SpermCheck: Spermien selber testen

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Die Neigung mit verschiedenen Teststäbchen den Eisprung oder eine Schwangerschaft zur Unzeit zu bestimmen und sich damit an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu manövrieren, werde ich nie so ganz nachvollziehen können.

Für die Männer, die diesem Treiben bisher nur neiderfüllt zusehen konnten, gibt es nun auch eigene Teststäbchen. Mit „SpermCheck“ soll es möglich sein, die Fruchtbarkeit des Mannes zu untersuchen. Erste Versuche mit „Fertell“, die ich hier beschrieb, waren offenbar zu kompliziert und haben sich deswegen nicht durchsetzen können. Ein neuer Test sieht eher aus wie ein Schwangerschaftstest und soll die Spermienqualität einschätzen helfen.

Zielgruppe: Männer mit Angst vor Urologen

spermcheckFür Paare mit Kinderwunsch, die aber nicht gleich einen Arzt aufsuchen möchten, ist dieser Test entwickelt worden. Sicherlich dürfte die Hemmschwelle für eine Untersuchung der männlichen Fruchtbarkeit damit sinken.

Wie aussagekräftig ist der Test jedoch?

Der Test ist das Ergebnis einer zehnjährigen Forschungsarbeit und verwendet einen Bestandteil der Zellmembran der Spermien. Dieses Antigen nennt sich SP-10 und dient der Bestimmung der Spermienkonzentration. Mit einer Pipette wird ein bestimmtes Volumen des Ejakulats mit einer Flüssigkeit vermischt, die dazu dient, das SP-10 von den Spermien zu lösen. Der Test misst nun die Konzentration dieser so erstellten Lösung. Je mehr SP-10 die Flüssigkeit enthält, desto höher ist die Spermienkonzentration.

In einer im Journal „Human Reproduction“ veröffentlichten Studie kommt der Test in 96% zu den gleichen Ergebnissen wie Biologen mit dem Mikroskop. Dabei wurden 227 Spermiogramme untersucht.

Nur die Zahl der Spermien wird bestimmt

Auf unseren Theorie-Seiten finden Sie die Normwerte für eine Untersuchung des Ejakulats. Die wichtigsten Parameter dabei sind die Konzentration (Zahl) der Spermien, ihre Beweglichkeit und die Morphologie (Aussehen). Der Test ist der Studie zufolge sehr zuverlässig, jedoch wird damit nur die Konzentration der Spermien untersucht. Und man bekommt das Ergebnis auch nicht in Mio/ml, vielmehr wird unterschieden in

  • Normozoospermie: > 20 Mio/ml
  • Oligozoospermie: >5 Mio/ml und < 20 mio/ml
  • schwere Oligozoospermie: < 5 mio/ml

Die Beweglichkeit und das Aussehen der Spermien wird jedoch nicht geprüft.

Was bringt einem ein solcher Test?

Der Test birgt einige Gefahren: Wird ein normaler Befund angezeigt, dann bedeutet das jedoch nicht zwingend, dass der Mann fruchtbar ist, da bei einer ausgeprägten Verminderung der Spermienbeweglichkeit die Fruchtbarkeit erheblich gestört sein kann. Es ist also riskant, sich auf das Ergebnis zu verlassen und bedeutet in manchen Fällen, dass Zeit verloren wird, die gerade bei älteren Paaren nicht unbegrenzt zur Verfügung steht.

Als orientierende Untersuchung zu Beginn des Kinderwunschs ist das Einsatzgebiet dieses Tests zu sehen. Tritt nach einem Jahr keine Schwangerschaft ein, sollte jedoch ein richtiges Spermiogramm durchgeführt werden. Ist die Frau älter als 35 sollte der Gang zum Urologen jedoch bereits nach 6 Monaten erfolgen.

Coppola MA, Klotz KL, Kim KA, Cho HY, Kang J, Shetty J, Howards SS, Flickinger CJ, Herr JC
SpermCheck(R) Fertility, an immunodiagnostic home test that detects normozoospermia and severe oligozoospermia.
HumRep 25 4: S. 853-861


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