Die Mythen: Was schädlich für die Spermien sein soll

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spermien verbessern
Wenn es um die männliche Fruchtbarkeit geht, steht vieles im Verdacht, der Qualität der Spermien zu schaden. Die Spermien zu verbessern, indem man solche negativen Einflüsse meidet, ist das Ziel eines jeden Mannes mit Kinderwunsch. Was also schadet wirklich?
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Vor ein paar Tagen hatte ich zum Thema Mythen und Fakten, was kann man für bessere Spermien tun? bereits die Fakten zusammengestellt, also die Punkte, die wissenschaftlich bewiesen sind.

Spermien verbessern: Die Mythen

Hitze

Die Hoden mögen keine hohen Temperaturen. Die Spermienbildung erfolgt aus bisher noch unbekannten Gründen nur bei Temperaturen, die etwas unterhalb der normalen Körpertemperatur liegen. Ungefähr bei ca. 35° C herrschen optimal Bedingungen. Ist die Temperatur im Hoden zu hoch, wird die Bildung gehemmt oder es kommt zu einer Zerstörung des spermienbildenden Gewebes. Diese Erkenntnis rührt daher, dass bei Jungen im frühen Lebensalter der Hoden manchmal nicht aus dem Leistenkanal in den Hodensack absinkt. Kinder mit einem solchen Leistenhoden haben später oft eine eingeschränkte Zeugungsfähigkeit, da die Hoden im Leistenkanal der normalen Körpertemperatur ausgesetzt sind.

Die meisten Ratschläge zur Verbesserung der Samenqualität zielen daher darauf ab, die Temperatur des Hodens zu senken. Dabei wird aber oft übertrieben, denn es ist ein Unterschied, ob mn einen Leistenhoden hat oder die Hodentemperatur nur kurzfristig – beispielsweise in der Sauna – erhöht wird. Aber nun im Einzelnen:

Autofahren

Langes Sitzen im Auto kann die Hodentemperatur erhöhen. Das ist aber auch genau der Punkt: „Dauerhaft erhöht“ sind die Stichwörter. Wer morgens und abends 30 Minuten oder auch eine Stunde im Auto sitzt, hat davon keine negativen Auswirkungen zu befürchten.


Wer beruflich viel im Auto unterwegs ist, bei dem kann sich das anders darstellen (Taxifahrer, Kurierfahrer, Vertreter etc.). Wer täglich mehrere Stunden im Auto verbringt und dann womöglich auch die Sitzheizung permanent laufen lässt, muss mit einer Abnahme der Spermienqualität rechnen.


Sitzen auf dem Bürostuhl ist eher unproblematisch, wenn man regelmäßig die Sitzhaltung wechselt und auch mal gelegentlich aufsteht. Für Ungläubige gibt es aber auch Abhilfe. Einer meiner Lieblingsartikel beschäftigt sich mit dem „coolen Bürostuhl“.

Sauna und heisse Wannenbäder

Hier gilt eigentlich Ähnliches wie auch beim Autofahren. Eine kurzfristige Hitzeinwirkung ist völlig unbedenklich. Wer also 1x wöchentlich in die Sauna geht oder sich gelegentlich ein heißes Wannenbad einlaufen lässt schadet damit seiner Fruchtbarkeit sicherlich nicht.

Um hier einen negativen Effekt zu erreichen müsste man es schon massiv übertreiben, aber selbst der größte Liebhaber der Hitzeanwendung wird nicht täglich mehrere Stunden in der heißen Wanne sitzen. Und beim Saunieren sollte man sich ein wenig zurückhalten – einmal wöchentlich scheint aber der aktuellen Studienlage zufolg kein Problem zu sein.

Laptop

Das ist einer von den Fällen, wo eine schlecht gemachte Studie so lange immer wieder zitiert wird, bis man glaubt, die Ergebnisse stimmen. Was natürlich nicht der Fall ist, sonst hätte ich schon gestern etwas darüber geschrieben. In der besagteb Studie der State University New York in Stony Brook wurde herausgefunden, dass die Spermienqualität durch Laptops vermindert werden kann.

Es stimmt schon: Im Inneren eines Laptops herrschen bis zu 70 °C. Aber die Laptops als Spermienkiller zu bezeichnen ist falsch: In der Studie wurde die Scrotaltemperatur gemessen, während die 29 Probanden 60 Minuten mit geschlossenen Beinen und einem Computer direkt auf dem Schoß auf einem Stuhl saßen. Wer es genau wissen möchte, hier findet sich der englische „Abstract“. Es reicht also offenbar schon, den Computer auf einen Tisch zu stellen oder gelegentlich mal ein wenig Luft zwischen die Beine zu lassen.

Und da wäre dann noch die Studie zum WLAN und Handy. Die „Bestrahlung“ der Spermien mit WLAN führt zu einer Schädigung der Spermien, wird immer wieder geschrieben. Dabei wird – wenn überhaupt – eine argentinische Studie zitiert. Wenn man diese aber genau durchliest, stellt man fest: Das steht da so gar nicht drin.

Handy

Die Ergebnisse einer ungarischen Arbeitsgruppe, vorgestellt auf der 20. Konferenz der “European Society for Human Reproduction and Embryology” in Berlin, zeigten eine Reduzierung der Spermienqualität um bis zu 30%, wenn die Männer ihre Mobiltelefone körpernah trugen und häufig verwendeten. Dieser Vortrag wurde jedoch nie schriftlich in einem Fachmagazin veröffentlicht und schon auf der Konferenz wurden die Ergebnisse von anderen Wissenschaftlern mit Skepsis zur Kenntnis genommen.

Zum Beispiel moniert der holländische Fortpflanzungsmediziner Hans Evers, ein ehemaliger Präsident der Fachgesellschaft “European Society for Human Reproduction and Embryology”, dass wichtige Störfaktoren wie Alter, Lebensumstände und Angewohnheiten wie Rauchen nicht kontrolliert worden seien und das Ergebnis deshalb nicht aussagekräftig: “Was ist zum Beispiel, wenn starke Mobilfunk-Nutzer in Ungarn einfach ein stressigeres Leben führen?

Der Androloge Professor Schulze aus Hamburg ist überzeugt, dass es ganz andere Faktoren sind, die sich auf die Spermaqualität auswirken – etwa Nikotin. Bei dieser Substanz gebe es nachweisbare Einflüsse auf die Schwangerschaftsraten von zeugungswilligen Paaren. “Selbst wenn da irgendwas dran sein sollte, dürfte ein Handy in der Hosentasche weniger ausmachen als fünf Zigaretten am Tag”, so Schulze gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung sind nicht ausreichend untersucht. „Die aktuelle Studienlage zeigt jedoch nur Tierversuche mit elektromagnetischer Strahlung und dies in hohen Dosen, die auf den Menschen nicht übertragbar sind und schon gar nicht auf den Gebrauch von Handys“ kommentiert beispielsweise Camelia Gabriel von der Firma Microwave Consultings London, die die Wirkung von elektromagnetischer Strahlung auf die Gesundheit untersucht.

Dieses Thema ist sicherlich nicht abschließend geklärt, aber eine Dramatisierung der Folgen von Handynutzung ist nicht angebracht.

Radfahren

Das wurde bereits in dem anderen Artikel zur Verbesserung der Spermien ausführlich erläutert. Selbst häufiges und langes Fahrradfahren erhöht zwar die Temperatur der Hoden, aber die Spermienqualität verschlechtert sich nicht.

Kleidung

Ob der Mann Boxershorts trägt oder normale Slips ist ohne Bedeutung, wie eine Studie der State University of New York belegte. Auch das äußere Beinkleid ist nur dann von Bedeutung, wenn es extrem eng anliegt, die Hoden am Körper fixiert und dauerhaft getragen wird. Auch kein gängiges Szenario, aber vielleicht ein Empfehlung an die Freunde der Latex-Mode, diese nur ausgewählten Gelegenheiten anzuziehen.

Man sollte vielleicht nicht in Latexunterwäsche mit dem Handy in die Sauna gehen, wäre meine Empfehlung

 Spermien verbessern: Die Mythen

  • Heiße Wannenbäder schaden nicht.
  • Saunieren: 1x wöchentlich schadet sicher nicht. Darüber hinaus herrscht Unklarheit.
  • Autofahren: Sitzheizung nicht durchgehend laufen lassen.
  • Laptop: die Temperatur hat nur geringen Einfluss bei direktem Kontakt
  • Laptop: WLAN schadet ebenfalls nicht belegbar.
  • Handy: Jede Menge Studien zur „Strahlung“, die meisten nicht brauchbar
  • Handy: Temperatur: Aktuell Hinweise darauf, dass das Tragen in der Hosentasche einen negativen Einfluss haben kann.
  • Radfahren: Nur zu, kein Problem.
  • Die Empfehlung der Boxershorts um die Spermien zu verbessern entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.


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Kommentar

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8 Kommentare

  1. Dennis schreibt

    Also wieder mal viel Lärm um nichts, danke für den Artikel. Das mit Stuhl finde ich ganz witzig und das mit dem Laptop und Handy beruhigt mich aber 🙂
    VG Dennis