Wieviele Eizellen sollte man befruchten?

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Diese Frage ist nicht nur medizinisch zu stellen, sondern auch juristisch. Viele Private Versicherungen versuchen, die Kosten bei der ICSI (diese wird pro behandelter Eizelle einzeln abgerechnet, wenn die Abrechnung über eine PKV erfolgt) auf eine Höchstzahl zu reduzieren, also meist 5-6 Eizellen. Hat eine Frau unter der Stimulation nun aber mehr qualitativ gute Eizellen, dann wird man diese üblicherweise auch der Befruchtung durch eine ICSI unterziehen und dann natürlich auch abrechnen. (Diese Problematik ergibt sich bei gesetzlich Versicherten Paaren nicht, da hier andere Kostenregelungen gelten).

Das gibt dann immer mal wieder Ärger, weil die Privaten Versicherungen diese zusätzlichen Kosten nicht übernehmen und die Paare je nach Abrechnungsmodalität auf beträchtlichen Rechnungskosten sitzenbleiben.

Diese Vorgehensweisen der Krankenkassen scheinen gemäß eines aktuellen Urteils des Landgerichts Köln jedoch rechtlich nicht haltbar zu sein.

PKVen müssen auch die ICSI bei mehr als 6 Eizellen bezahlen

Bei dem Mann des Paares bestand eine organisch bedingte Unfruchtbarkeit mit einer deutlich eingeschränkten Spermienqualität, die eine ICSI notwendig machten, um den Kinderwunsch zu erfüllen.

Bei der (erfolgreichen) Behandlung wurden jedoch insgesamt 21 Eizellen befruchtet und einzeln abgerechnet, weshalb sich eine Betrag von über 5.000 Euro ergab, den die Versicherung nicht übernehmen wollte.


Das Gericht war jedoch der Auffassung, dass die ICSI bei allen Eizellen medizinisch begründbar und notwendig war. Denn von einer medizinischen Notwendigkeit ist immer dann auszugehen, wenn sie „sowohl in begründeter und nachvollziehbarer wie wissenschaftlich fundierter Vorgehensweise das zugrunde liegende Leiden diagnostisch hinreichend erfasst und eine ihm adäquate, geeignete Therapie anwendet“ – so das Gericht wörtlich in seiner Urteilsbegründung.

Ein vom Gericht befragter medizinischer Sachverständiger hatte ausgesagt, dass im Rahmen einer Hormonbehandlung angestrebt wird, circa zehn Eizellen zu gewinnen. In einem Bericht des IVF-Registers aus dem Jahr 2005 ist sogar von zehn bis 15 befruchteten Zellen zur optimalen Erreichung einer Schwangerschaft die Rede.

Der Sachverständige bestätigte daher auch, dass die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Behandlung mit einer größeren Zahl befruchtungsfähiger Eizellen erheblich steigt.

Nach all dem wäre es nach Überzeugung des Gerichts in dem zu entscheidenden Fall völlig willkürlich und nach medizinischen Kriterien nicht zu begründen gewesen, von den gewonnenen 21 Zellen, wie von dem Versicherer verlangt, lediglich sechs zu befruchten und daher wurde die PKV dazu verurteilt, den noch offenen Differenzbetrag zu bezahlen.

Landgericht Köln Urteil vom 18. Februar 2009 (Az.: 23 O 51/08).

Das Urteil ist nicht ungefährlich

Nun stellt sich mir jedoch schon die Frage, ob die Zahl von 21 Eizellen medizinisch begründbar ist. Grundsätzlich gilt in der Medizin ja der Satz „Wer heilt, hat recht“ und eine Schwangerschaft ist ja eingetreten. Vermutlich wäre sie jedoch auch mit der Hälfte der Eizellen eingetreten, denn für ein Kind (hier waren es Zwillinge) braucht es keine 20 Eizellen. Und ob man dann wirklich die ICSI aller 21 Eizellen in Rechnungstellen muss ist schon eine berechtigte Frage, die man dem behandelnden Arzt stellen darf. Dass die Kostenübernahme für 6 Eizellen in diesem Fall sicherlich zu knausrig von Seiten der Versicherung ist, steht außer Frage, ob aber die Abrechnung von 21 Eizellen nicht den Bogen auch zu Lasten der Versicherungsgemeinschaft überspannt, ebenfalls.

Sollte sich das durchsetzen, dann steht den Reproduktionsmedizinern eine Gelddruckmaschine zur Verfügung, die letztlich auch zu Lasten der Patienten geht. Sie motiviert den Arzt dazu, möglichst viele Eizellen zu stimulieren und bewusst das Risiko eines Überstimulationssyndroms einzugehen, um seine Einkünfte zu erhöhen. Natürlich darf man zu recht davon ausgehen, dass dies den meisten Kollegen zuwider wäre, aber genauso sicher darf man sein, dass einige wenige ihre Einkünfte auf diese Art gezielt erhöhen werden.

Mein Vorschlag: Limitierung der ICSI-Abrechnung auf 12 Eizellen. Warum gerade 12? Das habe ich selbst als Gutachter anlässlich eines ähnlichen Falls ausführlich begründet und stelle die wichtigsten Passagen des Gutachtens dazu später auf meiner privaten Homepage ein. Der Link folgt später.

Hier der Link. Nicht erschrecken, es ist halt ein Gutachten und entsprechend trocken ist der Text auch formuliert. Wichtig war hier die ausführliche Begründung, weshalb man auch 12 Eizellen mit Hilfe einer ICSI befruichten darf und warum dies notwendig sein kann.



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Kommentar

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6 Kommentare

  1. Viktoria1 schreibt

    Sehr interessant.
    Wir haben auch immer „nur“ 12 injektzieren lassen, weil die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit nach IVF-Register danach kaum, bzw. gar nicht mehr steigt.
    Bei einer zu hohen Quantität nimmt ja bekanntlich auch die Qualität irgendwann ab.
    Auf Ihren Link bin ich gespannt.

  2. reaba schreibt

    ..ich verhandele gerade mit handwerkern, weil wir renovieren wollen. da versuche ich auch immer pauschalpreise zu erfragen, statt jede gelegte fliese einzeln berechnet zu bekommen 😉
    wäre das nicht auch für ICSI-bedürftige paare, die PKV sind eine bessere alternative..?

    aus eigener erfahrung: punktionsergebnisse und danach tatsächliche befruchtungen waren immer höchst unterschiedlich. zudem wäre es für viele paare allein schon aus kostengründen für „frisch“versuche sinnvoll, möglichst viele kryos zu haben.
    ich wünschte ich hätte noch ein paar kryos..

  3. grünhorn schreibt

    Zum Pauschalpreis für ICSI: In der spanischen Klinik, in der wir unsere IVF-Behandlung (Eizellspende) haben vornehmen lassen, wird ICSI so abgerechnet: Falls sie durchgeführt wird – egal bei wie vielen Eizellen – fallen 1000 Euro Kosten zusätzlich an.

  4. cruzeiro schreibt

    15 Eizellen ist okay. Lassen sich davon 80% befruchten, so hat man einen guten Ausganspunkt: 12 Embryonen, davon jede 6. eine implantationsverdächtige Blastozyste am Tag 5.

    Die Versichertengemeinschaft wird am meisten durch das unsinnige Embryonenschutzgesetz geschädigt. Na ja, in unserem Fall, hat es die Gemeinschaft ja vor Schaden bewahrt, wir sind gleich ins Ausland gegangen.

    Dann finde ich auch die Abrechnungspraxis „nach Zahl der Eizellen“ daneben. DAS müsste man ändern. Bei uns war für 4,5 k inklusive Ultraschall und IMSI alles drin und da wurde auch nicht nachgeschlagen, weil wir etwa zu viele Eizellen (?) hatten …

  5. Ich schreibt

    Die Frage stellt sich auch so: Wie viele Eizellen sollen produziert werden für eine SS?
    21 Eizellen ist schon Überstimulation.
    Und die Qualität sinkt mit der Zahl habe ich verstanden.