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Andrologie

Radfahren: Nicht mehr als 5 Stunden pro Woche?

Eine weitere Studie zum Einfluss von Radsport auf die männliche Fruchtbarkeit macht aktuell die Runde, in der die Autoren zu dem Schluss kommen, dass mehr als 5 Stunden Farradfahren pro Woche die Spermienqualität beeinträchtigen kann. Wer also mit dem Fahrrad eine halbe Stunde zur Arbeit benötigt, der hat dieses Limit schnell erreicht. Schneller fahren könnte helfen.

Schwächen der Studie

In der Studie wurden mehr als 2.200 Männer eingeschlossen, die planten, sich mit ihrer Partnerin einer IVF-Behandlung zu unterziehen. Erst einmal eine große Zahl, bei der man statistische Signifikanzen erwarten darf. Allerdings wurden diese Männer aus den Sprechstunden von 3 Kinderwunschzentren rekrutiert. Wie die Autoren selbst eingestehen, stellt dies eine Selektion dar, die Aussagen über die Durchschnittsbevölkerung nicht zulässt. Außerdem wurden die Männer lediglich hinsichtlich ihrer sportlichen Aktivitäten befragt und diese Aktivitäten mit den Ergebnissen des Spermiogramms abgeglichen.

Insgesamt fand sich keine Korellation zwischen der sportlichen Aktivität generell und der Spermienqualität. Verglich man die Ergebnisse der Männer, die nicht regelmäßig Sport trieben mit jenen, die mehr als 5 Stunden wöchentlich auf dem Fahrrad trainierten, dann ergab sich ein signifikanter Unterschied der Fruchtbarkeit zuungunsten der Radfahrer.

Nichtsportler im Vorteil?

spermien_mikroskop1Auf die Schwächen des Studiendesigns wies ich bereits eingangs hin (negative Selektion und lediglich eine Befragung). Auch die Ergebnisse sind diskussionswürdig: Radfahren ist die einzige Sportart mit einem negativen Einfluss auf die männliche Fruchtbarkeit. Der Unterschied ist jedoch nur signifikant, wenn man die Ergebnisse der Radsportler mit den Männern vergleicht, die keinen Sport trieben oder nur unregelmäßig. Verglichen mit anderen Sportarten waren die Unterschiede nicht signifikant. Ist also der Nichtsportler fruchtbarer als alle gesundheitsbewussten Hobbysportler? Das klingt nicht überzeugend.


Es ist zwar bekannt, dass extremer Ausdauersport bis an die Grenze der Erschöpfung die Spermienqualität mindert, jedoch sportliche Betätigung generell eher von Vorteil ist.

Bei Untersuchungen an Triathleten fand sich ein Zusammenhang zwischen der wöchentlichen Kilometerleistung auf dem Fahrrad und den Ergebnissen des Spermiogramms. 300 Kilometer in der Woche wurden hier als Grenze genannt. Allerdings glänzt diese Studie mit einer wenig überzeugenden Fallzahl von 15 Probanden.

Kein Grund zur Aufregung

Nach wie vor am besten ist das Studiendesign einer Publikation der Universität Köln, die ich in einem älteren Artikel zitierte. Demzufolge ist eine Kilometerleistung von 20.000 km/Jahr unproblematisch. Die Spermienqualität dieser (sehr) ambitionierten Hobbysportler war durch die Ausübung des Sports nicht beeinträchtigt und unterschied sich nicht von der einer Kontrollgruppe von Männern, die weniger als 2,5 Stunden wöchentlich Sport trieben. Und solange keine Studie mit einem besseren Design und/oder größerer Fallzahl zu gegenteiligen Ergebnissen kommt, muss man den Radsportfreunden mit Kinderwunsch von ihrem Hobby nicht abraten.

Wise LA, Cramer DW, Hornstein MD, Ashby RK, Missmer SA
Physical activity and semen quality among men attending an infertility clinic.
Fertil Steril. 2010 Nov 29.


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Kommentare

4 Kommentare für “Radfahren: Nicht mehr als 5 Stunden pro Woche?”

  1. Danke dafür!
    Das wird wenigstens meinen Mann beruhigen – und ihn vielleicht doch noch anspornen eine km-Leistung von 20.000 km anzustreben, – is ja en Klacks :) falls er denn noch dazu kommt, wenn er mich nicht dauernd trösten muß….

    die Hilde


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    Geschrieben von Hilde am 4. Februar 2011 um 21:52
  2. haben die auch in Holland geguckt?


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    Geschrieben von Kaasie am 28. Februar 2011 um 21:16
  3. Wie in Holland? Wo liegt denn der Unterschied zwischen Fahrradfahren in Holland und in Deutschland oder Spanien?


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    Geschrieben von Elmar Breitbach am 28. Februar 2011 um 21:19
  4. Interessant wäre ja mal, inwiefern die Sattelform einen Einfluss hat. Es sollte ja prinzipiell möglich sein, die Druckbelastung auf das Gesäß zu konzentrieren.


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    Geschrieben von Buntspecht am 4. April 2011 um 01:21

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