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Die richtigen Spermien wählen?

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Im Rahmen der IVF werden die Spermien und die Eizellen im Reagenzglas zusammengebracht. Die anschließende Befruchtung findet dann jedoch genauso statt wie sonst im Eileiter. Der üblicherweise verwendete Begriff „künstliche Befruchtung“ trifft daher nicht auf auf die IVF, sondern lediglich die ICSI zu.

Demzufolge müssen für die IVF die besten Spermien ausgewählt werden, üblicherweise mit Hilfe von Aufbereitungsmethoden, die sich an der Beweglichkeit der Spermien orientieren. Dies sind dann zwar auch meist diejenigen, die am ehesten in der Lage sind, die Eizellen zu befruchten, jedoch bleibt in fast 5% aller IVF-Behandlungen die Befruchtung aus.

Die ist möglicherweise auf eine Störung des Erbguts in den Spermien zurückzuführen (erhöhte DNA-Fragmentation), wobei es auch Studien gibt, die einen solchen Zusammenhang nicht herstellen können. Zur Untersuchung Fragmentationen wird eine Vielzahl an Methoden angewendet, deren Zuverlässigkeit und Aussagekraft jedoch limitiert ist und in der Routine nur unzureichend einsetzbar.

Spermien unterm Mikroskop
Spermien unterm Mikroskop
Eine US-amerikanische Gruppe von Wissenschaftlern hat nun eine relativ einfach Methode zur Auswahl der richtigen Spermien entdeckt. In der Entwicklung zum reifen Spermium bildet der Samenfaden unter anderem Rezeptoren an seiner Zellmembran aus, die an Hyaluronsäure binden können. In anderen Studien konnte gezeigt werden, dass diese Bindungsfähigkeit mit der an Eizellen sehr deutlich korreliert.

In der Studie sollte nun die Frage beantwortet werden, ob diese Bindungsfähigkeit der Spermien auch ein Hinweis für den genetischen Zustand der Spermien sein könnte. Dazu wurden Spermienproben von 50 Männern mit der Hyalorinsäure vermischt und anschließend eine Untersuchung auf DNA-Fragmentationen durchgeführt. Hierbei zeigte sich, dass jene Spermien, die an das Molekül andockten, eine wesentlich höhere Integrität des Erbguts aufwies als jene, die dies nicht taten.

„Wir haben nun einen biochemischen Marker für die Befruchtungsfähigkeit der Spermien gefunden“ sagt Dr Gabor Huszar, der Direktor des Labors für Spermienphysiologie an der Yale Universität. „Damit kann auf einfache Weise der genetische Zustand der Spermien festgestellt werden“. Neben der Verbesserung der Befruchtungsraten soll anderen Studien zufolge auch die Rate an Fehlgeburten gesenkt werden.

Yagci A, Murk W, Stronk J, Huszar G
Spermatozoa Bound to Solid State Hyaluronic Acid Show Chromatin Structure with High DNA Chain Integrity: An Acridine Orange Fluorescence Study.
J Androl. 2010 Feb 4. [Epub ahead of print]


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Kommentar

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7 Kommentare
  1. Sören schreibt

    Wenn das mal kein ausgewanderter Ungar ist, dieser Gabor Huszar…deswegen leben in Ungarn nur 10 Millionen von denen, der Rest ist woanders…

  2. […] This post was mentioned on Twitter by Sören Schewe + Elmar Breitbach: Die richtigen Spermien finden: Neue Auswahlmethode für die künstliche Befruchtung http://bit.ly/9TAyyy […]

  3. Elmar Breitbach schreibt

    @ Sören: Ziemlich sicher ist das ein Exil-Ungar. Und zwar erste Generation, sonst hieße er John Huszar oder so etwas in der Art 😉

  4. Hasipuffer schreibt

    @doc…
    Heißt das jetzt im Umkehrschluss, dass eine Nullbefruchtung bei IVF auf genetisch nicht einwandfreie Spermien zurückzuführen ist?

  5. Elmar Breitbach schreibt

    Es ist eine Erklärung, aber wie immer gilt: Nicht die einzige und ich würde den Umkehrschluss so nicht wagen, da ich viele Paare kenne, die danach eine ICSI durchgeführt haben und weder Abort- noch Fehlbildungraten sind in dieser Gruppe höher als bei der normalen IVF

  6. Hasipuffer schreibt

    Danke, das beruhigt mich zu hören…wir gehören nämlich zu den 5% 😉
    Bei der IVF war 0 von 7…die ICSI-Befruchtung brachte 6 von 8…zwei sind grade heute eingezogen!!!

  7. Lectorix schreibt

    Na, da bin ich ja mal gespannt, ob das in 5 Jahren von dir im Vortrag dann unter „Mythos“ läuft oder ob es endlich was ist, was auch im täglichen Gebrauch sinnvoll angewendet werden kann. Ich fänd’s eigentlich nicht schlecht – wär mal ein Licht am Ende des Tunnels, gerade auch was die Spermien angeht, die für ICSI verwendet werden.