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Andrologie

Warum schlaue Männer bessere Spermien haben

… kann niemand sagen. Auch die Wissenschaftler aus dem Londoner King´s College haben dafür keine Erklärung. Aber sie sehen einen statistisch signifikanten Zusammenhang, den sie bei der Untersuchung von 425 ehemaligen US-Soldaten herstellen konnten.

An solchen empirischen Studien kann man trefflich herummeckern, schon gar, wenn die Stichprobe so “repräsentativ” ist wie diese. Es wurde also von den Wissenschaftlern in diesem Falle nach einem Zusammenhang mit der Intelligenz gesucht,wie man auch zwischen jedwedem anderen möglichen körperlichen Merkmalen oder gesundheitlichen Voraussetzungen Beziehungen knüpfen kann, wie es ja auch bei ICSI und Fehlbildungen kürzlich mal wieder geschehen ist. Florian Rötzer äußert sich auf Heise.de dazu auch angemessen despektierlich:

Ausgangspunkt war die Hypothese, dass kognitive Fähigkeiten mit zahlreichen Eigenschaften, die mit Fitness zusammenhängen, verbunden sein könnten, auch mit solchen, die erst einmal keine Korrelation zu haben scheinen. Nach dieser Forschungshypothese könnte man, bösartig gesagt, auch nach einem Zusammenhang zwischen Intelligenz und Haarwachstum, Zustand der Zähne oder Käsefüßen suchen. Alles ist möglich.

So ist es. Und was kam nun dabei heraus?
Bei den Vietnam-Veteranen wurden Intelligenztests durchgeführt sowie ein Spermiogramm. Dabei stellte sich heraus, dass ein geringer, aber statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen der der Intelligenz sowie Anzahl und der Beweglichkeit der Spermien bestand. Diese Befunde ließen sich unabhängig vom Alter und den Lebensgewohnheiten erheben, mit dem individuellen Lebenswandel bestand also kein Zusammenhang.

Die Wissenschaftler vermuten nun, dass es einen Zusammenhang mit einem allgemeineren genetischen Faktor gibt, der sowohl Intelligenz als auch Samenqualität beeinflusst. Einen direkten Zusammenhang zwischen erworbener Intelligenz und Spermienqualität wurde ausgeschlossen. Mit Hilfe von Gehirntraining neben dem Grips auch die Spermienproduktion anzuregen, dürfte somit fehlschlagen.

Allan Pacey, Reproduktionsmediziner an der University of Sheffield, wird im Spiegel zitiert: Dass man “eine statistische Beziehung zwischen Intelligenz und Samenqualität bei erwachsenen Männern herstellen kann”, sage vermutlich “mehr über die parallele Entwicklung von Gehirn und Hoden in der Gebärmutter”, als nahezulegen, “dass Sodoku-Spielen irgendwie die Samenproduktion anregen kann”.


Abschließend geht Florian Rötzer in seinem Artikel mit der Wissenschaft und seiner eigenen Zunft ins Gericht:

Der Eindruck stellt sich aber dann doch ein, dass Wissenschaft mitunter ähnlich aufmerksamkeitsökonomisch funktioniert, wie dies bei Medien der Fall ist: Zunächst wird eine Entdeckung verkündet, die sich dann aber zunehmend als Strohfeuer erweist: mediale Fitness?

Wenn es wenigstens so ist, dass etwas Neues und auf wissenschaftlichen Studien Beruhendes (und seien diese noch so zweifelhaft) in den Fokus der Presse rückt, dann kann man ja noch froh sein. Mir persönlich geht der zwanzigste pseudowissenschaftliche Artikel über den Einfluss von Sauna, heißem Bad und Handy auf die Spermienqualität bei den üblichen Verdächtigen (allen voran Men´s Health und Fokus) wesentlich mehr auf den Zeiger.


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Kommentare

8 Kommentare für “Warum schlaue Männer bessere Spermien haben”

  1. *blink* *kopfschüttel* *hust*

    Intelligenz vernünftig zu definieren ist schon verdammt schwer. Das gilt umso mehr für das Messen.

    Wie anhand dieses Intelligenz Testes dann zwischen “erworbener” und “angeborener” Intelligenz unterschieden wurde, ist mir schlichtweg schleierhaft (siehe quote).
    [quote]Einen direkten Zusammenhang zwischen erworbener Intelligenz und Spermienqualität wurde ausgeschlossen. [/quote]

    *nasereib*

    ches


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    Geschrieben von chesire am 8. Dezember 2008 um 11:53
  2. So ein Schwachsinn.


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    Geschrieben von Ich am 8. Dezember 2008 um 15:36
  3. Auf diesen Beitrag habe ich ja so gewartet, nachdem ich das gestern bei Spiegel online gelesen habe. Das konnte an Dir ja gar nicht vorüber gehen. ;-)


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    Geschrieben von Pat am 8. Dezember 2008 um 15:51
  4. @Pat: Nein, das konnte es nicht. Mir haben fünf Leute den Link geschickt ;-) Soviel zum Thema mediale Wahrnehmung von Wissenschaft.


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    Geschrieben von Elmar Breitbach am 8. Dezember 2008 um 16:18
  5. “Intelligenz ist das, was Intelligenztests messen.” Ein bei uns oft gebrauchter Satz, der jawohl schon alles sagt.
    Wenn man der “Studie” Glauben schenkte, müßte mein Schatz strohdoof sein. Oder aber, er ist ein Ausreißer ;-). Darf ich ihn denn mit dem Ergebnis ärgern, um ihn dann gleich noch in die Sauna zu schleppen? Oder ist das herzlos? Und hat eventuell die Eizellqualität was mit der Haarfarbe zu tun?


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    Geschrieben von tintenklecks am 8. Dezember 2008 um 18:36
  6. Was ich nicht verstehe: Man stellt doch zuerst eine THEORIE auf und entwickelt dann ein Hypothese, die man dann testet. Wie soll denn diese Theorie bezüglich Intelligenz/Spermienqualität sein? Denn statistisch signifikante Zusammenhänge kann man ja immer leicht (na ja) finden, so findet sich doch auch ein Zusammenhang zwischen Storchaufkommen und Geburtenrate pro Jahr (echt wahr). Nur ist das halt nicht aussagekräftig, trotz statistischer Signifikanz.


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    Geschrieben von Donza am 9. Dezember 2008 um 14:16
  7. @Donza: Nein, so laufen empirische Studien nicht. Im Idealfall werden irgendwelche Krankheits- oder Geburtenregister hergenommen und dann die Daten durch den Wolf gedreht. Wenn man dann einen statistischen Zusammenhang herstellen kann, wird man versuhen, diesen zu erklären.

    Eher selten kommt dabei etwas Sinnvolles heraus


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    Geschrieben von Elmar Breitbach am 9. Dezember 2008 um 14:26
  8. Aha… naja, die Mediziner… ;-)
    Bei uns Sozialwissenschaftlern läuft das wohl anders.


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    Geschrieben von Donza am 9. Dezember 2008 um 17:10

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