Samenspende: Spenderdatenbank geplant

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Kinder, die aus einer Behandlung mit Spenderspermien entstanden sind, haben ein Recht darauf, Zugang zu den Daten des Spenders zu bekommen. Dies wurde zuletzt gerichtlich durch ein Urteil des Landgerichts Hamm festgelegt. Jedoch kollidiert diese Rechtsvorstellung mit ganz banalen Fakten, so zum Beispiel, dass kein Arzt verpflichtet ist, die entsprechenden Dokumente lange genug aufzubewahren. Und selbst wenn de Daten vorhanden sind und die Kinderwunsch-Klinik gewillt ist, die Daten herauszugeben, kann die Herausgabe der Daten aktuell nur nach richterlichem Beschluss erfolgen.

In einem Artikel zu dem o. g. Urteil hatte ich damals meine Wünsche zur Klärung dieser Problematik zusammengefasst:

  1. Grundsätzlich ist eine zentrale (bundesweite) Meldestelle, die auch die Aufbewahrung der Daten übernimmt, sinnvoll.
  2. Wünschenswert wäre eine Verordnung, die die Herausgabe der Spenderdaten regelt, damit ein junger Erwachsener nicht die Hürde eines Gerichtsverfahrens nehmen muss, um seine genetische Herkunft erfahren zu können.
  3. Eine klare Regelung zu Schutz der Samenspender vor Unterhaltsansprüchen ist ebenfalls dringend erforderlich.

Genau so wird es jetzt kommen. Ich bin nicht so vermessen zu glauben, der Gesundheitsminister habe meinen Artikel selbst gelesen oder gar direkt in ein Gesetz umgeschrieben, aber das Gesundheitsministerium kündigte nun ein neues Gesetz zur Regelung der Spermienspende an, berichtet RP-Online.

Foto von Steve Corey
Der Vater, von dem man das Surfen lernt, ist nicht immer der Erzeuger – aber sicher der Vater.

Aufbau einer zentralen Spenderdatei geplant

Ziel dieser Datei ist eine dauerhafte und für die Kinder zugängliche Speicherung der Spenderdaten. Die Samenbanken werden künftig zu jeder Spende die Daten und Anschrift des Spenders speichern. Und die Abgabe der Spermien darf nur an reproduktionsmedizinische Zentren erfolgen, die ihrerseits verpflichtet sind, die Daten der Mutter und des Kindes festzuhalten. [Punkt 1: ✓]

Aus diesen Angaben wird beim Kölner Institut für Medizinische Dokumentation und Information ein bundesweites Samenspenderregister aufgebaut, das die Daten zu jedem erzeugten Kind 110 Jahre lang zu speichern hat. Einen Anspruch auf die Daten des Samenspenders hat nur das Kind selbst, nicht jedoch die Eltern oder der Spender, die Information fließt also in einer Einbahnstraße ausschließlich zum Kind. Es kann also nicht irgendwann ein Spender beschließen, sich die Daten der von ihm gezeugten Kinder geben zu lassen, um ihnen Weihnachtskarten schreiben zu können. Die Herausgabe der Daten erfolgt ohne richterlichen Beschluss. [Punkt 2: ✓]


Damit die Spendenbereitschaft nicht abnimmt, will Gesundheitsminister Gröhe zugleich klar regeln, dass Samenspender rechtlich nicht als Väter festgestellt werden können und damit vor Unterhalts- und weiteren Ansprüchen geschützt sind. [Punkt 3: ✓]

Man kann diese geplante Regelung nicht genug loben, klärt sie doch nun klar, was sich aktuell in der Grauzone befindet und nimmt sie aus der rechtlichen Schmuddelecke.

Nun fehlt nur noch der letzte Punkt: Offenbar hat das Gesundheitsministerium den letzten Punkt übersehen:

Die Behandlung  lesbischer Paare ist vielerorts und die von Singlefrauen generell nicht erlaubt. Sie wird aber durchgeführt und auch hier wäre eine Regelung unbedingt notwendig. UNd damit ist nicht der Fortbestand oder die Einführung eines Verbots gemeint.

Foto von Steve Corey



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Kommentar

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3 Kommentare

  1. Julisonne schreibt

    Und noch eine Sache fehlt: im Moment ist nur geplant, das register mit zwei ITlern und einer Sachbearbeiterin zu besetzten. Die geben dann namen und letzte Adresse an das „Kind“ weiter und informieren den Spender darüber. Schönen Tag noch. Alles andere liegt dann in den Händen von Spender und Kind.
    Schaut man sich aber beispielsweise dieses Video https://www.youtube.com/watch?v=2l7fRGqm66U aus Australien an, dann sieht man, wie wichtig eine psychosoziale Beteiligung aller Betroffenen ist/wäre. Das ist wirklich schade und kurzsichtig und da fehlt der Haken auf meiner persönlichen Wunschliste.

  2. Bella Limoncella schreibt

    Ab wann sollen die Pläne denn durchgesetzt werden? Gibt es eine Liste von deutschen Samenbanken, die sich jetzt schon dazu bereit erklären, die Daten auch rückwirkend zu speichern? Befinden uns gerade in Behandlung und wüssten gern, ob die Daten für unser Kind auch schon sicher sind oder nicht.

  3. Kinderwunsch-Forum schreibt

    Das soll noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt werden. Die meisten Samenbanken bewahren die Daten aktuell 30 Jahre lang auf.