Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Herausgabe von Eizellen abgelehnt

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Ich hatte hier ja kürzlich über einen Fall berichtet, in dem eine Witwe die Herausgabe von eingefrorenen Eizellen gerichtlich einforderte, die zu Lebzeiten ihres Mannes mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung entstanden sind.

Das Urteil dazu wurde heute vor dem Landgericht Neubrandenburg gefällt: Mit der Herausgabe der befruchteten Eizellen würde sich die Praxis strafbar machen, so das Gericht. Soweit erwartungsgemäß. Nur wie sich das Gericht aus der rechtlich sehr unklaren Situation herausmanövrierte ist sehr interessant. Und aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar.

Dazu noch einmal kurz die Situation. Das Paar hatte sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen und einen Teil der befruchteten Eizellen eingefrorenen. Dazu ist zu sagen, dass der Einfrierprozess zu einem Zeitpunkt stattfindet, an dem das männliche und weibliche Erbgut in der Eizelle noch nicht miteinander verschmolzen sind.

Der Befruchtungsprozess wird also durch die Kryokonservierung unterbrochen und „Spermien und Eizelle“ sind technisch gesehen – zumindest ihr Erbgut betreffend – noch getrennt voneinander gelagert. Nun ist im Embryonenschutzgesetz eindeutig festgelegt, dass es verboten ist, wenn jemand „wissentlich eine Eizelle mit dem Samen eines Verstorbenen befruchtet“. Bei der ersten Meldung wurde bereits diskutiert, dass es sich hier um einen gangbaren Weg gehandelt hätte, den die junge Witwe jedoch nicht einschlagen wollte.

Sie wünschte die Herausgabe, um nach dem Auftauen der Eizellen einen Transfer der Embryonen im Ausland durchführen zu lassen. „Mit dem Auftauen würde dieser Prozess [der Befruchtung] wieder in Gang gebracht“, erläutert der Richter, „damit würde sich die Klinik strafbar machen.“ Denn durch das Auftauen würden die eingefrorenen Eizellen mit den Spermien eines Verstorbenen befruchtet. Nun gut, das kann man sicherlich auch anders sehen. Denn befruchtet waren die Eizellen ja bereits und befanden sich im sogenannten Vorkernstadium.

Nun verlangt die Witwe aber mitnichten das Auftauen der befruchteten Eizellen, sondern die Herausgabe im eingefrorenen Zustand. Aufgetaut würden die Eizellen ja erst im Ausland (Polen war hier im Gespräch). Daher würde sich die Klinik auch nicht strafbar machen, zumindest nicht so, wie der Richter es beschreibt, da die endgültige Befruchtung (gemeint ist hier die Verschmelzung des weiblichen und männlichen Erbguts).

Die Argumentation greift daher nicht. Gerade wenn man bei eingefrorenen Eizellen nicht davon ausgeht, dass sie Embryonen sind, stellt sich die Frage, inwieweit dann eigentlich das Embryonenschutzgesetz in diesem Fall greift. Wie auch immer, die Argumantation des Gerichts ist nicht schlüssig und ich bin der Meinung, dass die junge Frau eine bessere Argumentation verdient hat, wenn man ihr schon die Eizellen vorenthält.

Daher legt der Richter argumentativ noch nach:“Man darf nicht eine in Deutschland strafbare Handlung im Ausland ermöglichen, auch wenn sie dort straffrei wäre“, erläutert der Richter einen weiteren Grund für die Ablehnung der Klage.

Die Kosten des Verfahrens – der Streitwert wurde auf 10 000 Euro geschätzt – soll die junge Frau tragen. Ob sie in die nächste Instanz geht, sei noch nicht entschieden, teilt die Anwältin der jungen Frau mit. Das Urteil würde in einem Monat rechtskräftig.

„Eine ähnliche Problematik gibt es gegenwärtig bei jungen Soldaten, die sich vor ihrem Auslandseinsatz ebenfalls zusammen mit ihren Partnerinnen Samen und Eizellen einfrieren lassen“, berichtet der Richter zum Schluss und macht auch damit die Tragweite des Urteils deutlich.


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Kommentar

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28 Kommentare
  1. Pat schreibt

    Das ist unglaublich, handelt es sich doch eigentlich um ihr Eigentum und das ihres Mannes. Das die Klinik da die Zeit angehalten hat, kann doch nicht Teil des Embryonenschutzgesetzes sein. Welchen Sinn sollte das ergeben und der Mann hat doch sein Einverständnis dazu gegeben, oder wurde er zur Samenabgabe gezwungen. Da mit dem Embryonenschutzgesetz zu argumentieren ist meiner Ansicht nach nur heuchlerisch.

    Was sind denn die Gründe der Soldaten, ihren Samen einfrieren zu lassen? Und was hat das mit dem obigen Fall zu tun. Das Kind war doch schließlich auch Wunsch des Mannes, oder?

    Ja und wieso argumentiert der schlaue Richter überhaupt mit dem Embryonenschutzgesetz, wenn es sich technisch doch noch gar nicht um Embryonen handelt, den diese dürfen doch gar nicht eingefroren werden. Ein Hoch auf allwissende Richter. Streitwert 10.000 Euro finde ich auch unangemessen. Entweder zu wenig oder zu viel. Wem entstehen denn solche Kosten.

  2. Viktoria1 schreibt

    Als ob die Witwe noch nicht bestraft genug wäre… unglaublich.
    @Pat: Ich denke, die Soldaten frieren ihren Samen ein, weil sie im Krieg sterben könnten. Dann wäre der Fall genauso wie oben beschriebene.

  3. Pat schreibt

    Aber in dem Fall hätten die Soldaten doch eindeutig einer Befruchtung nach ihrem Tod zugestimmt. Was also mischt sich da irgendwer ein?

  4. remis schreibt

    Na ganz toll, da urteilt mal wieder jemand über einen Vorgang, den er nicht wirklich begriffen. Lieber Richter, ab zurück in die Schule und bitte intensiv in Bio nachsitzen.

  5. tuerki77 schreibt

    🙁 Unglaublich. Ich bin wirklich erschüttert.

  6. MichaW schreibt

    Vorsicht, ohne den Sachverhalt genau zu kennen, halte ich das Urteil nicht für so falsch. Die Eizellen sind in Deutschland, wo das ESchG gilt, eingefroren worden. Keine Ahnung ob das auch für den entschiedenen Fall zutrifft, aber bei unserer Klinik steht im Vertragstext für Kryokonservierung, dass das Paar damit einverstanden ist, dass im Falle des Todes eines der Partner die Zellen vernichtet werden.

    Außerdem sehe ich auch das mit der Strafbarkeit anders: § 9 StGB sagt, dass eine Straftat an jedem Ort begangen ist, an dem der Täter gehandelt hat (…) und: hat der Teilnehmer an einer Auslandstat im Inland gehandelt so gilt für die Teilnahme das deutsche Strafrecht. Dies unabhängig davon wo der Erfolg der Tat (= Verschmelzung von EZ und SZ) stattfindet.

    Zu den Soldaten: Die sorgen vor für den Fall, dass sie unfruchtbar (aber lebend, nur evtl ohne Beine und Hoden o.Ä.) aus dem Kriegseinsatz zurückkommen. Soll durchaus nicht so selten vorkommen…

    Dass plötzlich Massen von Soldatenwitwen unbedingt Halbwaisen großziehen wollen. halte ich i.ü. auch nicht wirklich für übermäßig wahrscheinlich.

  7. Erdknubbel schreibt

    Ohne Worte, bin geschockt.

  8. Stolbist schreibt

    Liebe Leser, liebe WUKI-Teilnehmer,

    ist es dieser Fall nicht Grund für uns alle, uns aktiv für die Änderung des ESG zu machen? Wenn nun Kontakt zu dieser Person hergestellt sein könnte, wenn sie bereits wäre ins weitere Instanz zu gehen, hätten wir für sie vielleicht die Unterschriften sammeln können ….
    Die Vorstellung, dass diese Situation jeden von uns treffen kann, und man einfach da sitzt und machtlos ist, macht mich wütend……

  9. Elmar Breitbach schreibt

    @MichaW: Was genau in dem Kryovertrag steht, kann ich natürlich auch nicht sagen. Die Argumantation, dass durch das Auftauen die Befruchtung vollzogen und damit gegen das Embryonenschutzgestz verstoßen wird greift jedoch eindeutig nicht ganz. Auch da muss ich mich in Unkenntnis dergenauen Urteilsbegründung auf die Pressetexte verlassen. Wenn dies das Hauptargument ist und der Auftauvorgang erst im Ausland stattfindet, dann ist die Begründung des Urteils nicht schlüssig

  10. greta schreibt

    ich bin sprachlos. so viel irrsinn KANN doch gar nicht ein gericht auf einmal verzapfen… oh gott… in deutschland ist man machtlos den ahnungslosen ausgeliefert 🙁

  11. Egoist schreibt

    Da sieht man es wieder, Ehrlichkeit wird bestraft, zumindest in D. hätte sie einfach angegeben ihre Vorkernstadien in ein anderes Zentrum überführen zu wollen, zwecks Blastotransfer, wer hätte die Lage erkannt, eine Unterschrift ist Schall und Rauch und auch DER Kryo Zyklus ist ohne Mann Gang und Gebe, wenn der Mann geschäftlich verhindert ist, holt die Frau die Kryos alleine ab, niemand hätte es gemerkt, das ist wieder mal typisch deutsch, streng genommen sind es noch keine Embryonen, das Schlimmste aber ist: Sollte sich dann eine Fehlbildung herausstellen ist der Achsogeschütze Embryo in D. Schall und Rauch, dann darf er abgetrieben werden, ich fasse mir an den deutschen Kopf und fasse ins Leere. Schade!!!!!

  12. cruzeiro schreibt

    oh wie schön, durch die ganze EmbSchG-Thematik, mit der ich mich als ehemaliger Wunschkind-Patient ja sehr genau auseinandersetzen musste, hat mich in die Lage versetzt, unabhängig von Ihnen zum selben Ergebnis kommen zu lassen.

    Es ist schon pikant, wenn man das Urteil weiter führt (wer A sagt, muss auch B sagen), denn das heisst ja, dass das PN-Scoring an nicht befruchteten Eizellen gemacht wird und dass nicht befruchtete Eizellen in Deutschland kryokonserviert werden. Tja, so absurd das klingt für uns „eingeweihte“, aber genau das heisst es, wenn man die Rechtsauffassung des LG Neubrandenb. weiterführt.

    Ich finde es auch äußerst peinlich, dass sich das LG Neubrandenburg einfach der Auffassung einer Partei – hier der Klinik aus Neubrandenburg – anschliesst, nur weil sie durch einen Professor vertreten ist. Hier hätte doch eine richtige Beweisaufnahme durch Sachverständige stattfinden müssen, also dies zumal bei einem Streitwert von 10.000 EUR.

    Wenn man weiss, wie überlastet die LG sind – dieses ist ganz gewiss das falsche Verfahren für die derzeit beliebte Praxis, Verfahren einfach in die zweite Instanz zu schieben, damit der Aktenberg abnimmt.

    cruzeiro

  13. Elmar Breitbach schreibt

    Hier noch ein Forenthread, in dem der Fall mit der jungen Frau diskutiert wird:
    http://f3.webmart.de/f.cfm?id=2448811&t=3361566&r=threadview

  14. Rebella schreibt

    Ich habe von dem Fall auch schon im Urlaub gelesen und war ganz gespannt auf den zugehörigen Blog-Artikel.

    Für mich stellt sich die Frage, ob wir dieser Frau irgendwie argumentativ helfen können.

    – Kann ein Mensch denn überhaupt eine Eizelle befruchten? Mensch kann doch nur durch das Schaffen der notwendigen Voraussetzungen die Befruchtung einer Eizelle ermöglichen. Das hat Mensch im Prinzip schon mit dem Zusammenbringen von Ei- und Samenzelle getan. Der Befruchtungsvorgang hat doch auch schon beim PN-Stadium begonnen. – Mensch hat die natürliche Befruchtung der Eizelle künstlich unterbrochen und soll jetzt diese Unterbrechung wieder aufheben, damit der natürliche Befruchtungsvorgang beendet werden kann.

    Ich meine, dieser Satz im ESchG gilt maximal nur für solche Fälle, wo der Mann schon vor dem Zusammenbringen der Gameten tot ist. Das, was in form der PN-Stadien schon da ist, ist kein NICHTS. Wenn das Gericht Recht haben sollte, müsste es erlaubt sein, den Samen eines Verstorbenen in eine Eizelle zu injizieren und vor Abschluss des Befruchtungsvorgangs ( nach der juristischen definition)das Resultat zu verwerfen.

  15. Rebella schreibt

    Der zweite Aspekt ist der körperliche Eingriff bei der Frau, sowie der finanzielle Schaden. Die Frau hat immerhin zu Lebzeiten ihres Mannes einen invasiven Eingriff über sich ergehen lassen müssen, um diese Eizellen zu gewinnen. Wenn sie die Eizellen dann nicht behalten darf, ist die Behandlung (Stimu + Punktion) als Körperverletzung zu werten. Immerhin hat sie das Ganze auch Geld gekostet. Wer ersetzt ihr das? Der ganze Vorgang der IVF war zu Lebzeiten des Mannes rechtens. Ich versuche das Mal mit was Anderem zu vergleichen. Auch, wenn es blöd klingen mag. Angenommen, es wäre in Deutschland erlaubt, einen Gegenstand X zu erwerben. Ab einem bestimmten Zeitpunkt ist das nicht mehr erlaubt. Dann kann man doch auch nicht alle, die den Gegenstand X mal käuflich erworben haben, ersatzlos enteignen.

    Die 10.000 Euro Streitwert sind weitaus zu hoch angesetzt. 10.000 Euro – das ist in etwa der Betrag, den jedes IVF-Kind im Schnitt kostet, wenn man auch alle erfolglosen Versuche mit einbezieht. Es ist nicht gesagt, dass ein Versuch, mit den vorliegenden Embryonen eine Schwangerschaft auszutragen, auch gelingt. Der Streitwert dürfte sich so errechnen: Kosten der Behandlung geteilt durch Anzahl der Embryonen, multipliziert mit 9 Embryonen (um die es hier geht) + bisher entstandene Kryokonservierungskosten. Ich schätze mal, da kommt man auf maximal 3.000 – 4.000 Euro.

  16. Rebella schreibt

    Die letzte Frage: Hat die Klinik Neubrandenburg überhaupt das Recht, die Embryonen zu behalten? Die Vermutung, dass die Klägerin diese Embryonen zum – wenn auch nahe liegenden – Zweck des Transfers im Ausland haben will, ist die hinreichend? Könnte die Klägerin behaupten, sie will ihre Embryonen in einem Ritual zu Hause ganz allein persönlich auftauen und sterben lassen?

    Vielleicht sollte die Klägerin noch die Rechtsexpertin Monika Frommel hinzuziehen. Die ist doch so gut in Auslegungen des Embryonenschutzgesetzes.

    Der Aspekt „Beihilfe zu einer strafbaren Handlung“ dürfte allerdings ähnlich gelagert sein, wie der, dass Ärzte ja auch nicht zu Behandlungen im Ausland zum Zwecke der Umgehung des ESchG raten dürfen. Getan wird das trotzdem. Wobei sich ein mündlicher Rat im Ernstfall nicht nachweisen lässt, der Transport von Embryonen schon. Der Neubrandenburger Arzt hätte es allerdings abstreiten können, dass er vom Tod des Mannes was wusste.

  17. MichaW schreibt

    Nur um das nochmal klarzustellen, ich halte unser ESchG nicht für richtig, ich bin selbst betroffen und würde mir eine andere Gesetzeslage wünschen. Aber ich finde auch, dass man hier nicht einfach so Richterschelte betreiben darf, wenn ein Gericht versucht, sich bei einer schwierigen Materie gesetzeskonform zu verhalten. Leider sind die wenigsten Gesetze so eindeutig, dass es keine andere Auslegung geben kann. Ich kann Eure Argumente durchaus nachvollziehen, doch um eine Diskussion interessant zu halten muss man/frau sich auch mit den Gegenargumenten auseinandersetzen.

    Dass die Klinik sich hätte anders verhalten können steht außer Frage, dann wäre es nie zu einer Klage gekommen. Jedenfalls in dieser Konstellation nicht – ich weiß nicht, welche behördlichen Kontrollen zur Einhaltung des ESchG es gibt… und dann besteht wieder das Problem, dass die Klinik (um der Betroffenen zu helfen) sich in die Gefahr begeben hätte, dass eine Strafverfolgung evtl. auch mit standesrechtlichen Folgen (ärztliche Zulassung) folgt.

    Dass ein Mensch die EZ befruchtet, davon geht das wohl ESchG aus. Ich backe ja auch Kuchen, wenn ich durch Zusammenbringen der Zutaten und Schaffen der notwendigen Temperatur die Verbindung der Zutaten ermögliche.

    Die Körperverletzung war gerechtfertigt – denke ich – zum Zweck eine IVF. Kryos sind erfreuliche Nebenprodukte. Zu dem Vergleich – das gibt es tatsächlich in D, nämlich z.B. beim Waffenrecht: das wurde verschärft und vor der Änderung legal erworbene Waffen mussten entschädigungslos abgegeben werden.

    10000 € sind hoch – da verdienen hauptsächlich die Anwälte dran, und vermutlich hat der Klägeranwalt (also der, den die Betroffene beauftragt hat) das so vorgeschlagen. Das ist der übliche Weg, in nicht betragsmäßig zu ermittelnden Streitigkeiten weicht das Gericht nur selten von der vorgegebenen Schätzung der Parteien ab. Wenn er von vornherein nur 4000€ angenommen hätte, hätte er zum Amtsgericht gehen können und dort den Prozeß billiger haben können.

    Die Klinik hat mE kein Recht, die Embryonen zu behalten. Das mit dem Ritual zu Hause müßte der Klägerin wohl erlaubt werden…

  18. Rebella schreibt

    Danke für deine Einschätzung, Micha. Damit hätte wohl der Weg, dass sie einen anderen Verwendungszweck angibt, die besseren Chancen.

    Im Prinzip dürfte sie gegenüber der Klinik auch nicht rechenschaftspflichtig sein, was sie damit macht. Wenn ich Geld von der Bank abhebe, muss ich ja auch nicht sagen, ob es vielleicht zur Beschaffung illegaler Drogen ist. Beim Einkauf von Kondomen wird nicht danach gefragt, ob sie zum Verkehr mit Minderjährigen eingesetzt werden, beim Kauf eines scharfen Messers fragt man nicht nach eventuellen Mordabsichten. Wobei es natürlich in den von mir genannten Fällen schon ganz schön wäre, wenn man das ausschließen könnte.

  19. cruzeiro schreibt

    leider sehen entsprechende Passagen in Kryo-Verträgen für solche Fälle vor, dass die Embryonen dann verworfen werden. Ohne die Berufung wäre das hier bereits geschehen (mir liegt ein Kryovertragsentwurf vor).

    Im Kern wird das OLG Rostock wohl klären müssen, was mit „befruchten“ gemeint ist, ob damit der Prozess gemeint ist, oder die Technik des Imprägnierens.

    „Be“-fruchten ist n.m.M. im Wortsinn auszulegen. Es ist ein aktives Verb (Vorsibe „be“). Gemeint ist also damit eigentlich das Imprägnieren der Eizelle.

    Demgegenüber hat sich das LG Neubrandenburg ohne Beweisaufnahme dieser Rechtsfrage genähert. Zumindest habe ich nichts davon gehört, dass ein Sachverständiger beauftragt wurde.

    Damit wurde diese Rechtsfrage letztlich auf vollkommen ungesicherter Faktenbasis entschieden. Das ist mein konkreter Vorwurf, ohne dass ich natürlich nähere Einzelheiten kenne.

  20. Rebella schreibt

    Meinst du jetzt mit “Imprägnieren” das Eindringen des Spermiums? Ich habe keine Definition für “Imprägnieren der Eizelle” gefunden.

  21. cruzeiro schreibt

    „Imprägnieren“ habe ich jetzt auch erst in diesem Zusammenhang entdeckt. Allerdings ist „Technik des Imprägnierens“ falsch. Eine Zelle, in der nach dem Eindringen des Spermiums (z.B. nach ICSI) schon Prozesse in Gang gekommen sind, wo aber noch nicht die Zellkerne verscholzen sind, die ist wohl „imprägniert“. Aber genaueres weiss sicher der Doc.

  22. Rebella schreibt

    Die Wunschmutter hat inzwischen eine eigene Internetseite, auf der ihr sie unterstützen könnt:
    http://www.kiwu-witwe.de/

  23. annettefr schreibt

    Mir wird hier viel zu sehr nur über die Richter geklagt- hier die Kopie meines Briefes an Ines, der noch etwas ganz anderes in all dem sieht:

    Liebe Ines!

    Auch ich habe von Deiner Situation -über die Webseite Wunschkindernet von dem Dr. Breitbach- erfahren und mache mir so dazu meine Gedanken.
    Zuerst einmal mein aufrichtiges Beileid zum Tode Deines Mannes. Es ist schlimm, einen geliebten Menschen zu verlieren und nichts anderes kann dies lindern als viel guter Zuspruch, Liebe der anderen und die Zeit und Liebe zu sich selbst und dem Leben.Ich wünsche Dir alles erdenkich Gute, dass Du die Kraft findest, diesen schmerzlichen Verlust zu verarbeiten und irgendwann mit neuem Lebensmut nach vorne zu schauen.

    Die rechtliche Situation und die Begründungen der Richter bzgl. Deines Wunsches nach Embryonenfreigabe sind sicher sehr fragwürdig und hochgradig diskutierbar. Da bin ich ganz bei Dir!
    Ich weiß auch selbst, wie stark der KiWu sein kann und wie schmerzhaft es ist, Kinderlos zu sein. Auch weiß ich aus eigener Erfahrung, wie sehr der Tod eines geliebten Menschen schmerzt und dass man in seiner Trauer alles nur erdenkliche tun würde, um dem Verstorbenen wieder – wie auch immer- nahe sein zu können. Des weiteren habe ich einige Erfahrung in der Sterbebegleitung und als Mitarbeiterin im Hospiz.

    Aus all diesen Erfahrungen heraus möchte ich etwas ansprechen, was Du vielleicht nicht gerne hören wirst, vielleicht wirst Du alles was ich gleich sage, rundweg ablehnen. Aber dennoch möchte ich es sagen, da Du Deinen Fall nun schon mal so offensiv öffentlich machst und zu Rückmeldungen einlädst:

    Meinst Du wirklich, es ist letztlich für Dich und alle anderen Dir nahe stehenden Beteiligten sinnvoll, Dich derart intensiv an Deinen verstorbenen Mann zu klammern? Er wird nicht wieder lebendig dadurch!! Ich meine, Du solltest, gerade als junge Frau, nicht derart an einer Vergangenheit klammern!!!
    Die Chancen, dass Du selbst bei Freigabe der Embryonen mit dem einem Versuch sofort schwanger wirst, sind auch eher gering, da die Qualität der Kryos ja generell als geringer gilt…

    UND, und das finde ich das Wichtigste: Verbaust Du Dir nicht die Chance, nach vorne in die vor Dir liegende Zukunft zu schauen?
    Sicher, zur Zeit bist Du todtraurig, kannst Dir nicht vorstellen , je wieder einen anderen Mann lieben zu können usw. usf.
    Aber ich kenne keine junge Witwe, die nicht irgendwann wieder neuen Lebensmut und einen neuen Partner gefunden hätte!!! Und mit dem Du vielleicht viel leichter Kinder wirst haben können, als mit Deinem verstorbenen Partner?
    Für mich fällt bei Deinem „Fall“ in erster Linie Dein Festhalten an einer Beziehung, die nun vorbei ist, auf!
    Sicher, Dein Mann hatte zugestimmt, dass Du selbst nach seinem Tod potentiell von ihm schwanger werden dürftest- aber vielleicht nur aus Liebe zu Dir und weil er es schlimm fand, Dich zurücklassen zu müssen?
    Aus all meinen Erfahrungen mit Sterbenden weiss ich, dass Sterbende alles mögliche tun und sagen, bloss um die zukünftigen Hinterbliebene im Moment glücklich zu machen.
    Aber bist Du wirklich sicher, dass Dein Mann möchte, dass Du Dich so dermassen an ihn klammerst und Dein Leben und Deine Energie für einen Weg verwendest, der keinen wirklich glücklich macht? Selbst wenn Du von dem Toten schwanger werden würdest: Willst Du wirklich immer nur in der Vergangeheit leben, dem Kind immer nur von dem Toten erzählen, der noch nicht einmal zum Zeitpunkt der Zeugung mehr lebte??
    Auch scheint mir, dass Du Deine ganze Verzweiflung und Wut über den Tod Deines Mannes jetzt in diesen Prozess des Kampfes um die Embryonen steckst, so wie wenn die Embryos Dein Mann wären…

    Interviews mit Menschen, die reanimiert wurden, haben ergeben, dass die Sterbenden/ Toten sich sehnlichst wünschen, dass die Hinterbliebenen Wege finden, ohne die Toten trotzdem glücklich zu werden und nicht an ihnen klammern. Viele meiner tibetisch-buddhistischen Lehrer haben mir in der Zeit der Trauer auch immer wieder gesagt, wie wichtig es ist für meinen Seelenfrieden und auch den der Gegangenen, sie LOSZULASSEN!

    Dass Du aus Prinzip kämpfen möchtest, sei es, um die Kryos, wie eine Forumsteilneherin meinte, rituell begraben zu können, oder weil es um eine Klärung der Besitzverhältnisse geht, wäre da etwas anderes, da bin ich weiter bei Dir. Aber bitte bitte lass diese fixe Idee der Schwangerschaft los!!

    Mit aufrichtig betroffenen Grüßen
    Annette Rabenstein

  24. cruzeiro schreibt

    @ annettefr: sehr schöner Beitrag, nur unterstellst du automatisch, dass Ines Wunsch ein Klammern an die Vergangenheit ist. Oder dass es überhaupt einen Grund gibt. Manchmal wird man auch von einem Wunsch geleitet. Sich leiten lassen ist ja auch im christlichen Weltbild häufig zu finden. Außerdem kann man auch die Vergangenheit mit in die Zukunft nehmen. Warum sollte man immer mit ihr abschließen.

  25. Rebella schreibt

    Ich meine auch, Annette, das ist ein sehr schöner und gut gemeinter Brief, den du da geschrieben hast. Vielleicht kannst du Ines damit auch wirklich mit dem einen oder anderen Gedankenanstoß helfen.

    Letztlich möchte ich aber betonen, dass es Ines´Leben ist und dass sie sich bei allen Gedankenabwägungen dazu entscheiden dürfen sollte, ihre Embryonen auszutragen. Ich halte es von einer Gesellschaft für eine Anmaßung, da über den Kopf der Betroffenen zu entscheiden und Verbote aufzustellen.

    Wie Ines auf ihrer Seite geschrieben hat, lag die Ursache für die IVF bei ihr. Das heißt, auch mit einem neuen Mann bräuchte sie wieder die IVF. Bis dahin wird sie einige Jahre älter sein und geringere Erfolgsaussichten haben. Ich denke, auch mit Kind kann man sich einen neuen Lebenspartner suchen. Oder eben auch nicht, wenn man das nicht mehr will.

  26. Kinderwunsch-Witwe

    […] Das ist der Titel der Homepage von Ines S. Sie gelangte zur traurigen Berühmtheit, weil das Landgericht Neubrandenburg die Herausgabe ihrer Eizellen verweigerte. Diese Gerichtsverhandlung wurde notwendig, da der Ehemann von Ines S., mit dessen Spermien die befruchteten Eizellen entstanden, tödlich verunglückte. Mehr dazu in einem älteren Artikel der News. […]

  27. raise schreibt

    Ich finde es bevormundend, wenn ein Staat sich anmaßt, über die Gewissensentscheidungen ihrer Bürger in solchen Fragen zu bestimmen. Leider – muss ich sagen – wieder ein Grund mehr, Kinderwunschbehandlungen im Ausland machen zu lassen.

    Den Soldaten kann man übrigens auch nur raten, schnellstens – solange sie noch am Leben sind – die eingefrorenen Spermien in’s Ausland zu bringen.

  28. […] Im Sommer letzten Jahres ging der Fall einer jungen Frau durch die Presse, die während einer IVF-Behandlung ihren Mann durch einen tödlichen Unfall verlor und daraufhin die Herausgabe noch eingefrorener Eizellen gerichtlich erwirken wollte. Sie plante, diese Eizellen im Ausland einsetzen zu lassen. Dies wurde vom Landgericht Neubrandenburg mit Hinweisauf das Embryonenschutzgesetz abgelehnt. Dazu hatte ich ja bereits ausführlich berichtet und kommentiert. […]