Hodenhochstand wird nicht rechtzeitig behandelt

0

Der Hoden entwickelt sich in der Embryonalzeit im Bauchraum und wandert erst spät durch den Leistenkanal in den Hodensack. Die dort vorhandene niedrigere Temperatur ist sehr wichtig für die Spermienproduktion. bei Jungen, die zeitgerecht am Termin geboren wurden, ist in 3% der Fälle der/die Hoden noch nicht vollständig in den Hodensack eingetreten. Drei Monate später sinkt dieser Anteil auf 1%; nach Abschluss des ersten Lebensjahres ist ein spontanes Runterrutschen des Hodens nicht mehr zu erwarten.

Als Folge eines Hodenhochstandes kann die Spermienproduktion bei einseitigem Befund eingeschränkt sein oder eine Azoospermie bei einem beidseitigen Befund eintreten. Verschiedene Studien zu diesem Thema ergaben, dass eine entsprechende Behandlung zum Erhalt der Fruchtbarkeit bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres abgeschlossen sein sollte. Erste negative Veränderungen am Hodengewebe lassen sich bereits nach dem ersten Lebensjahr nachweisen.

Besteht der Hodenhochstand über die Pubertät hinaus, dann ergibt sich ein deutlich erhöhtes Risiko für eine bösartige Erkrankung des betroffenen Organs. Ein um das 32-fache erhöhtes Risiko wird dadurch verursacht.

Soweit also die bekannten Gründe für eine frühzeitige Therapie. Wissenschaftler der Universität Göttingen untersuchten anhand von 141 ihnen zur Behandlung zugewiesenen Kindern, inwieweit diese Zuweisung rechtzeitig erfolgte. Nur 13,4% der Kinder wurden rechtzeitig vor Abschluss ihres zweiten Lebensjahres behandelt, 46,4% zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr und 40,2% nach dem 5. Geburtstag. Erschreckend ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich die Zuweisungspraxis zur operativen Therapie über die letzten jahre nicht verbesserte. Im Zeitraum von 1990 bis 1994 war die Altersverteilung ähnlich wie von 1995 bis 1999. Auch im Zeitraum von 1/2000 bis 6/2004 wurden nur 17% der Knaben mit einem beidseitigen Hodenhochstand rechtzeitig operiert. Zum Teil war die verzögerte operative Therapie dadurch begründet, dass zunächst medikamentöse Therapien erfolglos durchgeführt und zu spät begonnen wurden.

Es scheint also ein ganz erheblicher Informationsbedarf zu bestehen. Kinderärzte, Allgemeinmediziner und Urologen sollten über diese Problematik informiert werden und der Artikel im Ärzteblatt ist ein erster Schritt dazu.

G Zöller, R-H Ringert: Hodenhochstand im Kindesalter- oft zu spät behandelt.
Dtsch Ärztebl 2005; 102: A 1750-1752


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.