Die Kinderwunsch-Seite
«
»

Dies und das

Urteil: Spermienspende keine Kassenleistung

Was in der Überschrift steht, ist nichts Neues. Wenn ein Paar auf eine Spermienspende angewiesen ist, dann werden die Kosten für eine solche Behandlung von den Krankenkassen nicht übernommen.

Dies wurde nun gerichtlich bestätigt. Ein Mann mit Azoospermie (vollständigem Fehlen der Spermien) entschloss sich mit seiner Frau zu einer künstlichen Befruchtung mithilfe von Spermien eines Spenders (heterologe In-Vitro-Fertilisation).

Da der Kläger mit seiner Azoospermie nachweislich zeugungsunfähig und daher krank war, pochte er auf die Übernahme der Kosten durch seine private Krankenversicherung, welche die Übernahme der Kosten jedoch ablehnte. Sie vertrat die Auffassung, dass nur dann von einer medizinischen Heilbehandlung im Sinne der Bedingungen auszugehen ist, wenn eine künstliche Befruchtung durch eigenen Samen des Versicherten erfolgt, etwa weil die Spermien wegen eingeschränkter Beweglichkeit nicht in der Lage sind, von sich aus die Eizelle zu erreichen.

Das Mannheimer Amtsgericht bestätigte diese Meinung und wies die Klage des Versicherten als unbegründet zurück. Nach Ansicht des Gerichts ist es unbestritten, dass der Kläger aufgrund seiner organischen Unfruchtbarkeit krank sei, jedoch ist die Art der gewählten künstlichen Befruchtung nicht als Heilbehandlung im Sinne der Versicherungs-Bedingungen anzusehen.

Denn von einer Heilbehandlung kann nur dann ausgegangen werden, wenn das biologische Ergebnis der Behandlung dasselbe wäre wie bei einem gesunden Menschen, so das Gericht.

Ich würde mir wünschen, dass dieser Prozess höherinstanzlich weitergeführt wird, denn die Argumentation hinkt. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn eine Parallele zum künstlichen Hüftgelenk liegt aus meiner Sicht nahe. Auch hier ist das biologische Ergebnis der Behandlung nicht dasselbe, jedoch kann der Patient anschließend wieder laufen. Über Herztransplantationen wollen wir erst gar nicht reden.

Amtsgericht Mannheim vom 24. April 2009 (Az.: 3 C 9/09)


Stichwörter: , , , , ,


Kommentare

6 Kommentare für “Urteil: Spermienspende keine Kassenleistung”

  1. Da kann man immer wieder nur mit dem Kopf schütteln! Ist das biologische Ergebnis einer HI anders als bei einer „normalen“ ICSI? Ich ärgere mich darüber schon gar nicht mehr, aber mich würde doch interessieren, wie das Urteil ausfallen würde, wenn der Richter selber betroffen wäre, oder der Sohn, und es um die Enkel gehen würde!
    zitiere:
    Nach Ansicht des Gerichts ist es unbestritten, dass der Kläger aufgrund seiner organischen Unfruchtbarkeit krank sei, jedoch ist die Art der gewählten künstlichen Befruchtung nicht als Heilbehandlung im Sinne der Versicherungs-Bedingungen anzusehen.

    Welche andere Art der künstlichen Befruchtung bleibt ihm denn übrig, wenn einfach nix da ist!?
    Lg Anke!


    Geschrieben von Anke am 4. Mai 2009 um 15:00
  2. @anke: Tja, was bleibt übrig – hm, Hoffen auf die Stammzellenforschung?
    *duckundweg*


    Geschrieben von remis am 4. Mai 2009 um 16:24
  3. Ich finde es immer noch so ungerecht: die Regierung möchte immer noch mehr Kinder für Deutschland und Nachwuchsförderung usw., aber was dafür Tun…. Pustekuchen.
    Was können denn die Männer dafür, daß sie durch eine Kinderkrankheit oder Umweltverschmutzung o.a. zu einer Azoospermie kommen. Hier fühlt man sich doch als 3. Klasse-menschen. Wann wacht die Menschheit und dazu die Politik endlich einmal auf????


    Geschrieben von Kristina am 4. Mai 2009 um 16:56
  4. Ja, fänd ich auch gut, wenn dieser Prozess weiterverfolgt würde!
    Danke auch für diesen interessanten Beitrag!


    Geschrieben von m*g*ms am 5. Mai 2009 um 21:20
  5. Zitat: „Ich würde mir wünschen, dass dieser Prozess höherinstanzlich weitergeführt wird, denn die Argumentation hinkt. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn eine Parallele zum künstlichen Hüftgelenk liegt aus meiner Sicht nahe. Auch hier ist das biologische Ergebnis der Behandlung nicht dasselbe, jedoch kann der Patient anschließend wieder laufen.“

    Ein sehr guter Vergleich. Ich wünsche mir auch, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Leider ist vom Bundesverfassungsgericht nicht viel zu erwarten, weil da muss ja immer Gott mit im Spiel sein, wie uns kürzlich ein Artikel im Tagesspiegel verriet. Vielleicht sähe das aber ein europäisches Gericht vernünftiger.

    Zitrat: „Denn von einer Heilbehandlung kann nur dann ausgegangen werden, wenn das biologische Ergebnis der Behandlung dasselbe wäre wie bei einem gesunden Menschen, so das Gericht.“

    Erstmal müssten mit dieser Begründung die Unverheirateten ihre Kosten erstattet bekommen und zweitens ist – so gesehen – das Ergebnis sowieso nie dasselbe. Auch bei einer homologen IVF entsteht (fast)grundsätzlich ein anderes Kind als auf dem natürlichen Weg. Oder wer will behaupten, dass auf dem natürlichen Weg exakt der gleiche Samenfaden ins Ziel getroffen hätte?
    Für die Eltern allerdings ist es dasselbe. Denn Kind ist Kind – oder etwa nicht?


    Geschrieben von Rebella am 5. Mai 2009 um 21:47
  6. „Vielleicht sähe das aber ein europäisches Gericht vernünftiger.“

    sagt Rebella und Ich auch.

    Viele EU-Staaten haben das Problem mit zu wenig Kinder. Warum setzen sie sich dann nicht alle zusammen in der EU und machen diesbezüglich ein gutes gemeinsames Gesetz?
    Ich denke dafür müßte man den Kampf vom Berlin nach Bruxelles schieben. Was sagst du Rebella?


    Geschrieben von Ich am 6. Mai 2009 um 09:12

Schreiben Sie einen Kommentar

Das Letzte

Lesbische Paare können künstliche Befruchtung steuerlich absetzen
Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten
Wie lange muss man nach Fehlgeburt warten mit einer Schwangerschaft?
Frohe Weihnachten
amicella Network
Frohe Weihnachten
Beeinflussen Schmerzmittel die Fruchtbarkeit?
Drei Eltern, ein Kind: Mitochondrienspende in England zugelassen
Foren-Spammer auf dem Rückzug?
Was ist die kumulative Schwangerschaftsrate und wie berechne ich sie?
Ausgehamstert: Follitropin delta aus humanen Zellkulturen
Haben Myome einen negativen Einfluss auf künstliche Befruchtung?
Mehr Sport macht auch die Spermien fitter
Sorgerechtsstreit um Embryonen
Noch wichtiger als gedacht: Orgasmus der Frau
Zuviel Serien gucken verschlechtert die Spermienqualität
Wie wirksam ist das Drilling bei PCO-Syndrom?
Eine Weihnachtsgeschichte: Was man jemandem in IVF-Behandlung NICHT sagen sollte
Definition der Sterilität durch die WHO (Update)