Bis zu welchem Alter ist eine künstliche Befruchtung erfolgversprechend?

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Die Frage nach den altersabhängigen Erfolgschancen wird auch in unserem Forum immer wieder diskutiert. Vielen werden vermutlich die Zusammenhänge zwischen Alter und Fruchtbarkeit bereits mehr als bekannt sein. Aber die in Abhängigkeit vom Alter der Frau langsam abfallenden Schwangerschaftsraten in den Statistiken des deutschen IVF-Registers lassen keine klare Grenze erkennen, bis zu der eine künstliche Befruchtung mit eigenen Eizellen noch lohnt. Und sicher berechtigt ist der Einwand, dass individuelle Faktoren wie der (noch vorhandenen) Aktivität der Eierstöcke bei der künstlichen Befruchtung vermutlich eine ganz erhebliche Rolle spielen. Nur wie groß die Bedeutung dieser Einflussfaktoren ist, vermochte bisher niemand genau zu sagen.

Diesen Fragen wurde eine Studie gewidmet, deren Ergebnisse auf dem diesjährigen Meeting der ESHRE (European Society for Human Reproduction and Embryology) vorgetragen wurden. In dieser Studie wurden alle Frauen erfasst, die in der der Universitätsklinik Barcelona über einen Zeitraum von 12 Jahren mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung behandelt wurden und zum Zeitpunkt dieser Therapie 38 oder älter waren. Insgesamt wurden die Daten von 4195 Frauen in 5841 IVF-Zyklen erfasst. Die Ergebnisse wurden für 4 Altersgruppen (38-39, 40-41, 42-43 und ≥ 44) getrennt ausgewertet. Aufgrund des langen Untersuchungszeitraums kamen für jede Altersgruppe aussagekräftige Zahlen zusammen (2119, 1883, 1159 bzw. 680).

Als Parameter für „Erfolg“ wurde nicht die Schwangerschaftsrate verwendet, sondern die Geburt eines lebenden Kindes, denn dies ist ja das Ziel einer solchen Behandlung. in der folgenden Grafik findet man die Übersicht der altersabhängigen Ergebnisse der „Frischzyklen“ und der Kryozyklen aus den gleichen Punktionszyklen.

alter_und_ivf

Nun ist es sicherlich auch eine Frage der individuellen Betrachtung, was man als ausreichend ansieht, um die Durchführung einer IVF für gerechtfertigt zu halten. Etwas über einen Prozent ist es jedenfalls nicht zwingend und bei gut 6 Prozent im Frischzyklus kann man auch Zweifel bekommen.


Aber was ist, wenn man viele Eizellen hat?

Wie eingangs bereits erwähnt, steigen die Chancen auf eine Schwangerschaft mit zunehmender Zahl der Eizellen, wobei als Obergrenze meist 15 Eizellen genannt wird. Ändern sich die Erfolgsraten also erheblich, wenn mehr Eizellen gewonnen werden können? Zumindest steigt die „kumulative Geburtenrate“ nach dem Verbrauch aller gewonnen Eizellen, da ja auch eingefrorene verwendet werden können und diese Kryozyklen die Gesamtchance insgesamt steigern.

Bei der Auswertung der Daten wurde auch dieser bedeutsame Aspekt berücksichtigt und die altersabhängige kumulative Geburtenrate in Abhängigkeit von der Zahl der Eizellen berechnet.

alter_und_eizelzahl_ivf

Grundsätzlich bestätigen diese Zahlen, dass ein höhere Zahl an Eizellen hilfreich ist. Nicht jedoch, wenn die Frau 44 Jahre oder älter ist. Dann ist – unabhängig von der Zahl der Eizellen – die Erfolgsrate extrem niedrig. In den anderen Altersgruppen ist der positive Einfluss der Eizellzahl auf die kumulative Lebensgeburtenrate deutlich erkennbar.

Sicherlich sind solche retrospektive Statistiken immer mit Vorsicht zur Kenntnis zu nehmen, jedoch lässt die große Zahl der Patienten, auf deren Behandlunge diese Zahlen basieren, eine belastbare Datenbasis annehmen. Die Autoren der Studie ziehen zwei wesentliche Schlüsse aus dieser Untersuchung;

  • Frauen, die ≥ 44 Jahre alt sind, sollte von einer künstlichen Befruchtung abgeraten werden, da der Aufwand und die Risiken einer solchen Behandlung in keinem Verhältnis zum zu erwartenden Erfolg steht.
  • Bei Frauen um die 40 Jahre sollte eine Einschätzung der zu gewinnenden Eizellzahl durch entsprechende Voruntersuchungen angestrebt werden, da diese bei der Beratung hinsichtlich der Erfolgswahrscheinlichkeit von großer Bedeutung ist.

GAnz überraschend sind diese Ergebnisse nicht, kam doch eine recht große Analyse vor 10 Jahren bereits zu recht ähnlichen Ergebnissen.

 


M. Devesa1, R. Tur1, F.
“I will use my own”: until what age?
ESHRE Annual Meeting, Lisbon 2015 L15-0708



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Kommentar

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7 Kommentare

  1. greta schreibt

    bis 43 liegt man doch noch glatt auf der erfolgsseite – naja, gemessen an „ohne jede behandlung“…

    aber warum bei 44 der schnitt so derartig runter geht, das wüsste ich gerne mal. das ist ja wie abgeschnitten. liegts an der qualität der EZ? oder an anderen dingen? hm…

    ab 44 würde ich dann nur noch zu stimuzyklen raten, spart geld und ist vermutlich genauso (wenig) erfolgreich wie kb…

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Wenn es sich nicht auch (leider) ganz ausgezeichnet mit meinen eigenen Erfahrungen decken würde, dann hätte ich auch Zweifel an den Zahlen, aber die tägliche Praxis zeigt bedauerlicherweise, dass diese Grenze gut nachvollziehbar ist.

  3. Besserwisserin schreibt

    Es ist nicht richtig, dass der positive Effekt von höheren kumulativen Eizellenzahlen bei den über 44-jährigen nicht zu sehen wäre, die prozentualen Erhöhungen sind in allen Gruppen ungefähr eine Verdopplung der Erfolgswahrscheinlichkeiten zwischen 4 und 12 Eizellen. Bei den >=44 Jährigen bleibt die Erfolgswahrscheinlichkeit trotzdem sehr niedrig.

  4. Elmar Breitbach schreibt

    Grundsätzlich bestätigen diese Zahlen, dass ein höhere Zahl an Eizellen hilfreich ist. Nicht jedoch, wenn die Frau 44 Jahre oder älter ist. Dann ist – unabhängig von der Zahl der Eizellen – die Erfolgsrate extrem niedrig.

    Ich denke, dass es an dieser Aussage nichts zu beanstanden gibt. „Hilfreich“ war das Stichwort. Die Steigerung auf zwei Prozent halte ich nicht für wirklich hilfreich. Mir wäre es auch lieber, wenn es anders wäre.

  5. greta schreibt

    doc, gibts so eine studie auch über erfolge OHNE behandlung?

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Vermutlich, ist mir jedoch nicht bekannt.

  7. greta schreibt

    schade. sind ja immer mal fragen dazu im forum – beim „abwägen“