Die Kinderwunsch-Seite
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Dies und das

Finanzielle Abgabe für Kinderlose

Aktuell befinden sich die Krankenversicherungen zwar in einer hervorragenden finanziellen Situation und wissen gar nicht wohin mit ihren Überschüssen, während die Politiker entsprechend ihrer jeweiligen Couleur verschiedenste Vorschläge machen, wie diese 3 Milliarden nun am besten unters Volk oder eben auch nicht zu bringen seien.

Eine verwegene Gruppe junger Politiker aus der Unionsfraktion (genau, sie nennen sich die Junge Gruppe) lässt sich von dieser positiven Entwicklung nicht ablenken und denkt ein wenig über den Tag hinaus: Notwendig sei “Eine Entlastung der Sozialversicherungen ab dem Zeitpunkt, zu dem die Generation der “Baby-Boomer” in Rente geht und verstärkt pflegebedürftig wird. “Ein zweistelliger Milliardenbetrag soll bis 2025 zusammenkommen“, erläuterte der Chef der Jungen Gruppe, der sächsische CDU-MdB Marco Wanderwitz [sic!], der Passauer Neue Presse.

Prognostizierte Altersverteilung für Deutschland im Jahr 2050

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Der Plan: Eine Zusatzabgabe. Noch eine? Ja, aber es kommt noch besser: “Kinderlose zahlen die volle Abgabe, bei einem Kind reduziert sich die Abgabe auf die Hälfte, ab dem zweiten Kind ist keine Zahlung zu entrichten.” Also mal wieder eine Kinderlosenstrafabgabe, da diese ja nichts dazu beitragen, die Bevölkerungspyramide wieder auf die Füße zu stellen.

Kinder werden nicht zur Aufbesserung des Rentensystems geboren

Es steht außer Frage, dass die Alterstruktur unserer Bevölkerung eine echte Bedrohung für die Sozialsysteme darstellt. Und daher ist die grundsätzliche Bereitschaft unserer Politiker zu loben, jungen Paaren bei der Umsetzung ihrer Familienplanung zu helfen. Nicht neu ist jedoch auch die Beurteilung kinderloser Paare. Recht schnell fällt da oft der Begriff “Sozialschmarotzer”. Etwas eleganter fomuliert es der Sozialrechtler Jürgen Borchert: “Es finde eine Privatisierung der Kinderlasten statt, bei eine gleichzeitiger Sozialisierung des Nutzens, der durch Kinder entsteht.” (Hier dazu auch ein ausführliches Interview mit ihm).


Kinder zur Welt zu bringen ist jedoch sicher kein altruistischer Akt zur Aufbesserung der Rentenkassen, sondern vor allem ein zutiefst egoistisches Projekt zweier Menschen, welches zufällig auch wirtschaftlich und gesellschaftlich von Vorteil ist. Und regelmäßig wird dabei vergessen, dass Kinderlosigkeit sehr oft keine freiwillige und egoistische Entscheidung, sondern medizinisch begründet ist.

Mutti zieht dem Jungvolk die Ohren lang

Frau Merkel kanzlerte die “Junge Gruppe” nun deutlich ab. Sie sprach sich gegen deren Pläne aus: “Schon eine Einteilung in Menschen mit und ohne Kinder ist nicht zielführend“, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. “Ich glaube, wir müssen andere Wege finden.” Das Anliegen, die sozialen Sicherungssysteme nachhaltig zu machen, sei berechtigt. Sie sei aber nicht der Meinung, dass der Vorstoß die Probleme lösen könne, berichtet der SPIEGEL.

Auch Politiker anderer Fraktionen sprachen sich zum Teil recht deutlich gegen diese Zusatzabgabe aus, so dass dieses Projekt nun erst einmal vom Tisch sein sollte. Sicherlich wird es nicht das letzte Mal sein, dass Kinderlose ins Visier der Sozialpolitiker geraten. Aus gutem Grund.


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Kommentare

23 Kommentare für “Finanzielle Abgabe für Kinderlose”

  1. Hallo Elmar,

    ich verstehe das Problem nicht:

    – Nicht-Akademiker zahlen mit für die kostenlosen Studienplätze ***
    – Nicht-Haus-Besitzer bzw. diejenigen, die sich ein Haus nicht leisten können, subventionieren durch den erhöhten Strom-Preis die Haus-Besitzer, die sich ein Solar-Panel aufs Dach montieren
    – Gesunde in der Krankenkassen zahlen mit für die Kranken
    – Diejenigen die besser verdienen zahlen mehr Einkommenssteuer wie diejenigen, die nicht so viel verdienen
    – etc.

    *** = und dabei kommt erschwerend hinzu, dass eine Meister-Ausbildung, eine klassische Aufstiegsmöglichkeit für Leute aus der Nicht-Akademiker-Schicht, mal locker 10.000+ Euro kostet während in den meisten Bundesländern ein Studium kostenlos ist -> Bevorzugung der Menschen die gebildetere Eltern haben.

    Fakt ist, und das hast du selber erwähnt, dass hierzulande zu wenig Nachwuchs gezeugt wird. Dadurch sind nicht nur umlagefinanzierten Verfahren (z.B. gesetzliche Kassen) sondern auch die kapital-gedeckten (private Rentenkassen) bedroht, weil: weniger Nachwuchs auch weniger Konsumenten & Steuerzahler.


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    Geschrieben von Vlad am 14. Februar 2012 um 23:42
  2. In der Vergangenheit haben die Politiker ja ziemlich viel gewedelt, dass unser Land mehr Kinder bräuchte, weil sonst die Renten nicht mehr zu bezahlen wären. Ich habe diesen Gedanken häufiger aufgegriffen und die Politiker darum gebeten, auch bei ungewollt Kinderlosen darauf zu achten, dass die mehr Kinder bekommen. Verhältnismäßig günstig wären sie ja hier zu bekommen gewesen.

    Nachdem ich inzwischen Bücher über den Ausverkauf des Staates in den letzten Jahren gelesen habe, ist mir klar geworden, dass es den Politikern nie darum ging, dass mehr Kinder geboren werden. Es ging einfach nur darum, die Menschen abzuzocken. Mit dem Argument, es würde ja bald nicht mehr genug Kinder geben, wurden die Menschen dazu manipuliert, unbedingt einen Riester-Vertrag abzuschließen. Denn mit privbater Vorsorge könnten sie diesem Problem entgehen. Ein Deal, der Bankern, Versicherern und Politikern Milliardenbeträge eingespielt hat. Man muss nicht weit denken, um herauszufinden, dass man sich mit den Geldscheinen aus der Riesterrente im Altersheim auch nicht den …. abwischen lassen kann, wenn kein Personal da ist.

    Das neue Vorhaben, das Sie hier vorstellen, sieht ganz danach aus, als würde man jetzt wieder mit dem Argument, es werden nicht genug Kinder geboren, die Bevölkerung melken wollen.


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    Geschrieben von Rebella am 14. Februar 2012 um 23:50
  3. Hallo Vlad (schön, das du mal vorbeischaust ;),

    deine Argumentation kann man auch durchaus umdrehen und ergänzen mit:

    – Nichtkinderlose zahlen für die Renten der Kinderlosen.

    Wobei sich dann auch noch die Frage stellt, wer mehr in die Rentenkassen einzahlt: das doppelverdiendende kinderlose Paar oder die klassische Familie mit einem Hauptverdiener.

    Und dem Fakt, dass es zu wenig Kinder gibt (da sind wir uns einig), sollte man auch Rechnung tragen: Hauptsächlich mit Verbesserungen für Vereinbarung von Beruf und Kinder für beide Partner.

    Wer jedoch medizinisch bedingt nicht in der Lage ist, Kinder zu bekommen und schon diverse tausend Euro investiert hat, um sich diesen Wunsch zu erfüllen, sollte nicht noch zusätzlich für dieses unfreiwillige Schicksal bestraft werden.


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    Geschrieben von Elmar Breitbach am 15. Februar 2012 um 00:17
  4. Fakt ist einfach, dass es einen Generationenvertrag gibt – Kinder zahlen also FÜR IHRE ELTERN in die Rentenkasse.
    Fakt ist, dass Doppelverdiener also eigentlich nichts in die Rentenkasse für sich einzahlen aber die Kinder der anderen deren Rente bezahlen aber die eigene Mutter WEGEN der Kinder weniger Rente bekommt.
    Das ist definitiv unfair und hat nichts mit Bestrafung Kinderloser zu tun sondern einfach damit, dass Familien meist weniger Gehalt haben und quasi ALLEINE die Rentenkosten für die EIGENE Generation stemmen (“Generationenvertrag” – man zahlt nicht für sich selbst sondern immer für seine Eltern und die eigenen Kinder später für einen selbst). Dazu kommt, dass sie eben für ca. vier Personen Steuern zahlen, da logischerweise mehr Nahrung, Windeln usw. benötigt wird und auch so diskriminiert werden – man schaue sich nur mal Pauschalreisen für vier Personen in den Sommerferien an… – DAS ist nicht fair! Doppelverdiener haben im Gegensatz zu Familien (welche auch mehr Wohnraum benötigen und zahlen müssen zusätzlich zu Nahrung, Kleidung, Strom, Wasser, Steuern, Benzin, größeres Auto, Möbel usw.) einfach eher die Möglichkeit, privat vorzusorgen. Von daher sollte es evtl. keine Strafsteuer geben aber evtl. nur eine Grundrente. Denn erworbene Rentenrechte müssten ja theoretisch durch die nächste Generation = eigene Kinder zahlen – so ist es eigentlich gedacht und berechnet.
    Wenn keine Rentenkürzungen – dann zumindest höhere Renten für Mütter, welche aufgrund der Erziehung teils gut bezahlte Jobs verloren haben und auch nur noch Teilzeit arbeiten konnten. Bzw. da Teilzeit von ca. 15-20h sich steuerlich nicht lohnt nur noch auf 400,-. Da liegt das Problem. Wer Kinder möchte, möchte sich normal auch selbst darum kümmern – zumindest bis das Kind sprechen kann und danach auch noch. Ich habe z.B. zweimal nur einen Kindergartenplatz bis 12.00 erhalten trotz Warteliste! In der Schule zwar Betreuung bis 13.15 aber was ist in den Ferien? OGS für den kompletten Tag ist nicht für jedes Kind geeignet. Teilzeit wurde mir nur 5x nachmittas in Düsseldorf angeboten – wie mit zwei kleinen Kindern machen? Also kündigen und trotz guter Ausbildung und langer Berufserfahrung auf “Putzfrauengehalt” landen bei 400,- :-(.
    Und die viel gepriesene Wahlfreiheit gibt es nicht! Entweder bekommen Eltern keine ausreichende Betreuung, keinen Teilzeitjob oder sie MÜSSEN einfach arbeiten und ihre Kleinstkinder gegen ihren Willen abgeben, weil der Mann nicht ausreichend verdient! Da hapert es. Jede Frau, die möchte, müsste zumindest die Gelegenheit bekommen, ihr Kind solange selbst zu versorgen, bis dieses sich selbst äußern (sprechen) kann und danach halbtags zu arbeiten.
    Es darf eigentlich nicht sein, dass die Wahlfreiheit vom Gehalt des Partners abhängt!
    Und nur zum “Nachts-aufstehen”, Wäsche waschen und Kinder morgens und abends fertigmachen und versorgen sowie bezahlen möchten viele keine Kinder.
    Hinzu kommt, dass Kindern durch Fremdbetreuung die Individualität genommen wird. Klar gibt es auch in OGS/OGATA AGs wie Fußball, Chor oder evtl. auch EIN Musikinstrument. – Was aber ist mit Kindern, die Jiu-Jitsu machen möchten? Trompete spielen? Das kann Fremdbetreuung nicht leisten. Ebenso können Fremde schon aufgrund der hohen Anzahl an Kindern niemals solch eine Geborgenheit, Nähe und Bezug vermitteln wie Familie. Im Gegenteil. Viele Kinder werden bindungsunfähig, da sie nur noch betreut/versorgt/beaufsichtig werden und die Personen “beliebig” austauschbar werden mit der Zeit.
    Selbst Eltern wissen bei Kleinstkindern manchmal nicht, was sie haben, können Mimik und Jammern aber mit Sicherheit besser deuten als Betreuer – die dann evtl. noch nichtmals auf die Kinder eingehen können, weil es nie einen Schlüssel 1:1 (oder auch nur 1:3) geben wird. Bei Zwillingen schreit jeder, dass die Mütter unterstützt werden. Wenn Betreuer alleine eine Gruppe mit 15 Kindern von 2-6 Jahren haben (oder zu Zweit mit 30 – ist hier Alltag) soll es kein Problem sein???
    Außerdem sparen Mütter, die für ihre Kinder da sind auch dem Staat Kosten für Betreuungseinrichtungen und Personal (wobei ich knapp 200,- pro Monat für die Zeit von 9.00-12.00 schon heftig fand. O.K. – wir hätten um 7.00 bringen können – hatten aber sehr schlechte Schläfer und Morgenmuffel).
    Und ja – ich bin auch dafür, dass Paare mit Kinderwunsch nicht alleine für die Kosten aufkommen müssen. Also keine Strafen – egal für wen – aber Fairness bei den Kostenverteilungen und Wahlfreiheiten unabhängig vom Gehalt.


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    Geschrieben von SandraT am 15. Februar 2012 um 11:41
  5. ich hab mir die mühe gemacht, und alle mitglieder der jungen gruppe rausgegoogelt. ok, es gibt weniger als eine handvoll, die haben tatsächlich kinder, manche sogar zwei. die meisten sind RÖMISCH KATHOLISCH. die meisten auch ledig. einige wollen sich der vereinbarkeit von beruf und familie widmen.

    was sagt uns das?

    da reden wieder die blinden von den farben. keine freundin, aber kinderlose abstrafen.

    mach doch erstmal selber! bin gespannt, wie sie sich äußern, wenn es bei ihnen selber “klemmt”… dürfte ja nach den regeln der statistik bei einigen dann zutreffen.

    nur kristina schröder zeigt wie immer übergroße dankbarkeit für den glücksfall der geburt ihres kindes, wahrscheinlich aus gutem grund oder mit background, lässt das vermuten ;-)

    tja, wenn wir näxtens von den jungen der union regiert werden, bleibt nur eines:

    ABWÄHLEN!!!


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    Geschrieben von greta am 15. Februar 2012 um 12:17
  6. Fakt ist aber auch, dass in einer so genannten Solidargemeinschaft immer alle für alles zahlen, und die, die am meisten verdienen, haben auch die höchsten Abgaben. Wenn ein gut verdienendes kinderloses Paar (egal ob gewollt oder nicht) seine Beiträge in die GKV einzahlt, finanziert es damit auch die familienversicherte Mutter und das familienversicherte Kind “der Nachbarn” mit. Ebenso werden von den Steuern des kinderlosen Paares die Kinderbetreuung und das gesamte Bildungssystem mitfinanziert, von dem das Paar selbst vielleicht etwas hatte, aber eben nicht die eigenen Kinder. Wer kein Auto hat, bezahlt trotzdem den Ausbau von Straßen etc.

    Immerhin positiv an der ganzen Diskussion ist in meinen Augen, dass sowohl in den Medien als auch vonseiten der Politiker mehrfach erwähnt wurde, dass es ja durchaus auch Paare gibt, die keine Kinder bekommen KÖNNEN und dass diese dann doppelt bestraft werden (und damit sind sicher nicht in jedem Falle nur die Finanzen gemeint). Abgesehen davon ist das “Leid” einer frustrierten Mutter, weil sie ihrem erlernten Beruf nicht nachgehen kann, wohl nicht vergleichbar mit dem Leid eines jahrelang ungewollt kinderlosen Paares – zumindest dahingehend, dass Erstere sich dieses “Schicksal” ausgesucht hat und die Bedingungen vorher kannte.

    @Sandra T.: Ich denke, der gesamte zweite Teil Ihres Kommentars hat nichts mit der eigentlichen Problematik zu tun. Dies ist wohl eher eine “Glaubensfrage” … Ich als Ost-Kind bin 4 Monaten in die Krippe gekommen und aus mir ist auch was geworden ;-) (Und bindungsunfähig bin ich definitiv nicht.)


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    Geschrieben von Antje am 15. Februar 2012 um 12:33
  7. Hallo Elmar,

    Hallo Vlad (schön, das du mal vorbeischaust ;)

    vielen Dank für die Begrüßung.

    Nichtkinderlose zahlen für die Renten der Kinderlosen

    bei einem Umlagefinanzierten Prinzip ist es eher so, dass die Kinder für die Renten ihrer Eltern einzahlen bzw. die jüngeren zahlen für die erworbenen Ansprüche der Älteren.

    Wer jedoch medizinisch bedingt nicht in der Lage ist, Kinder zu bekommen und schon diverse tausend Euro investiert hat, um sich diesen Wunsch zu erfüllen, sollte nicht noch zusätzlich für dieses unfreiwillige Schicksal bestraft werden.

    Ich weiß nicht, aber ich kann hier keine Bestrafung sehen. Sonst müsste man die Tatsache, dass jemand der mehr verdient auch mehr Einkommenssteuer zahlt ebenfalls als Strafe ansehen:

    “Der Staat rächt sich an dir, weil du erfolgreich bist”

    Mit dieser Logik wäre jede Form von Solidarität:

    – Wohlhabendere zahlen mehr Steuern
    – Gesündere finanzieren mit in der Krankenkasse die Kranken
    – etc.

    ein Akt der Bestrafung.

    Hauptsächlich mit Verbesserungen für Vereinbarung von Beruf und Kinder für beide Partner.

    Sicherlich, da hast du Recht. Aber ich denke, dass wird aller höchstens einen kleinen Teil ausmachen. Auch wenn man sich Länder, wie z. B. Schweden anschaut, die eine viel höhere Steuerquote haben und viel mehr Geld in diesem Segment ausgeben, sind die Ergebnisse mehr als bescheiden und basieren auch zum großen Teil auf Einwanderung bzw. die etwas höhere Geburtenrate der Migranten. Da ist der Bible-Belt in den USA wesentlich erfolgreicher … zumindest in Bezug auf die Geburtenrate. :-)

    Ohne einen Sinneswandel, wird es hier in Deutschland auch nicht mehr Nachwuchs geben. Keine Sorge, ich möchte hier keinen “Back zu den christlichen Roots” predigen :-) aber so lange es einfacher ist, mit 2 Hunden eine Wohnung zu finden, als mit einem Kind (O-Ton einer Immobilien-Maklerin) oder so lange man bei vielen mit mehr als 2 Kindern als Assi angesehen wird, wird es so bleiben wie es ist … um nur zwei Beispiele aus dem Alltag zu nennen.

    Ich konnte das vor ein paar Wochen erneut beobachten, als ich mit meiner Familie in einem Park sonntags spazieren war. Diejenigen die Kinder hatten waren zu mehr als 90% Familien wo zumindest ein Elternteil den sog. Migrationshintergrund hatte. Die Natives joggten, machten nordic walking oder führten den Hund aus. Und wir waren jetzt nicht in einem sozialen Brennpunkt spazieren, sondern nah an der Kölner Innenstadt.


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    Geschrieben von Vlad am 15. Februar 2012 um 12:45
  8. Ich wuerd gern mehr zahlen, wenn das Geld wirklich zB an Familien geht, welche Kinder bekommen wollen, aber nicht koennen…
    Aber nur um damit Renten zu zahlen oder gar die Diaeten der Politiker << NEIN!


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    Geschrieben von grueneGurke am 15. Februar 2012 um 13:04
  9. Das finde ich trotz aller Solidarität kontraproduktiv. Wichtiger und richtiger wäre es Familien die Entscheidung für Kinder einfacher zu machen. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geringere MWSt auf Lebensmittel und Grundbedarf von einem Mehrpersonenhaushalt, Unkomplizierte Wohnungssuche, etc. Die Bildungschecks würden mich zum Beispiel auch sehr freuen.
    Ich finde es gut wenn jemand dazu steht keine Kinder zu bekommen, als eines zu bekommen weil sich das ja so gehört oder weil man sonst finanzielle Einbußen hätte. Und dann eben die vielen die so gerne würden und nicht können – die würde man doppelt bestrafen. So geht das nicht.


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    Geschrieben von Eilein am 15. Februar 2012 um 13:26
  10. Auch hier muss ich leider mal wieder den Buhmann spielen. Ein umlagefinanziertes Rentensystem funktioniert nur unter zwei Voraussetzungen:

    1. Jeder Erwerbstätige finanziert (anteilig) die Renten der Eltern- und Großelterngeneration.

    2. Die Renten der Erwerbstätigen werden später anteilig von deren Kindern und Enkelkindern finanziert.

    Vor diesem Hintergrund ist es fragwürdig, dass bei der Berechnung des Rentenanspruchs fast ausschließlich die erste Voraussetzung berücksichtigt wird, während die zweite Voraussetzung völlig vernachlässigt wird. Eine Berücksichtigung der Erziehungsleistung wäre auch keine Bestrafung Kinderloser, sondern vielmehr eine angemessene Berücksichtigung aller individuellen Beiträge zum Funktionieren des Systems.

    Heute ist es doch so, dass Erziehungsarbeit bei der Berechnung von Rentenansprüchen in viel zu geringem Maße berücksichtigt wird. Im Extremfall finanzieren die Kinder einer Hausfrau mit ihren Rentenbeiträgen fast ausschließlich die Renten Fremder, während ihre eigene Mutter nur sehr geringe Rentenansprüche hat. Diese Situation wird der Bedeutung von Erziehungsarbeit für das umlagefinazierte Rentensystem nicht gerecht.


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    Geschrieben von Buntspecht am 15. Februar 2012 um 18:12
  11. Die folgende Grafik ist auch sehr aufschlussreich:

    http://www.hubert-brune.de/bilder/bevoelkerung_deutschland_sterbeziffer_und_geburtenziffer_von_1816_bis_2000.jpg

    In der öffentlichen Diskussion wird ja immer vom Pillenknick gesprochen. Viel schlimmer als dieser sogenannte Pillenknick war aber der regelrechte Absturz der Geburtenziffer zwischen 1900 und 1930. Zur Erinnerung: die umlagefinanzierte Rentenversicherung trat 1891 in Kraft. Es dauerte ein paar Jahre, bis die Bürger verstanden hatten, dass die Anzahl der Kinder nunmehr irrelevant für ihre Altersversorgung war. Sobald sich diese Erkenntnis durchgesetzt hatte, ging es dann ganz steil nach unten. Den Pillenknick sieht man im Vergleich kaum.


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    Geschrieben von Buntspecht am 15. Februar 2012 um 18:38
  12. @Buntspecht: Interessant waere auch der Knick etwa 2004 nachdem 4 Versuche ‘abgeschafft’ wurden…


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    Geschrieben von grueneGurke am 15. Februar 2012 um 23:26
  13. Danke für die Grafik, Buntspecht. Deine Interpretation kann ich allerdings nicht teilen.

    Als die Rente für industriell-gewerbliche (nicht für alle!!) Arbeitnehmer eingeführt wurde, haben nur ca. 20 % der Bezugsberechtigten das Rentenalter erreicht (nicht ca. 80 % wie heute) und die Bezugsdauer lag durchschnittlich deutlich unter fünf Jahren (nicht wie heutzutage etwa 15 Jahre).

    Spätestens als die Bezugsberechtigung nicht mehr nur die industriell-gewerblichen Arbeitnehmer umfasste und deutlich mehr Bezugsberechtigte das Rentenalter erreichten sowie die Bezugsdauer sich verlängerte, weil auch die Rentner länger lebten (bessere medizinische Versorgung, bessere hygienische Zustände, bessere Ernährung), hätte man die Berechnungsgrundlage ändern müssen.

    Der Pillenknick ist nicht entscheidend!

    Daher hinkt die Argumentation dieser Unionswilden enorm.

    Btw: Mit der zunehmenden Hygiene auch in Krankenhäusern und der besseren Ernährung während der Industrialisierung erreichten wesentlich mehr Kinder das fünfte Lebensjahr. Weshalb u.a. die Bevölkerungszahl anstieg, obwohl die Geburtenziffer sank. Es waren – lapidar ausgedrückt – halt nicht mehr sieben Schwangerschaften samt Geburten notwendig, um drei überlebende Kinder zu haben.


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    Geschrieben von 007 Wichtel am 15. Februar 2012 um 23:51
  14. Nun, ob nun Pillenknick, Kriegsfolge, Folge der Einführung eines staatlichen Rentensystems oder andere egoistische Motive… Die Entscheidung für oder gegen Kinder ist persönlich begründet. Das Bekommen oder Nichtbekommen von Kindern ist biologisch begründet.

    Was spräche eigentlich dagegen, eine entsprechende Abgabe (aber bitte erst ab 25! Ich will nicht noch mehr Teen-Eltern!) zu schaffen und das Geld zu 100% in die volle Finanzierung von Kinderwunschbehandlungen zu stecken? So bekommen die Wunscheltern, die es biologisch einfach nicht schaffen, schwanger zu werden ihre Chance (und ihre Abgabe zurück bezahlt) und die “egoistischen” Nicht-Eltern finanzieren ihre eigene Pflegeversicherung indem sie mit der Abgabe das Kinderkriegen von Wunscheltern unterstützen, deren Kinder dann Sozialversicherungsabgaben zahlen.


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    Geschrieben von Ekis am 16. Februar 2012 um 18:50
  15. [...] anderen akzeptieren. Der Reproduktionsmediziner Elmar Breitbach bezeichnet Kinderkriegen als ein zutiefst egoistisches Projekt zweier Menschen, welches zufällig auch wirtschaftlich und gesells…. Aus dem Zusammenhang geht hervor, dass er das nicht als einen Vorwurf sieht. So sollte es sein. [...]


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    Geschrieben von Kinder kriegen die Leute sowieso | Quantenmeinung am 16. Februar 2012 um 19:32
  16. Diesen Vorschlag von Ekis finde ich einfach gut. Steuern sind jedoch nicht zweckgebunden und ich denke, er wird nicht realisiert.

    Ich kenne ja nun beide Seiten, kinderlose Doppelverdiener und seit einigen Jahren bin ich auch Mutter (dank ICSI….) mit einem Halbtagsjob. Dieser lohnt sich für mich durchaus…. dank des progessiven Steuersystems habe ich noch immer 2/3 meines alten Einkommens. Dazu gibt es Kindergeld…. wäre ich Mitglied in der GKV, müsste ich das Mädel noch nichtmal extra versichern.
    Dann gab es Elterngeld…. für zu Hause bleiben ein fürstliches Einkommen. Der Kindergartenplatz…. prima, ich muss nicht kochen. Der Platz kostet zwar mit Essen 216,- EUR, das sind ja aber nicht die wahren Kosten. Super… die Allgemeinheit finanziert auch hier mich und mein Kind mit.
    Schule…. kostenlos. Finanziert auch von ungewollt Kinderlosen. Auch noch mit Ganztagsbetreuung.

    Studium? Ist hier nicht kostenlos (leider). Spätestens dann muss ich wohl wieder ganztags arbeiten, denn die Kinder müssen studieren können, wenn sie es wollen. Finanziere aber gerne das Studium, wenn es dann geht.

    Ich bin im übrigen nicht Mitglied in der GKV….. und wenn es beim Umlageverfahren bleibt, werde ich den Kindern raten, doch einen Beruf zu ergreifen, wo man das nicht sein muss.

    Kurz und gut: Ich habe das große Los gezogen, Mutter werden zu dürfen, wahrscheinlich nicht nur einmal. Das ist mit Geld nicht aufzuwiegen. Ich profitiere im hohen Maße von der Allgemeinheit.

    Meine Kinderwunschzeit war lang und schrecklich.
    Es kann nicht sein, dass ungewollt kinderlose Paare auch noch bestraft werden.


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    Geschrieben von Viktoria1 am 16. Februar 2012 um 19:50
  17. Habe die Junge Gruppe und ihren Sprecher in den Nachrichten gesehen und gehört. Insgesamt sahen sie so aus, als ob sie allesamt noch ziemlich grün hinter den Ohren und noch nicht so ganz im echten Leben angekommen sind.
    Meiner Meinung nach eine “Zu Junge Gruppe” um ernsthaft Forderungen dieses Ausmaßes stellen zu dürfen.
    Konnte das gar nicht ernst nehmen :-)
    Angela auch nicht….


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    Geschrieben von hummel007 am 16. Februar 2012 um 20:13
  18. Fakt ist, dass die Rentenversicherung ein Generationenvertrag IST und da ist es ganz logisch, dass, wer keine Kinder hat, seine Rente auch nicht durch sie bezahlt bekommen kann – aber es so gedacht war. Demnach dürften Kinderlose eigentlich gar keine Rente bekommen. Das fordert ja gar keiner!
    Den Vorschlag mit späteren Beiträgen für die eigene Rente finde ich gut. Also z.B. ab 30 Jahre und einem Mindesteinkommen. Denn ist es fair, wenn ich zwei Kinder habe, mich um sie kümmere (und wie oben beschrieben meinen gut bezahlten Job kündigen MUSSTE – übrigens auch kein Elterngeld bekommen hatte, da unser 2. Kind beim Stichtag schon einige Wochen alt war) und nun auf Gehalt UND Rente verzichten muss, weil die Beiträge meiner Kinder eben benötigt werden, um die Renten von gut verdienenden Kinderlosen zu bezahlen, die eben weniger Ausgaben haben und eher selbst vorsorgen können? Da könnte man auch sagen, dass Familien/Mütter doppelt gestraft werden (wesentlich mehr Kosten/Steuern, weniger Gehalt UND weniger Rente). Es geht hier nicht um Solidargemeinschaft sondern darum, wie die Rentenversicherung aufgebaut ist und das ist eben ein anderes Prinzip als bei allgemeinen Steuern.


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    Geschrieben von SandraT am 17. Februar 2012 um 11:45
  19. Es darf nicht vergessen werden, dass die Kinder auch nicht alle in die Rentenversicherung einzahlen. Manche arbeiten nicht, andere zahlen in Versorgungswerke ein, noch andere sind Beamte oder selbständig…… ich denke, da muss erst das System geändert werden (tut man ja durch die Riester-Rente, da bekomme ich wiederum Kinder-Zulagen), ist ja natürlich schwierig.
    Aber ob Flickschusterei an einem System, was nicht mehr funktionieren kann, uns langfristig weiterhilft?


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    Geschrieben von Viktoria1 am 17. Februar 2012 um 13:23
  20. Tja, wenn man mich fragen würde, ob ich denn den Generationenvertrag brauche und haben will, dann würde ich persönlich wohl sagen: nein! Denn schon heute kann von den Beiträgen, die ich und meine Geschwister einzahlen, mehr als die Rente meiner Mutter finanziert werden und zusätzlich könnten wir zusammen gemeinsam mit dem restlichen Geld für unser eigenes Alter vorsorgen. Insofern finde ich das System eh schon nicht gerecht, da können jetzige Eltern sagen, was sie wollen. Zudem bin ich ja nicht kinderlos, weil das so schön ist, sondern weil es eben einfach nicht klappt mit den Kindern – dass man dann ein tolles Leben hat, ist leider auch nicht so, denn wir bezahlen alle Behandlungen aus eigener Tasche (und das summiert sich schon auf einen Kleinwagen im Jahr), und sollten wir dann mal Erfolg haben, haben wir ja zusätzlich zu den bis dahin aufgelaufenen Kosten der Behandlungen noch die Kosten der Kinder zu tragen.
    Achja, was wäre jetzt, wenn alle meine Geschwister mehr als zwei Kinder hätten wie meine Mutter (haben sie noch nicht, wir sind aber auf einem guten Weg), warum sollte ich dann mehr in den Generationenvertrag einzahlen, wenn wir als Gesamtheit der Familie sowieso schon viel mehr dafür getan hätten als andere? So einfach ist es eben nicht mit der Gerechtigkeit.
    Ich habe ja nichts dagegen, wenn Kinder in der KK umsonst mitversichert sind, schwieriger finde ich es schon, dass mit den Steuern aller Bürger alle möglichen Vergünstigungen finanziert werden, die ich nicht für notwendig halte, aber naja, dann ist das eben auch so. Aber wenn es darum geht, auch noch zusätzlich dafür zu zahlen, dass ich aus medizinischen Gründen bisher keine Kinder bekommen habe, wäre das für mich ein Grund, den Generationenvertrag am liebsten zu kündigen (brauchen tue ich ihn eh nicht, siehe oben) – was ja leider nicht geht…


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    Geschrieben von atonne am 17. Februar 2012 um 13:54
  21. klar – da stimme ich Dir zu – ich schrieb ja auch, dass ich nicht dafür bin, die Kosten für “Kinderbehandlungen” den Paaren alleine aufzudrücken – denn diese Kinder nutzen ja auch wieder allen. Außerdem kann für Kinderlosigkeit keiner etwas. Ich sehe es eher als Krankheit an – im Gegensatz zu vielen anderen Dingen, die Krankenkassen zahlen… aber das ist wieder ein anderes Thema…


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    Geschrieben von SandraT am 19. Februar 2012 um 16:20
  22. [...] dann muss man sich nicht wundern, wenn seit Jahren nichts passiert und sogar eine aus meiner Sicht diskriminierende Sonderabgabe für Kinderlose gefordert werden kann, ohne dass man dafür Angst um seine politische Karriere haben muss. Sondern [...]


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    Geschrieben von Bundesratsinitiative. Was ist daraus geworden? | Dies und das, Krankenkassen, Politik, Wissenschaft | Aktuelles zum Thema Kinderwunsch am 23. Februar 2012 um 01:33

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