Sind weibliche Embryonen gesünder als männliche?

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In „Neues Deutschland“ fand ich heute einen Artikel, der sich auf eine neue Studie bezieht und folgende Aussagen daraus zusammenfasst:

Obwohl ein Mann etwa gleich viele X- und Y-Spermien ins Rennen um die Befruchtung der Eizelle schickt, gerät der weibliche Nachwuchs zunächst ins Hintertreffen. Einer neuen Studie zufolge entfallen auf 100 XX-Embryonen mehr als 120 XY-Embryonen. Aber dieser quantitative Vorteil währt nicht lange, denn männliche Embryonen sind im Mutterleib viel stärker gefährdet als weibliche. Bei der Geburt liegt das Verhältnis zwischen Jungen und Mädchen nur noch bei 106 zu 100.

Leider gab es keinen Literaturhinweis zu dieser „neuen Studie“. Jedoch fand ich eine andere, die den Sachverhalt zumindest bis zum Transfer als Blastozyste untersucht.

758 Embryonen von 138 Paaren wurden dazu genetisch untersucht (auf Chromosomen 8, 13, 14, 15, 16, 17, 18, 20, 21, 22, X und Y).

366 (48%) davon waren weibliche Embryonen und 392 (52%) waren männliche (also XX bzw. XY). Hinsichtlich der Entwicklung zum Blastozystenstadium ließen sich keine Unterschiede erkennen, ebenso wenig gab es eine geschlechtsspezifisch erhöhte Neigung für Fehlverteilungen von Chromosomen.

Also scheint es zumindest im Reagenzglas keine Unterschiede zu geben. Wer die im Neuen Deutschland zitierte Studie findet: Bitte in den Kommentaren mitteilen, das würde mich sehr interessieren.

Eaton JL, Hacker MR, Barrett CB, Thornton KL, Penzias AS
Influence of embryo sex on development to the blastocyst stage and euploidy.
Fertil Steril. 2011 Mar 1;95(3):936-9. Epub 2010 Aug 5.


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Kommentar

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5 Kommentare

  1. remis schreibt

    Ich habe da was via Science Direct gefunden…

    Simon LeVay
    From mice to men: Biological factors in the development of sexuality
    Frontiers in Neuroendocrinology, In Press, Corrected Proof, Available online 8 February 2011

    leider ist dort (noch) kein Abstract vorhanden und „online“ ist da auch bis jetzt kein Artikel verfügbar. :-/ Zumindest ist das Paper neu und der Autor wird vom ND erwähnt…

  2. Elmar Breitbach schreibt

    OK, danke remis. Ich werde mal versuchen, tiefer zu graben

  3. remis schreibt

    @EB sobald das Paper tatsächlich einer Ausgabe der Zeitschrift zugeordnet wird komme ich auch ganz problemlos da dran, aber so ist derzeit nicht viel zu machen.
    Ich habe auch mal beim ND angefragt und um die Nennung der Quelle gebeten.

    BTW, wer was zum Kopfschütteln und/oder Lachen braucht lese einfach mal den Kommentar „Sagt mal, spinnt ihr?“ von „peterg“ unter dem Artikel vom ND…

  4. remis schreibt

    und zum Dritten…
    Die Anfrage beim ND lieferte mir diese Quellenangaben:

    Michael Matzner,Wolfgang Tischner (hrsg.): Handbuch Jungen-Pädagogik
    2008 Beltz Verlag Weinheim S. 232ff

    http://books.google.de/books?id=DUDsxDs9TVkC&pg=PA232&lpg=PA232&dq=m%C3%A4nnliche+weibliche+embryonen+studie+100+120&source=bl&ots=ubs5r95bYD&sig=yWkCAR4V8WR7bSvLGlt1oXbTTDM&hl=de&ei=04aATbzgJoT2sgb1m9H2Bg&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CC8Q6AEwAg#v=onepage&q=m%C3%A4nnliche%20weibliche%20embryonen%20studie%20100%20120&f=false

    LEBENSERWARTUNG – Warum sterben Männer eigentlich früher? (27.1.2006)
    http://www.medizin-welt.info/aktuell/aktuell.asp?newsID=93

    Eine Krankheit namens Mann (15.9.2003)
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-28591080.html

    Nunja „neu“ ist offensichtlich hochgradig relativ. Ich wunderte mich schon, warum ich in den gängigen wissenschaftlichen Datenbanken wie ISI Web of Knowledge oder Science Direct nicht fündig wurde. Die genannten Zahlen stammen aus dem o.g. Buch.

    Die „neue“ Studie konnte mir Herr Koch bisher nicht benennen, aber gab als Autor „Angelo Cagnacci“ an. Von diesem finde ich seit 2009 nur vier Veröffentlichungen, die sich jedoch entweder mit Verhütung oder dem Klimakterium beschäftigen.

    Einige neue Veröffentlichungen andere Autoren konnte ich nur im Zusammenhang mit der assistierten Reproduktionsmedizin finden.

  5. Elmar Breitbach schreibt

    Naja, manchmal wird der Begriff „Neue Studie“ auch als Synonym für „könnt ihr mir glauben, ich weiß Bescheid“ verwendet 😉