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Blastozysten-Transfer: Ein Update

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Der Blastozystentransfer wird oft zur Verbesserung der Schwangerschaftsraten eingesetzt. Jedoch gibt es keine wissenschaftlich sauberen und überzeugenden Studien, welche die Überlegenheit der Methode nachweisen, wie eine Übersichtsarbeit zeigen konnte.

Die Studie wurde in der Cochrane Database veröffentlicht. Für diese Art der Übersichtsarbeiten bestehen strenge Kriterien. Es dürfen ausschließlich die Ergebnisse von kontrollierten, randomisierten und prospektiv erstellten Studien einfliessen. Es wurden also nur Studien berücksichtigt, die nach diesen Kriterien die Erfolgsraten von Behandlungen mit einem Transfer am 2.-3. Tag nach der Punktion mit jenen verglich, bei denen die Rückgabe der Embryonen am 5.-6. Tag nach der Eizellentnahme erfolgte (=Blastozystenstadium). Es wurden 45 Studien ausgewertet, von denen jedoch nur 16 diesen Kriterien genügten.

Die Methoden wurden nach Zahl der Lebendgeburten, „klinischen Schwangerschaften“ (= im Ultraschall nachweisbar) und Mehrlingsschwangerschaften pro Paar beurteilt. Weiter waren die Fehlgeburtenrate, ausbleibender Transfer aufgrund fehlender Embryonen und die Möglichkeit zur Kryokonservierung von Bedeutung.

Die Ergebnisse dieser Studien wurden zusammengeführt und gemeinsam ausgewertet:

Es ergab sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Methoden bei der Zahl der Lebendgeburten. Nach einem Transfer am 2.-3. Tag nach der Eizellentnahme bekamen 34,3% Frauen ein Kind und nach einem Blastozystentransfer waren es 35,4%.
Gleiches galt für die Zahl der klinischen Schwangerschaften auch wenn man ausschließlich Patientinnen mit einer guten Prognose beurteilte (38,8% gegenüber 40,3%).

Der Unterschied bei Mehrlingsschwangerschaften war ebenfalls nicht signifikant, insbesondere wenn man die Studien berücksichtigte, bei denen in beiden Gruppen die gleiche Anzahl von Embryonen transferiert wurde. Auch die Fehlgeburtsrate wies keine Unterschiede auf.

Signifikante Unterschiede zeigten sich bei der Zahl der Zyklen, in denen Embryonen eingefroren werden konnten, dies war deutlich häufiger bei den Transfers zum frühen Zeitpunkt möglich. Ebenfalls unterschiedlich war die Zahl der Ausfälle, bei denen keine vitalen Embryonen mehr übrigblieben, die man transferieren konnte: Tag 2-3: 3.5% Tag 5-6 10.1%. Berücksichtigte man jedoch nur die Patientinnen mit einer guten Prognose, so ergaben sich diesbezüglich keine wesentlichen Unterschiede.

Die Autoren kommen aufgrund dieser Ergebnisse zusammenfassend zu dem Schluss, dass sich keine Uterschiede hinsichtlich der Lebendgeburtenrate und dem Schwangerschaftsverlauf zeigten. Der Blastozystentransfer führte häufiger zu Behandlungen, die ohne einen Embryotransfer endeten. Die Einfrierrate war geringer, wobei hier die Schwangerschaftsraten der jeweiligen Kryozyklen fehlen, um dies wirklich als Nachteil bewerten zu können.

Blake D, Proctor M, Johnson N, Olive D.
Cleavage stage versus blastocyst stage embryo transfer in assisted conception.
Cochrane Database Syst Rev. 2005 Oct 19;(4):CD002118


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Kommentar

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7 Kommentare
  1. Estraven schreibt

    Wobei ich ja immer denke, dass ich lieber keine Blastos zurückbekomme, als dass ich befruchtete Eizellen zurückbekomme, die dann den 5. Tag auch nicht überstehen. Ich weiß dann einfach früher Bescheid…

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Und wer sagt, dass Embryonen, die sich am Tag 5 im Reagenzglas nicht optimal weiterentwickeln, dies in der Gebärmutter nicht sehr wohl könnten?

    Dies Update habe ich mir ja nicht aus den Fingern gesaugt, dem liegen schon medizinische Fakten zugrunde.

  3. Hebel, Melanie schreibt

    Bei den obigen Gegenüberstellungen bleibt mir eine Frage unklar: Wieviele Eizellen waren jeweils Ausgangspunkt. Warum? Nun beim Blastocystentransfer kann und werden bis zu 6 Eizellen kultiviert und erwartet wird, dass 2 bis 3 für den Transfer übrigbleiben. Wird die Kurzzeitkultivierung durchgeführt, werden 2 bis 3 Eizellen verwendet und wenn es gut läuft transferiert. Somit würde man rechnerisch aus sagen wir 6 Ausgangseizellen bei der Langzeit kultivierung 1 Mal und bei der Kurzzeitkultivierzung 2 (bis 3) Mal transferieren. Wenn man dies mit den obigen Zahlen abgleicht wäre der Blastocystentransfer nicht nur nicht besser als der Transfer von früheren Stadien sondern sogar signifikant schlechter, da sich die Transferhäufigkeiten halbieren (dritteln) ohne dass sich laut obigen Daten eine Erhöhung der SS – Häufigkeit pro Transfer daraus ergibt.
    Gibt die Studie/die Studien diesbzüglich etwas her?

  4. Gast schreibt

    @Melanie: Wenn sich die Transferhäufigkeit bei Blastos halbiert, aber die SS-Raten gleich sind, ist die Blastokultur doch doppelt so erfolgreich! Dann bleiben mir nämlich erfolglose Transfere erspart.

  5. Rebella schreibt

    Nein, Gast, da muss ich Melanie zustimmen.

    Es ist dumm, dass die Schwangerschafts- und Geburtenraten immer pro Embryotransfer dargestellt werden. Man sollte diese grundsätzlich pro begonnenem Zyklus darstellen. Nur dann hat man vergleichbare Daten, welche Methode zu einem besseren Erfolg führt.

  6. Elmar Breitbach schreibt

    @ Gast: Das ist eine interessante Theorie. Leider ist es so, dass die Schwangerschaftsrate pro Transfer unter ansonsten gleichen Voraussetzungen nicht wesentlich besser ist. Die Aussage: „Der Embryo, der es nicht zum Blastozystenstadium im Reagenzglas schafft, führt auch nicht zur Schwangerschaft“ ist erwiesenermaßen Unsinn, wenngleich immer wieder gerne kolportiert.

  7. Radaukatze schreibt

    Ich habe mal eine Verständnisfrage zu diesem Artikel.

    Was wird hier eigentlich miteinander vergleichen?

    1.
    -alle bis Tag 3 in der Petrischale
    gegen
    -alle bis Tag 5 un der Petrischale

    2.
    Oder die spezielle deutsche Methode
    -im Vorkernstadium alle bis auf 2 einfrieren und dann 2 bis Tag 3 kultivieren
    gegen
    -6 stück bis Tag 5

    MfG