Ferticheck: Bestimmung der individuellen Fruchtbarkeit

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Dass die Möglichkeit für eine problemlose Konzeption und Schwangerschaft mit dem Alter abnimmt, ist bekannt, jedoch nicht ausreichend, um die Familienplanung nachhaltig zu beeinflussen. Der Trend zur späten ersten Schwangerschaft nimmt zu.

Aufklärung scheint not zu tun, wenn man diese Graphik anschaut. Denn die Einschätzung der altersabhängigen Fruchtbarkeit ist aus Sicht der Bevölkerung bis Ende 30 noch hoch und zunehmend und fällt erst ab 40 ab, während die Ergebnisse der Kinderwunschbehandlungen eine andere Sprache sprechen:

Alter und Fruchtbarkeit
Alter und Fruchtbarkeit

Wieviel Zeit einem noch bleibt, um ohne weiteres schwanger zu werden, ist individuell unterschiedlich und hängt von der sogenannten “ovariellen Reserve” ab. Was letztlich mit der Zahl der verbliebenen und in jedem Zyklus noch zur Verfügung stehenden Eizellen abhängt. Eine Zahl, die mit dem Alter abnimmt, jedoch in individuell unterschiedlichem Tempo.

In Zusammenarbeit mit dem Berufsverband der Frauenärzte hat die Firma Merck Serono (Hersteller von Gonal F) den sogenannten “FertiCheck” als Angebot der Frauenärzte an die Patienten entwickelt. Damit einhergehend ist eine Aufklärungsaktion über den Einfluss des Alters auf die Fruchtbarkeit.


Der Test beinhaltet einen Ultraschall der Eierstöcke, bei dem die Zahl der im Eierstock erkennbaren Eibläschen (Antralfollikel) festgestellt wird, sowie die Bestimmung des Anti-Müller-Hormons und des FSH. Der Zusammenhang dieser Faktoren wird auch in unserem Artikel des Theorie-Teils zum Thema “low responder” behandelt.

Wer sich also wirklich unsicher ist hinsichtlich der eigenen Fruchtbarkeit und seiner Familienplanung, dem kann durch diese Untersuchungen geholfen werden und sie ist daher in diesen Fällen als sinnvoll zu bezeichnen. Auch die Aufklärung über den Zusammenhang zwischen Alter und Fruchtbarkeit ist zu loben.


Was haben die beiden Unterstützer dieser Aktion davon? Serono eher nichts, denn wenn die Frauen sich aufgrund der Untersuchungen früher für eine Schwangerschaft entscheiden, werden sie vermutlich auch weniger Produkte der Firma benötigen. Der Berufsverband der Frauenärzte hat aus dieser Untersuchung jedoch ein “IGEL”-Paket geschnürt (Individuelle Gesundheitsleistung), welches also den Patienten direkt in Rechnung gestellt werden kann und keine Kassenleistung darstellt. Es handelt sich also um eine zusätzliche Option zur Privatliquidation. Sicherlich kann man dem Verband nicht unterstellen, dass dies die Hauptmotivation sei, dürfte aber dazu beitragen, dass die Flyer zu dieser Aktion nicht ungelesen in den Papierkörben der Wartezimmer verschwinden.

Die biologische Eieruhr
Die biologische Eieruhr
Auch wenn die Untersuchung sinnvoll ist, darf man sich bei einem günstigen Ergebnis nicht zurücklehnen und die Familienplanung um 10 Jahre verschieben. Denn die Zahl der Eizellen ist nur ein Kriterium, die Qualität der Eizellen (vor allem die genetische Intaktheit) ein weiterer wichtiger Faktor, der weniger stark individuellen Schwankungen unterworfen ist. Die biologische Uhr tickt also bei jeder Frau. Der Test kann nur klären wie laut oder leise.



Kommentar

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9 Kommentare

  1. steffi schreibt

    Hallo. Nun war ich eben so eine Frau, die sich einem FSH Test unterzogen hat, ohne jemals versucht zu haben, schwanger zu werden. Er war schlecht fuer mein Alter (35), er lag bei 11. das E2 war auch erhoeht. Danach brach bei mir die Panik aus. Nun habe ich eine Tochter, es hat genau einen Zyklus gedauert bis ich schwanger war – soviel zu diesen Tests. Die Daten, die die Aerzte haben sind die Daten der Kinderwunschpatientinnen bei denen bereits Infertilitaet vorliegt. Es gibt meines Wissens keine Studien die den Test bei fruchtbaren Frauen als sinnvoll belegen. Man sollte davon die Finger lassen sondern sich in jedem Fall mit 35 sputen.

  2. Ida schreibt

    Also diese Grafik ist vollkommender Blödsinn. Während die blauen Balken die abnehmende Fruchtbarkeit anhand von Kinderwunsch-Behandlungsergebnissen zeigen, suggeriert die darübergelegte gelbe Kurve, die Menschen nähmen an, die weibliche Fruchtbarkeit begönne mit Mitte zwanzig und erreichte ihren Höhepunkt mit 40. Das wird aber wohl niemand ernsthaft vermuten. Richtiger wäre es gewesen, links oben zu beginnen und die Kurve dann durchweg(je nach Umfragedaten) über den blauen Balken “schweben” zu lassen. Um eben auszusagen, dass Menschen die Fruchtbarkeit bei Frauen über 35 für höher halten als sie tatsächlich ist.

  3. Elmar Breitbach schreibt

    @Ida: Blödsinn nicht, sie zeigt nur zwei verschiedene Kurven. Gelb zeigt, wann die meisten glauben, dass die Fruchtbarkeit deutlich reduziert ist. Die meisten sehen diese Grenze bei 40. ds ist schon ok so. Nur beide Kurven zusammen macht wenig Sinn für den eiligen Beobachter und daher auch für fast jeden 😉

  4. Rebella schreibt

    Ich halte so einen Test – so er denn was taugt – für sinnvoll, um zu klären, ob sich noch eine Kinderwunschbehandlung lohnt. Eine Klärung, ob man noch mit der Familienplanung warten kann, sollte so ein Test nicht zur Folge haben. Denn die Ergebnisse können sich ja jederzeit ändern.

    Die hohe Erwartung an die Fruchtbarkeit in älteren Lebensabschnitten kommt nicht überraschend. Ich halte es auch nicht für eine alleinige Aufgabe der Ärzte, darauf hinzuweisen. Das ist etwas, was schon in den Sexualaufklärungsunterricht in der Schule gehört. Trotzdem wird diese Aktion, von der hier berichtet wird, sicher auch einen Aufklärungsbeitrag leisten und ist somit sinnvoll.

  5. Ich schreibt

    Die Idee wäre genial, wenn wirklich richtig gearbeitet würde, aber der Test scheint mir nicht komplett. Es fählt meiner Meinung nach: Genetik, Immu, Gebärmutter usw.
    Und Fruchtbarkeitstest wären gut auch für die Bestimmung der Verhütung. Manche verhüten und wissen gar nicht dass sie es nicht brauchen.
    Nun verstehe von dem Graphik manches nicht und ich rede nur von den blauen Balken:

    1. Beim letzten Balken (44 Jahren) seht sich wieder ein Steigen, im Vergleich dem balken zuvor?
    Wie ist das bitte zu erklären?
    2. Zu null geht es auch nicht.
    3. Die Kurve Fängt auch von ein zeimlich kleines Niveau aus: das bedeutet also unter 30 Jahre ist die Fruchtbarkeit nur 45%. Viele sind schon dann nicht unfruchtbar.

    Der Test scheint nicht so korrekt, oder die Kurven/Erklärung der Ergebnissen stimmt nicht.
    Ich sehe so ein Test sinnvoll wenn richtig durchgeführt und analysiert, und die KK sollten es bezahlen. Aber, die Bedingungen:
    a. Man sollte die Fruchtbarkeit schon früh prüfen, auch vor dem Anfang des GV (also mit der Periode 11-12 Jahre), um zu sehen welche Probleme es geben könnte bei Mädchen, damit sie nicht plötzlich irgendwann in eine Beziehung erfahren: “du bist gar nicht fruchtbar”, oder auch um zu sehen ob und wie man verhüten soll erst mal.

    b. es können ja auch vorzeitige, sehr frühe Wechseljahre eintreten und man sollte diese Neigung schon kennen um früher anzufangen mit Kiwu.
    c. Nicht nur auf Eizellen begrenzen, weil die Eierstöcke bzw. Eizellen könnten ja bis 50 gut sein, aber es fehlt an anderes.

    Und man sollte erst mal mit der Definition der Fruchtbarkeit anfangen, denn das bedeutet eigentlich ein Kind zeugen zu können.
    Wenn jemand keine Kinder zeuge/tragen kann, dann kann es auch andere Ursachen liegen, ausser Eizellen.

    Und man kann inzwischen, wenn alles anderes normal ist, ein Kind auch durch fremde Eizellen bekommen.

    Und letztendlich sollte ein passendes Test auch bei Männer gemacht werden, damit er nicht irgendwann mit der zigten Lebensgefährtin herausfindet er hat keine Spermien eigentlich.

  6. remis schreibt

    @ich: lies die erklärungen nochmal. Schaue dir die Kurven nochmal an. Denke nochmal ein wenig darüber nach, was da dargestellt wird und du müsstest in deimem Beitrag nicht so einen Unfug schreiben wie “das bedeutet also unter 30 Jahre ist die Fruchtbarkeit nur 45%. Viele sind schon dann nicht unfruchtbar.”
    Das ist nur eine von vielen fehlerhaften Interpretationen deine Beitrages.

    Außerdem geht es in dem Beitrag nicht um die männliche Infertilität (um die geht es u.a. in meinem Blog) sondern um die weibliche!

    Ach, was rede ich mir hier eigentlich den Mund wieder fusselig, ich halte jetzt besser meine Klappe, ist eh besser für meinen Blutdruck….

  7. Elmar Breitbach schreibt

    @ remis: Manchmal habe ich auch Schwierigkeiten, meinen Boykott durchzuhalten. Danke.

  8. AnnetteEllen schreibt

    Aber, aber, wer haut sich denn da doch wieder den Schädel an der Erdscheibe blutig ?
    Tztztz…. Verstehe ich gar nicht ;-).

  9. Eizellen aus Stammzellen

    […] deutlich. Dies differiert individuell durchaus nicht unerheblich und es gibt auch Initiativen, um die individuelle Fruchtbarkeit festzustellen, die Tatsache, das die abnehmende Eizellqualität mit zunehmendem Alter die […]