinik 25%, dann kann man durch Anwendung des Assisted Hatching eine Steigerung der Schwangerschaftsraten auf 29% bis 49% erwarten.
Nur was hilft es einem, wenn die Lebendgeburtenrate nicht besser wird (zumindest aktuell nicht beweisbar)? Und diese Berechnung basiert auf Überlegungen, die nur dann stimmen, wenn die Erfolgsraten ohnehin eher mäßig sind. Dann ist eine beträchtliche Steigerung möglich. Sind die Erfolgsraten jedoch ohnehin sehr gut, dann ist nicht genügend “Luft nach oben”, um durch die Anwendung einer einzigen Methode die Schwangerschaftsraten so deutlich zu verbessern.
Das ist leider ein bekanntes Phänomen: Gute Kliniken profitieren von zusätzlichen “Gimmicks” weniger als solche mit mäßigen Erfolgsraten, wobei das Assisted Hatching eine der wenigen Neuerungen der letzten Jahre ist, welches sich hartnäckig hält und nicht wie andere Methoden (z. B. Polkörperchendiagnostik, Blastozystentransfer, PID, IMSI etc.) nachweislich zur allgemeinen Verbesserung der Erfolgsraten nicht taugt oder nur in sehr viel begrenzterem Ausmaß als ursprünglich angenommen.
Das S, Blake D, Farquhar C, Seif MM.
Assisted hatching on assisted conception (IVF and ICSI).
Cochrane Database Syst Rev. 2009 Apr 15;(2):CD001894.
Hatching wird ja teilweise auch bei wiederholt erfolglosen Versuchen empfohlen. Ab wann kann man den von wiederholt erfolglosen IVF bzw. ICSI sprechen? Mir wurde jetzt nach der 2. erfolglosen IVF das Hatching für Versuch Nr. 3 angeboten.
Kommentar bewerten:
@sonnenschein74: Das halte ich für vernünftig und einen Versuch wert
Kommentar bewerten: