Polkörperdiagnostik ist keine Kassenleistung

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Selbst, wenn bei der Frau schwerwiegende genetische Erkrankungen bekannt sind, die auf das Kind übertragen werden können, ist die gesetzliche Krankenkversicherung nicht verpflichtet, die Kosten für eine Polkörperdiagnostik zu übernehmen. Dies entschied das Bundessozialgericht am letzten Samstag.

Tödliche Erbkrankheit

Die Klägerin ist Überträgerin einer Muskelerkrankung, die nur bei männlichen Nachkommen auftreten kann, also X-chromosomal rezessiv übertragen wird. Die männlichen Nachkommen erleiden eine Muskelerkrankung, die zunächst zu einer eingeschränkten Gehfähigkeit und später zu schwersten Behinderungen führt. Erkrankte sterben häufig bereits vor ihrem 30. Lebensjahr.

Künstliche Befruchtung ohnehin notwendig

Aufgrund der verminderten Fruchtbarkeit des Ehemannes musste ohnehin eine künstliche Befruchtung durchgeführt werden, deren Kosten von der Krankenkasse anstandslos übernommen wurden. Zusätzlich zu dieser Maßnahme wollte die Frau nun auch ihre Eizellen untersuchen lassen. Mit Hilfe der Polkörperdiagnostik ist es möglich, die richtigen – also von der Erberkrankung nicht betroffenen – Eizellen auszuwählen. Die Krankenkasse wies die Kostenübernahme ab, das Paar verklagte die Versicherung darauf hin.

PKD ist keine medizinische Behandlung

Foto von Manu_H
Justitia hat ihre eigenen Sicht der Dinge

In der letzten Instanz wies das Bundessozialgericht in Kassel die Klage des Paars ab. Die Begründung: Die Polkörperdiagnostik ist weder ein Teil der künstlichen Befruchtung noch eine medizinische Behandlung einer Erkrankung. Sie diene allein dazu, Eizellen mit einem Gendefekt auszusortieren.

Grundsätzlich scheint es bei Betrachtung mit dem berühmten gesunden Menschenverstand durchaus sinnvoll zu sein, die Eizellen mit diesem schweren Gendefekt auszusondern, aber juristisch stellt es sich offenbar anders dar.

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Kommentar

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1 Kommentar

  1. Anonyma schreibt

    Einfach unglaublich. Ich bin genauso betroffen wie die Klägerin und wir haben die gleichen Probleme. Hatten auch schon überlegt zu klagen, aber nach diesem Ergebnis können wir es sein lassen. Das Urteil ist sowohl moralisch als auch finanziell gesehen eine Katastrophe. Vom Kostenargument ausg gesehen, ist die Pflege eines solchen schwerstbehinderten Kindes weitaus teurer als die teuerste PKD. Zum anderen: Wie kann man es einer Frau zumuten, falls sie die PKD (und die ist nicht billig) nicht zahlen kann “auf Probe” schwanger zu werden und ggf. abzutreiben bzw. ein schwerstbehindertes Kind zu bekommen. Das ist moralisch dermaßen verwerflich. Jeder Richter sollte vor so einem Urteil verpflichtet werden nur mal 7 Tage ein muskelkrankes Kind zu pflegen und sein Leid mitzubekommen bzw. bei einer Abtreibung von A bis Z dabei zu sein. Ein abscheuliches Urteil!