Schlechte Spermien durch Antidepressiva

14

Das häufig eingesetzte Antidepressivum Paroxetin kann die Zeugungsfähigkeit von Männern beeinträchtigen. Ein Team von Wissenschaftlern des Cornell Medical Centers in New York beobachtete bei einem Test mit 35 gesunden Männern, dass nach der Einnahme des Wirkstoffs vermehrt Veränderungen der Chromosomen in den Spermien auftraten. Das berichtet das britische Magazin „New Scientist“.

Durchschnittlich stieg der Anteil von Spermien mit DNA-Schäden von 13,8 auf 30,8% nach einer Einnahmedauer von nur 4 Wochen. Paroxetin gehört zu den als SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) bekannten Antidepressiva. Diese Medikamente haben auch einen Einfluss auf die sexuelle Erregbarkeit, im schlimmsten Falle bis zu Erektionsstörungen. Dieser Effekt wird auch zur Behandlung der vorzeitigen Ejakulation verwendet. Die Wissenschaftler vermuten nun, dass die DNA der Spermien während dieser verlängerten Reise durch den männlichen Genitaltrakt beschädigt wird.

Die Experten halten einen Anteil von 30 Prozent beschädigter Spermien für klinisch bedeutsam. Die Erbgutbrüche beeinflussten früheren Studien zufolge auch die Lebensfähigkeit von Embryonen, schreibt der „New Scientist“: Je häufiger DNA-Schäden an Spermien auftreten, desto seltener entstehen demnach Embryonen. Und diejenigen, die sich bilden, haben deutlich weniger Chancen, sich erfolgreich in der Gebärmutter einzunisten.

Via: Andrologie-Blog


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

14 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Angesichts der Tatsache, dass SSRIs in der Regel über mehrere Monate verabreicht werden, ist das schon ein besorgniserregendes Ergebnis. Oje. Fraglich, ob man diese Präparate dann noch „an den Mann“ bringen kann. Minderungen der Spermienqualität und der Potenz nehmen leider die wenigsten Männer gerne in Kauf, auch ohne Kinderwunsch. Verständlich. Obwohl das sicher ein vorübergehender Effekt ist.

    Eine Frage: Führt dieser Anstieg an DNA-Schäden im Spermiogramm auch zu einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Erkrankungen des Kindes- wenn denn eines entsteht? Dann müßten Patienten vor Einnahme viel besser aufgeklärt werden (vielfach scheitert das bereits bei einem einfachen Hinweis auf eine ein paar Tage herabgesetzte Fahrtauglichkeit).

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @tintenklecks: Fehlbuildungen müssen nicht resultieren, könnten aber theoretisch auftreten. Es geht in diesem Artikel aber eher um Fehlgeburten oder zur Gänze ausbleibende Schwangerschaften/Befruchtungen

  3. Elmar Breitbach
    xanthippe schreibt

    *?* Studie an 35 Männern*?* Ob das verwehrtbare Zahlen sind*?* Aber prinzipiell eine wichtige Untersuchung natürlich.
    Die Einflüsse auf die Spermienqualität kenne ich nicht. Die erektile Dysfunktion, die als Nebenwirkung auftreten kann, ist reversibel.

  4. Elmar Breitbach
    xanthippe schreibt

    Nachtrag: Halb bis dreiviertel Amerika nimmt Prozac (…naja gut, die genauen Zahlen weiß ich nicht, aber der Verbrauch ist schon sehr hoch…) – ob es einen SSRI-Knick (ähnlich dem Pillen-Knick) gibt? Wäre doch mal interessant? Wenn die Untersuchung wirklich so massive Beeinträchtigungen herausgefunden hat, könnte man sich das ja fast fragen*?*
    …nur so ein Gedanke am späten Abend…
    Gute Nacht!

  5. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Das wäre eigentlich schade. Denn es handelt sich bei entsprechender Indikation letztlich um wirksame und verträgliche Medikamente. Man sollte nur in der Schwangerschaft die Finger davon lassen- und bei Kinderwunsch offensichtlich auch. Das gilt aber für viele weitere Medikamente.

  6. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    hab gerade in ähnlichem zusammenhang nochmal was gelesen…scheint so zu sein, dass viele psychopharmaka regelrechte B-vitamin-räuber sind (-> xanthippe, dat wird länger ;-), aber es kommt..)
    könnte ja auch damit zusammenhängen, dass die spermien dann nicht mehr die ausreichende folatmenge finden um die DNA relativ intakt zu synthetisieren..?

  7. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Diese These wäre ein Ausweg für die SSRI-produzierende Industrie.

    Blöd, oder? Da bessert sich dank SSRI der Antrieb, aber manches schaut recht depressiv aus der Wäsche.

  8. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    @tintenklecks

    genau das habe ich auch gedacht ; immerhin ist es ja reversibel, läßt man der ganzen komplex der mit ED, die mit mannigfachen gründen einhergeht mal aussen vor.

  9. Elmar Breitbach
    xanthippe schreibt

    @reaba: die ED unter SSRI wird durch die SSRI hervorgerufen und ist mit Absetzen der SSRI reversibel. Ist unabhängig von dem sonst sehr komplexen ED-Thema.
    Überlegt habe ich aber nochmal welche Relevanz die Spermienschäden haben, wenn eh nix mehr geht ;-)? Dann würde man ja eh eher absetzen und dann gehts wieder…oder?
    Liebe Grüße

  10. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    30 % Schädigung der Spermien bedeutet ja nicht in jedem Falle, dass gar nichts mehr losschwimmt. Ich denke, Vorsicht ist geboten.

  11. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    @xanthippe

    ich meinete ED wo organische ursachen weitestgehend ausgeschlossen wurden…gibt man nicht da sogar stimmungsaufheller?

  12. Elmar Breitbach
    tintenklecks schreibt

    Ja, je nach Ursache. Aber Fluoxetin dürfte wegfallen. Letztlich, jetzt mal um die Ecke gedacht, ergäbe sich aus der Einnahme des SSRIs zumindest ein zeitweise gültiges organisches Erklärungsmodell. Das Absetzen könnte insofern eine Erleichterung der ED bringen.

  13. Elmar Breitbach
    otb schreibt

    Frage zum Zweiten:
    Gibt es Untersuchungen zu Frauen unter Antidepressiva in Kinderwunschbehandlung? Unter SSRI lt. Behandler in zwei von drei Zyklen gute Embryonen, dreimal keine Einnistung (macht übrigens die Stimmung nicht gerade besser, versteht sich von selbst)
    Ich wäre dankbar für eine Antwort.
    Gruß otb

  14. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @otb: Mir ist keine diesbezügliche Studie bekannt. Was nicht bedeutet, dass es da keinen Zusammenhang gibt, aber ich kenne ihn zumindest nicht.