62-Jährige bringt gesundes Kind “nach IVF” zur Welt. Sensation?

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Die Mutter spricht von einem “Wunder des Himmels”. Und das ist es auch, denn es ist nicht selbstverständlich, dass eine Schwangerschaft bei über 60jährigen nicht dauerhaft die Gesundheit von Mutter und Kind schädigt. In dem entsprechenden Artikel der WAZ-Gruppe wird auch dankenswerterweise die Entstehung des Kindes erwähnt:

Das Kind sei durch In-vitro-Fertilisation (IVF) bei einem Spezialisten in Madrid gezeugt worden, hatte die Nachrichtenagentur efe zuvor berichtet.

Erfolgreiche In vitro Fertilisation bei einer 62jährigen?

Das wird so manche Frau über 50 beruhigen, die noch eine Reagenzglasbefruchtung plant. Und das ist auch in Ordnung, soweit es die Möglichkeit angeht, auch noch um die 50 eine Schwangerschaft auszutragen. Wenngleich die Risiken etwas höher sind, so gibt es jedoch bei gesunden Frauen dieses Alters gute Chancen auf einen normalen Verlauf der Schwangerschaft.

Warum also wird von den Reproduktionsmedizinern behauptet, das Alter spiele eine so große Rolle bei der Chance schwanger zu werden?

Das ist genau das Problem solcher Nachrichten: Man könnte daraus schließen, es handele sich hier um eine “normale” künstliche Befruchtung und könne diese Therapie also erfolgreich bis zum Rentenalter anwenden. Und das ist leider nicht der Fall. Zahlreiche Studien zu diesem Thema belegen eine sehr starke Abhängigkeit der Erfolgsraten bei der IVF vom Alter der behandelten Frau. Auch eine gute Aktivität der Eierstöcke kann das nur zwischen 40 und 44 Jahren zum Teil kompensieren und ab 45 ist die Reagenzglasbefruchtung nur noch in wenigen Einzelfällen erfolgreich. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) rät daher auch von Behandlungen ab, wenn die Frau älter als 43 Jahre ist.


Wie kann also eine In Vitro Fertilisation bei einer 62jährigen zu einer Schwangerschaft führen?

Alle diese Berichte über Frauen, die in reproduktionsmedizinisch hohem Alter noch Kinder bekommen ignorieren oder verleugnen bewusst, dass diesen “Wundern” IMMER eine Eizellspende zugrunde liegt. So vermutlich auch bei Janet Jackson, die dies nicht zugeben mag aber zumindest erfrischend ehrlich über den Verlauf ihrer Schwangerschaft berichtet.

Nun könnte es einem ja ziemlich egal sein, wie all diese Frauen schwanger wurden und ob und wie sie darüber berichten. Aber zum einen ist es – zumindest aus Sicht des Reproduktionsmediziners – unverständlich und schade, dass die Reagenzglasbefruchtung und die Eizellspende tabuisiert ist und niemand darüber sprechen möchte und zum Anderen führt dies zu einer völlig verzerrten Wahrnehmung der weiblichen Fruchtbarkeit. Bis zum 50. Lebensjahr schwanger werden zu können, wird – zumindest mit einer In Vitro Fertilisation – als normal angesehen. Wenn man auf diesen falschen Erkenntnissen seine Lebens- und Familienplanung aufbaut, dann ist die Enttäuschung absehbar.

biologische Uhr
Wie schnell läuft eigentlich so eine biologische Uhr? Es gibt UInklarheiten

Ich werde jetzt nicht hochrechnen, wie alt die Mutter sein wird, wenn das Kind seinen Schulabschluss gemacht hat. Die Bewertung der Entscheidung, in diesem Alter noch schwanger zu werden, steht mir auch nicht zu. Mich ärgert Ich finde es nur bedauerlich, dass die Berichterstattung über solche Fälle biologische Fakten schlicht ignoriert und deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.

Spitzenreiterin in der verqueren Selbstdarstllung ist Gianna Nanini, die ihre Fangemeinde darüber unterichtete, “ihre Schwangerschaft sein nicht geplant gewesen und einfach so passiert”. “Ich habe keine Hormone genommen und hatte ganz wenige Untersuchungen”. Bei der Geburt war sie 54. Aber sie hat es ja schon selbst gesungen:

Bello, Bello e Impossibile
bello, bello e incredibile

Sehr frei mit “zu schön um wahr zu sein” zu übersetzen.

Foto von anka.albrecht



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Kommentar

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6 Kommentare

  1. Sonya schreibt

    Nö. Ist mittlerweile keine Sensation. Und ja, es ist dringend notwendig, dass man die jungen und vor allem nicht so jungen Frauen auch durch die Medien aufklärt, wie diese “Sensationen” medizinisch zu Stande kommen. Dass es keine genetischen Kinder sind (was an sich nicht schlimm ist, aber eben nicht eine Lösung für jede Frau).

    Beim Alter finde ich nicht nur das Alter in ferner Zukunft bedenklich, sondern gerade in den ersten Jahren. Wenn die Kinder mobil und aktiv werden. Sie wollen turnen, tobben und sind ganz flink. Ob man mit 62 noch den ganzen Tag im Vierfüßlerstand mit dem Baby Schritt halten kann?

  2. Li Ripa schreibt

    Das ist unverantwortlich!

  3. Miri Jam schreibt

    Unglaublich egoistisch nenn ich so was…..hat sie an das Kind gedacht, wie wird es sich fühlen, wenn die Mama als Oma bezeichnet wird, geschweige denn die Erkenntnis das der Tod zum Leben dazu gehört und das arme Kind, damit wohl viel zu früh konfrontiert wird dies ist schon als Erwachsener eine Hürde seine Eltern zu verlieren. Ich finde diese Frau einfach nur egoistisch……

  4. tttxf schreibt

    Ich dachte ja, Gianna Nanni sei lesbisch- aber da passt das “einfach so passiert” ja erst recht nicht 😀

  5. Elmar Breitbach schreibt

    @ Sonya: Je näher man den 60 kommt, desto mehr ist man möglicherweise davon überzeugt, dass man es schaffen kann 😉

    @ Miri: Niemand bekommt Kinder nur aus Altruismus, Egoismus ist auch immer dabei, wie weit der führen darf, vermag ich nicht zu entscheiden, das schrieb ich auch bereits in dem Artikel.

    @ tttxf: Irgendwie hatte ich diese Info auch noch abgespeichert. Im Regal “Unnützes Wissen”, direkt neben der Startaufstellung der WM-Finalmannschaft von 1986 😉

  6. Dartspro Mike schreibt

    Das ist schon ziemlich krass und unwahrscheinlich. Allerdings auch nicht empfehlenswert in dem Alter…