“Retortenbaby”: Kinderwunsch und die Macht der Sprache

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Die FAZ hat heute einen Artikel mit der Überschrift: “Retortenbabys – Das große Geschäft mit den Kinderlosen” herausgebracht.

Ich habe nichts dagegen, wenn man Kinderwunsch-Behandlungen als Geschäft sieht. Das ist es ja auch. Wenn man damit kein Geld verdienen könnte, würde es niemand machen. Aber der Artikel wimmelt nur so von wertenden Begriffen, die einem Außenstehenden vermutlich nicht auffallen.

Es geht los mit dem Begriff “Retortenbaby“. Wikipedia ist wirklich selten die Informationsquelle meiner Wahl, aber hier steht: “Retortenbaby ist die umgangssprachliche (und oft abwertende) Bezeichnung für ein Kind, das durch künstliche Befruchtung gezeugt wurde.” Es sind künstlich hergestellte Kinder, mithin also “künstliche Kinder”. “Reagenzglasbaby” und “Retortenbaby” sind Begriffe, die Ende der Siebziger erfunden wurden, als die Reagenzglasbefruchtung neu und sehr umstritten war. Meist wurden die Begriffe illustriert mit kleinen Humunculi, die traurig aus einem Reagenzglas schauten. Der Autor Mathias Peer verwendet diesen Ausdruck jedoch nicht ohne Absicht durchgängig in seinem gesamten Artikel.

Zur Vorgeschichte schreibt Peer: “Es waren fragwürdige Experimente, mit denen Robert Edwards den Grundstein für ein Geschäft legte, das bis dahin der Natur vorbehalten war. Im Reagenzglas versuchte er Eizellen zu befruchten, die ein befreundeter Gynäkologe unbemerkt seinen Patientinnen entnommen hatte.” Es stimmt zwar, dass die ersten Untersuchungen an menschlichen Eizellen unbemerkt erfolgten, jedoch an Operationspräparaten, die üblicherweise der feingeweblichen Untersuchung zugeführt wurden. Vor dreißig Jahren waren Untersuchungen dieser Art gang und gäbe, nicht nur mit Eizellen. So wird jedoch die erste erfolgreiche IVF 1978 und die Geburt von Luise Brown als Folge krimineller Handlungen dargestellt. Was natürlich nicht stimmt, denn diese Behandlung erfolgte selbstverständlich mit dem Einverständnis des Ehepaares Brown.

Weiter schreibt er in der Denke der späten Siebziger von”Robert Edwards anrüchigen Experimenten” aus denen eine “Fruchtbarkeitsindustrie” geworden sei. Wir reden hier also von ethisch und medizinisch unsauberen Methoden, die “Reagenzglasbabys” in industriellem Maßstab produziert. So kann man es sehen. Man könnte es aber auch so sehen, dass inzwischen eine zuverlässige Methode existiert, welche Paaren, die aufgrund unterschiedlichster körperlicher Störungen keine Kinder bekommen können, zu ihrem Wunschkind verhilft. Peer macht genau das, was er den Ärzten mit dem Begriff “Industrie” vorwirft: Das Einzelschicksal kümmert ihn nicht, es geht ihm ausschließlich um das Geld, was dahintersteckt.


Durchgängig verwendet wird auch der Begriff “künstliche Befruchtung“. Ich spalte gerne Haare und kann immer nur wieder darauf hinweisen, dass die konventionelle IVF keine “künstliche” Befruchtung ist, da die Befruchtungsvorgänge in der Petrischale genauso ablaufen wie auch sonst auch im Eileiter. Die ICSI ist ein künstlicher Befruchtungsprozess. “Künstliche Befruchtung” impliziert jedoch das Entstehen künstlicher Kinder, also Reagenzglasbabies. Er verwendet also sehr bewußt Begriffe, die der Stigmatisierung der durch Kinderwunsch-Behandlung gezeugten Kinder dient.

Und Ärzte, die Paaren bei der Erfüllung ihres Kinderwunsches helfen, sind natürlich auch keine Ärzte, sondern “Babymacher“, also eine Zunft mit vermutlich frankensteinähnlichen Motiven.

Als einzige “Diagnose” wird von Peer der Karrierewunsch der Frau als Ursache für die Sterilitätsproblematik genannt: “Für viele gilt heute: erst die Karriere, dann das Kind.“. Verschlossene Eileiter, schlechte Spermien, Endometriose und Hormonstörungen. Für solch einen Firlefanz hat Peer keine Zeit. Karrierefrauen bekommen Reagenzglaskinder von Babymachern, so einfach ist sein Weltbild.

Die Beschreibung der hormonellen Stimulation gerät ihm zur Sportberichterstattung: “Ein großer Teil der Einnahmen geht an Pharmaunternehmen. Sie produzieren Hormone, die die Eierstöcke zu Höchstleistungen stimulieren sollen.” Da fragt man sich doch gleich, wo eigentlich aktuell der Weltrekord steht. Wir Ärzte sind da differenzierter: Individuelle, patientenorientierte und möglichst nebenwirkungsarme Stimulationsprotokolle sind das Ziel. Zu differenziert für Sportreporter Peer. Das will er gar nicht wissen. Die “Befruchtungsbranche” (Warum eigentlich nicht -industrie) ist sein Thema.


Den ärztlichen Teil der Fortpflanzungshilfe erledigen in Deutschland 120 Kliniken, die sich meist freundlich „Kinderwunschzentren“ nennen”. Wieso eigentlich “ärztlich”? Man fragt sich, warum Peer nicht konsequent bei “industriellem Teil” bleibt. Interessant ist, dass Mathias Peer die Methode wechselt. Er wirft nun uns Befruchtungsindustriellen vor, dass wir uns eines orwellschen Neusprech bedienen, um unser Tun zu verniedlichen. Wo doch eigentlich er bereits seine Deutungshoheit andauernd unter Beweis stellte.

Selbstverständlich sind auch seine Zahlenbeispiele aus dem letzten Jahrtausend: Aber nur jede fünfte Behandlung ist erfolgreich. Die Paare müssen also im Schnitt 15.000 Euro bezahlen, damit tatsächlich ein Kind auf die Welt kommt. Nur 4500 Euro bekommen sie von ihrer Kasse wieder. Und eine Garantie gibt es nicht: 60 Prozent aller Paare beenden nach drei Versuchen die Therapie, ohne ein Kind zu bekommen. Seine Rechenbeispiele ihr Vortrag sind der gleichen Machart wie in einem anderen Artikel bereits ausführlich als falsch erläutert. Aber das muss man ja nicht neu recherchieren. Das kann man ja einfach abschreiben, wenn es so schön zum Rest passt.

Der Rest des Artikels widmet sich dem Auslandstourismus. Interessanterweise ist in diesem Teil seines Artikels die Wortwahl weniger von stigmatisierenden Begriffen geprägt, nur die Praxen von Prof. Zech werden als “Imperium” bezeichnet, aber ansonsten hätte ich hier eine konsequente Fortsetzung seiner Wortwahl erwartet. Hinweise auf die Ausbeutung rumänischer Eizellenspenderinnen zumindest. Vielleicht ist Peer zum Schluss auch einfach nur die Luft ausgegangen und er hatte sich vorzeitig zu Ende empört.

Elaboriertes Bildzeitungsniveau. Und so wundert auch der einzige bisherige Leserkommentar nicht:

Wäre es nicht eine gute Idee Frauen die ein Kind bekommen, es aber nicht wollen mit jenen in Verbindung zu bringen die keins bekommen es aber wollen ? Vermutlich wären 15.000 Euro ein gutes “Argument” um so manches ungeborene Leben vor dem Tod zu retten…

Superidee, Paul. Wäre es nicht eine gute Idee, wenn man Ihnen die Zeitung vorlesen würde, wenn Sie sich keine Brille leisten können? Vielleicht von einem Hartz-IV-Empfänger, der sich sonst keine Zeitung leisten könnte?



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Kommentar

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43 Kommentare

  1. Stolbist schreibt

    Sehr geehrter Herr Dr.Breitbach.

    Wäre es möglich, dass Sie Ihre Antwort auf diesen Artikel an die FAZ zur Veröffentlichung weiterleiten? Ich meine, dass kann doch nicht Wahr sein, dass so ein Artikel unkommentiert bleibt? Und so, wie Sie es eben gemacht habe, finde ich sehr gut!

  2. shusl schreibt

    Elmar, schick denen genau diesen Text als Leserbrief.
    Und hör auf, Haare zu spalten. Sonst sind sie bald alle weg… das willst Du mit knapp 50 doch nicht wirklich?
    lg
    shusl

  3. ausnahmefall schreibt

    Ich bin auch für eine Weiterleitung an die FAZ. Der Kommentar ist nämlich wirklich gut!

  4. Tralala schreibt

    Oh je, ich glaube, ich wäre ausgerastet bei so einem Artikel! Instinktiv habe ich auch gedacht, ob Sie diesen Beitrag nicht als Leserbrief an die FAZ schicken könnten? Besser kann man den Artikel gar nicht zerpflücken.

    Eine Nachfrage habe ich noch (auch haarspalterisch): Klar, die ICSI ist viel invasiver und somit auch “künstlicher” als die IVF, aber ob es zu einer Befruchtung kommt oder nicht, liegt doch auch nicht in den Händen des Artzes oder Biologen, sondern bei der Natur. Wie sonst kommt es auch bei ICSI zu schlechten Befruchtungsraten? Den Funken Leben kann man nicht künstlich erzeugen, auch bei ICSI nicht. Oder liege ich da falsch? Wollte ich eigentlich schon in Hannover gefragt haben…

    Lg,
    Tralala

  5. Charlotta-Marlene schreibt

    Ich bin absolut sprachlos über so einen Artikel. Ich bin genau die Art von Mutter, die er sich vorstellt. Erst studiert, dann selbstständig gemacht und als es dann “passte” klappte es nicht. Dass meine FÄ mir schon mit Anfang 20 erzählt hat, dass es schwierig werden wird, interessiert dabei keinen. Aber richtig ist sicher, dass die Zeit sein übriges dazu getan hat. Aber ist es solchen Leuten lieber, ich setze mit irgendwem ein Kind in die Welt, anstatt mit dem “Richtigen” Ich bin gerade geneigt, den ersten Leserbrief meines Lebens zu schreiben. Mich treffen diese Vorurteile immer sehr. Um diese abzubauen, gehe ich auch relativ offen mit der Thematik um. Aber irgendwie muss ich befürchten, dass mein Kind irgendwann gehänselt wird, wenn sich solche ignoranten Kommentar verbreiten.

  6. Maggie1978 schreibt

    *zustimmendes Kopfnicken*

  7. Mariella schreibt

    Ich lese lieber erstmal den Artikel, wenn Dr. Breitbachs Antwort dann noch Bestand hat, pflichte ich ihm bei … 🙂

  8. reaba schreibt

    habe den artikel gerade gelesen..
    ich sage sowas eher selten, aber was für ein geistig kleines, merkbefreites männlein schreibt denn so einen mist?
    zurück an die journalistenschule, 6, setzen, nachsitzen…sonst gehts im berufsleben übers kliche-verbreiten wirklich nicht hinaus…und 100x bitte:
    ich muss recherchieren bevor ich veröffentliche..
    ich muss recherchieren bevor ich veröffentliche..

  9. Nella schreibt

    Wenn man schon den Wert von Leben in Geld sehen will, dann ist das “Geschäft” eine Investition. Wenn jedes Kind 15000 Euro kostet – was bringt es aber später? Wo bleiben die Hochrechnungen zum volkswirtschaftlichen Nutzen? Der Artikel war im Wirtschaftsteil der FASonntagszeitung. Die sollten sich doch eigentlich mit Investitionen auskennen.
    Die Zahlen zum Erfolg stimmen nicht. Die Ursachen der Kinderlosigkeit werden auf das typische klischeehafte “Karrierefrau” verkürzt, und die Eizellspende muß schnell erwähnt werden. Wirklich armselig für eine solche Zeitung.
    Allerdings stört mich auch die Aussage eines Arztes, Dr. Zech, der seine Patienten “Kundschaft” nennt. So er das so gesagt hat. Ungewollt Kinderlose so zu bezeichnen, gibt dann doch den Anschein, es handele sich um ein reines Geschäft und nicht um medizinische Hilfe für Menschen mit organischem Problem.
    Wirklich schade.
    Nella

  10. piaken schreibt

    Beschwerden, Leserbriefe, Kommentare usw. werden von der FAZ hervorragend bearbeitet, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

    Wenn nicht Sie wer dann, sollte etwas zu dem missglückten Artikel etwas sagen.

    Ich kann direkte Connection zur Online-Redaktion anbieten, die haben aber eben mit der Printausgabe wenig zu tun… Aber Sie können ja mal drüber nachdenken.

  11. Freyja80 schreibt

    Also der Bericht von der FAZ ist ums ganz genau zu sagen eine Frechheit. Es tut mir leid es so “assozial” sagen zu müssen, aber hätte ich diesen Reporter vor mir müsste ich ihn fragen ob er uns KiWüler verarschen will?!

    Elaboboriertes Bildzeitungsniveau. Das trifft es auf den Punkt.
    Hätte zu gern auch ein Kommentar bei der FAZ abgegeben, nur leider ist das nur für reg. Mitglieder möglich.
    Denn wenn ich da ein Leserkommentar lese, der da schreibt: “Allerdings denke ich, dass nicht die Karriere im Vordergrund stand sondern mehr eine Mischung aus planlosem Leben bzw. dem Wunsch alle sich bietenden Moeglichkeiten des Lebens (reisen, Party, studieren usw.) in vollen Zuegen zu geniessen gepaart mit der Idee, Kinder kriegen mit 40 ist heute kein Problem mehr.” bekomm ich noch mehr Wut.

    Nein leider machen sich solche Leute wirklich nicht die Mühe genau zu recherchieren, sonst wüssten sie das nur der allerkleinste Prozentsatz 40 jährige planlose Partypeople unter uns KiWüler sind.
    Da kann ich persönlich ja nur sagen… sorry das ich erst vor 4 jahren mit 24 jahren angefangen hab ein kind zu planen und nicht schon mit 14! *kopfschüttel*

  12. Mariella schreibt

    @Freyja80 – mhm, ich würde jetzt mal nicht den Leserbrief mit dem Verfasser des Artikels vermischen …
    @Dr. Breitbach – die Idee mit dem Leserbrief ist doch sehr gut, eine kühle sachliche Replik, unterlegt mit neuesten Zahlen würde Ihnen doch sicher leichtfallen.

  13. Elmar Breitbach schreibt

    @ Mariella: Eine sachliche Replik (zumindest sachlicher als das oben Stehende) ist mir aufgrund des unsachlichen Artikels nicht möglich.

  14. Ich schreibt

    Der Artikel ist hart, aber manche Sachen stimmen auch. Warum seht ihr die Wahrheiten nicht?
    1. KB ist sehr teuer, es wird so viel Geld damit gemacht und manche Ärzte scheinen nur am Geld zu halten.
    Da sind sie aber nicht allein, sondern das Gesundheitssystem unterstützt sie (die KK).
    Es wird nur gemacht was aus finanziellen Sicht ein Gewinn bringt.
    Manche Menschen werden nicht menschlich behandelt weil sie angeblich keine Chancen haben und auch kein Geld.Man wird einfach abgelehnt und man bekommt kein anderes Rat, eine Alternative, eine andere Lösung, man versucht gar nicht erst.Ein Versuch, eine ICSI um zu sehen wie der Körper reagiert, vielleicht klappt es doch.
    Die Medikamente sind auch teuer.
    2. Diese Sache mit Frauen über 30, Kariere usw. ist auch eine Schuld der Ärzte weil sie immer alle in einem Topf schmeißen: ab einem Alter nicht mehr behandelbar da unfruchtbar.
    Dieses Alter übernimmt jetzt jeder wie er will. Schon sehe ich dass sie von 30 Jahren sprechen. Bald wird es 20 usw….
    3. Das mit Karrierefrau ist auch wahr: wie viele tun das denn nicht?
    VIP-s und nicht nur.
    Karriere, Erfolg, Reichtum und dann die Zwillis dazu.
    Und wenn man es nicht tut, dann fragen die Leute : warum willst du ein Kind wenn du kein Job/Geld/Ausbildung usw. hast?
    Wer soll nun Kinder bekommen?
    Um sich eine KB zu leisten braucht man auch viel Geld. Man muß dafür schön verdienen.
    4. Ist das letzte Zitat aus einem Leserbrief?
    Warum scheint Ihnen Doc diese Idee so schlecht?
    Ich denke schon seit langem daran.
    Das Problem ist, es geht den meisten Frauen nicht um was sie mit dem ungewollten Kind machen sollen, sondern um die Schwangerschaft an sich und sie betrachten was sie bei der Abtreibung wegmachen nicht als Leben.
    Viele Frauen wollen nur Abtreibung, viele werden gar nicht erst beraten um andere Lösungen für das Kind zu finden.
    Warum soll man nicht zusammenarbeiten und sich gegenseitig helfen, Doc?
    Warum so abwertig über ein Hartz IV-er zu reden?
    Vielleicht müßte ja jeder Mensch Hartz IV mal erleben, dann würden viele besser verstehen.
    Es wäre noch viel zu sagen, aber wem hilft es…

  15. Elmar Breitbach schreibt

    @Ich: Ich glaube, ich schenke Ihnen mal eine Flatrate, dann können Sie hier alles in Ruhe lesen und müssen sich nicht mehr nach einmaligem Querüberfliegen äußern.

    Ich habe im ersten Satz gesagt, dass es ein Geschäft ist und nichts dagegen spricht, dies beim Namen zu nennen.

    Ich habe nicht abwertend über Hartz-IV-Empfänger geredet. Ich habe auch nicht abwertend über Fehlsichtige geredet. Ich habe lediglich beide Personengruppen zum Zwecke einer Methapherbildung in ein Bild gefasst.

    Es wäre noch viel zu sagen, aber wem hilft es…” Weise Worte…

  16. Ich schreibt

    @Doc – Ja, ich habe gelesen was Sie geschrieben haben, aber dann verstehe ich eigentlich wo das Problem liegt, in was der Artikel schreibt.
    Ist zwar hart geschrieben, manchmal ein bisschen übertrieben, aber Sie geben auch zu, dass vieles stimmt.
    Nun hat ja auch jeder seine Erfahrung/Meinung im Bereich künstliche Befruchtung.
    Einer der daraus Kinder bekommen hat, sieht der Artikel auch als sehr schlecht…
    Ich gebe zu, den Satz am Ende, wegen dem Leserbrief, habe ich nicht verstanden, ob es positiv, oder ironisch gemeint wurde.
    Es ist mir überhaupt schwierig bei Ihnen und bei manche Frauen hier zu verstehen wann es richtig und wann es ironisch (spöttisch) gemeint wird.
    Als Methapher sehe ich das nicht, oder haben wir verschiedene Sachen über Methaphern gelernt.
    Einfach ruhig, klar und freundlich schreiben, dann versteht auch einer in einem anderen Erdteil die Deutsche Sprache.

  17. piaken schreibt

    Also ICH erinnert mich irgendwie an eine spezielle Freundin des Docs von vor ca. 3 Jahren. Der Name ist mir leider entfallen……

    Laaaaaaaaaaaaange Texte, gleicher Stil. Wie hieß sie nur?

  18. Elmar Breitbach schreibt

    Liebe Andra,

    ich melde mich aus der Konversation mit Ihnen endgültig ab.

    Um noch einmal eine Metapher zu verwenden: Wir beide sind wie zwei Funkgeräte, die auf verschiedene Frequenzen eingestellt sind.

    Und klar und freundlich formuliert: Wenn Sie in Zukunft etwas schreiben, werde ich darauf nicht mehr eingehen.

  19. Ich schreibt

    @Doc – Besser so, Doc, als mich ständig zu beleidigen.
    Wir sprechen einfach anders Deutsch und sind auch anders.
    Ich schreibe nur meine Meinungen an Artikeln hier.
    Ja, es ist Ihre Seite, Sie sind Arzt und besser als ich, Sie haben auch mein Respekt dafür, aber Ihr Deutsch ist zu verschlüßelt.

    Was wollten Sie im letzten Teil sagen? Ich habe es als negativ empfunden. Es tut mir Leid, so kommt es rüber.

  20. Piaken schreibt

    Andra!!!!!!!!! Genau….

  21. Rebella schreibt

    Aber den Wortschatz verschiedener Medien zum Thema assistierte Befruchtungen hat der Autor doch vorbildlich recherchiert. Und dann gleich in geballter Form nieder geschrieben. 🙂

    Hinsichtlich der Verwendung des Begriffes “künstliche Befruchtung” tragen aber auch viele Ärzte und ungewollt Kinderlose die Mitschuld. Der Begriff wird immer wieder in den Mund genommen. Ich verwende konsequent die Formulierung “assistierte Befruchtung”, denn eine solche ist es ja.

  22. Elmar Breitbach schreibt

    @ Rebella: Das ist ein sprachlich präziser Begriff. Wobei ich hier widerum das Problem habe, 1:1 aus dem Englischen übersetzte Begriffe konsequent nicht zu mögen (assisted reproduction).

    “Evidenzbasierte Medizin” ist als Übersetzung von “evidence based medicine” allerdings noch eine Kleinigkeit schlimmer

  23. Rebella schreibt

    Die 15.000 Euro würde ich ihm nachsehen. Das ist doch eine pi mal Daumen Zahl, wo er einfach die 3.000 Euro für eine Behandlung mit 5 multipliziert hat (20% Geburtenrate zugrunde gelegt.) Dass es unterschiedliche Preise für IVF und ICSI gibt und dass nach 3 Versuchen der teurere GOÄ gilt, davon wurde hier abstrahiert.

    Und der verlinkte Artikel zu “15% Lebendgeburtenrate” paßt auch nur auf die behaupteten 60%, die nach 3 Versuchen ohne Kind da stehen würden.

  24. Rebella schreibt

    Warum mögen Sie den Begriff “assistierte Befruchtung” nicht, Doc? Ich sehe das nicht so als Übersetzung aus dem Englischen, sondern es ist doch wirklich so, dass der natürlich stattfindenden Befruchtung etwas nachgeholfen wird. Also assistiert.

  25. Elmar Breitbach schreibt

    @Rebella: Ich sage ja: Sprachlich korrekt und sicherlich auch treffend. Nur unschön 😉

  26. Nella schreibt

    Vielleicht: eine natürliche Befruchtung, die außerhalb des Körpers stattfindet.

  27. reaba schreibt

    ..monitorisierte fertilitätsoptimierung..?
    ..unromantische reproduktion..?
    ..extrakorporale reproduktion..?
    ..gametale assistenzverfahren..?

    😀

    bei “künstliche befruchtung” muss ich allerdings auch sagen: sträubt sich das gefieder 😉 .. da finde ich die “assistierte reproduktion” von rebella eigentlich fast auch schon sprachlich schöner.

  28. Nadja schreibt

    Sehr gut, werde jetzt hier auf`m Dorf nur noch von monitorisisierter Fertilitätsoptimierung reden! *g* Nun haben G. und ich eine Geheimsprache! *lol*
    Also unschön finde ich die “Umschreibungen” allerdings alle!…

  29. Ich schreibt

    “Assisted reproduction” – finde ich sehr korrekt und nicht häslich.
    Auf Deutsch könnte man das als “ärztlich unterstützte Befruchtung” übersetzen.
    Ich habe ein großes Problem mit “Retortenbaby” und “künstlich hergestelltes Kind”.
    Das erste hört sich zu industriell aus.
    Künstlich hat eine andere Bedeutung als ich es hier finde.
    Künstlich erzeugt bedeutet (zu mindest in der Industrie) etwas von Hand des Menschen produziert, nicht von der Natur.
    Beim Kind durch KB ist es so dass der Arzt nur natürliche Zellen benützt und das Verfahren nur unterstützt. Die Befruchtung an sich folgt auf natülichem Wege.
    Bei ICSI ist es auch so, auch wenn die Spermie injiziert wird. Die zwei Zellen befruchten sich dann doch auch auf natürlichem Weg.
    Ein Kind das so erzeugt wird ist gar nicht künstlich.
    Die Puppe kann ein künstliches Kind sein, z.B.
    Da ist der Unterschied für mich.

  30. Mariella schreibt

    Ich weiß gar nicht, wo das Problem sein soll. Es wird doch genau so gebraucht und verstanden.
    künstlich =
    a) nicht natürlich, sondern mit chemischen und technischen Mitteln nachgebildet, nach einem natürlichen Vorbild angelegt, gefertigt, geschaffen
    b) natürliche Vorgänge nachahmend, nicht auf natürliche Weise vor sich gehend
    c) gekünstelt, unnatürlich

    Quelle: Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 6. Aufl. Mannheim 2007

  31. Elmar Breitbach schreibt

    @ Mariella: Die Befruchtung als solches ist eben nicht künstlich. Also weder nachgebildet oder irgendetwas nachahmend, sondern ein ganz normaler Befruchtungsprozess, zumindest wenn es um die IVF geht. Steht doch eigentlich oben bereits ausführlich.

    Danke für die Quelle, aber es trifft eben keine der genannten Beschreibungen zu.

  32. Mariella schreibt

    @ Dr. Breitbach: “Falsa demonstratio non nocet” – heißt ein Grundsatz. Es geht immer um das Wesen einer Sache, nicht wie sie benannt wird. 🙂 Daher mit Verlaub: Ich glaube nicht, daß Sie mit dieser Betrachtungsweise wirklich Anhänger finden – zumindest dort, wo Sie nötig wären.

  33. reaba schreibt

    @mariella

    ist eine frage des standpunktes wo “künstlichkeit” beginnt…für einige sicher bereits jenseits der missionarsstellung 😉

    ich sehe auch keinen der oben genannten punkte als zutreffend; “künstlich” suggeriert im gängigen verständnis wohl auch eher die “zugabe” spezies-fremder substanzen in den erbgang oder deren zielgerichtete manipulation. da muss man im gespräch dann immer enttäuschen..wir machen selbst, nur ablauf und location sind sicher nicht so erbaulich wie in vivo 🙂

  34. Mariella schreibt

    @reaba – das ändert nichts am oben Gesagten 🙂

  35. Elmar Breitbach schreibt

    @ Mariella,

    als Nichtlateiner muss ich mich an die Übersetzung halten.

    Das ist aber der Punkt: es ist durchaus möglich, den Inhalt einer Sache durch die Benennung zu ändern.

    Gehen wir mal weg von der Reproduktionsmedizin: “Arbeitnehmer freisetzen”, “Friedensmission” etc. Alles Begriffe, deren Verwendung auch die Bedeutung des so bezeichneten positiv oder negativ verändern soll. Und der Artikel in der FAZ strotz eben auch von solchen Begriffen, die bewusst gewählt werden, um durch die Bezeichung einer Sache oder eines Vorgangs diesen auch zu werten.

  36. Mariella schreibt

    @Dr. Breitbach – sicherlich, Euphemismen und abwertende Bezeichnungen oder wie Sie sagten, die “Macht der Sprache”. In den Medien ist das gang und gäbe. Nur: Überzeugen will – muß! – man doch letztendlich die Referenten in den Ministerien oder genauer im Gesundheitsministerium, also Juristen. Da wird suggestive oder manipulative Sprache eher übelgenommen bzw. nicht ernstgenommen (wobei ich natürlich davon ausgehe, daß Sie als Mediziner grundsätzlich ernstgenommen werden, ich beziehe mich nur auf die Argumentation). Wenn man mit der Formulierung “assistierte Reproduktion” – oder was auch immer einem da noch einfallen will – vorstellig wird, trifft man stets auf Leute, die es gemäß dem o.g. Grundsatz auf den Kern der Sache zurückführen werden und müssen. Ganz egal, welche anderen Bezeichnungen selbst aus offiziellem Munde über andere Sachverhalte im Umlauf sind. Es geht am Ende ja um Gesetze.
    Etwa i.S.v. (rein spekulativ): Letztlich bleibt es eine künstliche Befruchtung, denn die Eizelle wandert nicht von selbst in die Petrischale und daß sie dorthin gelangt, ist wesentlicher Bestandteil der IVF-Behandlung.
    Also, was hilft es? Gibt es nicht Aspekte, die besser greifen? (Nebenbei: Das Wort “Schwangerschaftsunterbrechung” war auch ein Euphemismus – heute ist er aufgrund der zunehmenden Sensibilität gegenüber solchen Beschönigungen weitgehend verschwunden, ist zumindest meine Wahrnehmung).
    Aussichtsreicher scheint mir, die unangreifbareren Positionen zu stärken als die Schwächen oder Unarten der anderen zu übernehmen. Starkes, weniger angreifbares Argument ist m.E. die Halbierung der Schwangerschaften oder Baby-take-home-Rate oder wie es heißt nach 2004 – dies dem demographischen Faktor, einer alternden Gesellschaft etc. gegenübergestellt.

  37. Mariella schreibt

    Sorry, der Grundsatz bedeutet, “die falsche Bezeichnung schadet nicht”. Bsp.: In justistischer Sicht ist ein Anstellungsvertrag ein Anstellungsvertrag, wenn er der Sache nach einer ist (also die Voraussetzungen erfüllt), selbst wenn “Werkvertrag” darüber steht. Die falsche Bezeichnung schadet der Erkenntnis des wahren Sachverhalts nicht.

  38. Elmar Breitbach schreibt

    Man kann das eine machen, ohne, dass man das andere (treffende Sprachverwendung) lassen muss.

    Ich weiß, dass der Begriff “künstliche Befruchtung” Ängste auslöst und vermutlich nicht selten sogar nachhaltig abschreckt. Daher sind solche Begriffe durchaus ein Mittel gegen etwas Unerwünschtes oder auch nur Unsympathisches vorzugehen.

    Und wenn es um Politik geht: Wenn man von Gesetzestexten absieht, so schauen die Politiker auch nur dem Volk in opportunistischer Manier auf´s Maul. Und übernehmen mit geschickt gewählten Begriffen einer Lobby auch deren Meinungen.

  39. Elmar Breitbach schreibt

    @Mariella: Zu Ihrem Nachsatz: Verstehe ich. Zur Kommunikation unter Juristen ist das sicherlich perfekt, da jeder genau weiß, was gemeint ist. IN einer solch homogenen Sprachwelt leben wir jedoch nicht, siehe mein Beitrag davor

  40. Lectorix schreibt

    Auch wenn mein neues Büro in Ermangelung von bis jetzt ausreichender Einrichtung erstaunlich von meinem Gelächter über Andras übliches sinnloses Gequatsche wiederhallte, kommen wir doch bitte auf den Punkt zurück. Der Artikel ist katastrophal recherchiert und überdies vom Schreiberischen weit unter dem Niveau, was man von einer überregionalen Tageszeitung erwartet. Und das ist letzlich der Hauptpunkt in Elmars Kommentar gewesen. Was die Thematik angeht, so mache ich aus meiner Einstellung dazu, dass Medizin genauso ein Geschäft ist wie jedes andere, keinen Hehl. Das mag manchen Patienten nicht passen, da sie sich immer noch in der romantischen Vorstellung des allzeit bereiten und zu jeder Tages- und Nachtzeit kostenfrei verfügbaren Arztes befinden, wie man das in den einschlägigen Romanen lesen kann. Die Realität ist anders und war schon immer anders und das muss man – wie bei allen anderen gewerblichen Bereichen auch – einfach mal wieder akzeptieren. Nur es dann in der Form wie in diesem Artikel zu verballhornen, das geht halt auch nicht 😉

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