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Dies und das

Dorothee Bär hat Bedenken

Die familienpolitische Sprecherin der CSU Dorothee Bär (Twitter) äußert Bedenken gegen die IVF und die Kostenübernahme. In der KNA (katholische Nachrichtenagentur). Sicherlich eine der ersten Adressen, wenn man sich generell gegen die künstliche Befruchtung äußern möchte. Das ist insofern keine Randnotiz, als dass sich Frau Bär in der Unionsfraktion ganz offenbar und offen gegen die Pläne der Familienministerin zur Verbesserung der Kostenübernahme stellt. Und dieser Artikel leider auch Eingang in die Recherchen unabhängiger Medien findet, die dann auch die Fehler zitieren, die Frau Bär – vermutlich unabsichtlich – in ihrem Interview unterliefen.

Sie erwähnt, dass es bei dieser Methode [künstliche Befruchtung] „zu viele offene Fragen gibt„. Und führt dies weiter aus:

Bär verwies demgegenüber auf die «hohen Risiken» für Frau und Kind bei einer künstlichen Befruchtung.

Es ist bedauerlich, dass sie nicht genauer ausführt, was damit gemeint ist, so kann ich es nur vermuten. Wie jede medizinische Behandlung hat natürlich auch die künstliche Befruchtung Nebenwirkungen. Wobei sich diese vor allem auf die Frau beziehen. Risiken für die Kinder werden vor allem bei der ICSI diskutiert, wobei langjährige Nachuntersuchungen dies nicht bestätigten. Die Reagenzglasbefruchtung ist eine seit Jahren etablierte medizinische Methode und daher erprobter, sicherer und oft medizinisch hilfreicher als z. B. die Linksherzkatheteruntersuchungen.

Zugleich sei die Erfolgsquote «äußerst niedrig». «Weniger als zwei von zehn behandelten Paaren bekommen tatsächlich ein Kind.» Eine künstliche Befruchtung sei aber für die Frau sowohl körperlich als auch psychisch sehr belastend. Zugleich gelte es für neun von zehn Frauen, mit den enttäuschten Hoffnungen und den physischen Folgen fertig zu werden. Dieser Aspekt werde weitgehend tabuisiert.

Zwei von zehn Paaren bekommen ein Kind und neun von zehn Frauen müssen mit enttäuschten Hoffnungen leben. Schnell mal die eigene Statistik um weitere 10% reduziert. Außerdem impliziert diese Aussage, dass lediglich 2 von 10 Frauen ein Kind bekommen (insgesamt!) und nicht pro Behandlung. Eine Baby-Take-Home-Rate von 20% ist selbst für einen einzigen Behandlungsversuch recht niedrig gegriffen.

Wobei man diese Aussage jemandem, der sich mit der IVF nicht so gut auskennt, nicht zwingend vorwerfen kann, das ist auch kompliziert. Jedoch sollte jemand, der sich explizit gegen die Methode der künstlichen Befruchtung wendet und politisch dagegen arbeitet, sich besser damit auskennen. Jemand, der es nicht tut, wird bei seiner Recherche immer wieder mit Lebendgeburtenraten von 15% oder bestenfalls 20% konfrontiert. Diese Zahlen sind schlicht falsch, werden aber von IVF-Gegnern gerne immer wieder voneinander abgeschrieben, obwohl die Grundlage für diese „äußerst niedrigen“ Erfolgsraten auf eine bewusste oder unbewusste fehlerhafte Auswertung der entsprechenden Statistiken zurückzuführen sind.

Bär wandte sich auch gegen das Argument, wonach es einen dauerhaften Einbruch bei den künstlichen Befruchtungen gebe, seitdem Patienten 50 Prozent Eigenanteil bezahlen müssten. Aufgrund der angekündigten Kürzungen ab 2004 sei die Zahl unmittelbar davor sehr hoch und danach entsprechend niedrig gewesen. Im Jahr 2009 habe die Zahl aber mit rund 74.000 Zyklen in etwa auf dem Niveau von 2001 gelegen.

Diese Berechnung basiert auf den falschen Zahlen

Diese Graphik (Quelle: Deutsches IVF-Register) untermauert zunächst die Aussage von Frau Bär:

Was Frau Bär nicht weiß oder verschweigt: Diese Zahl von 74.000 beinhaltet auch die Kryozyklen, also eine Therapie, die noch nie von den Krankenkassen übernommen wurde. Und deren Anteil an den Gesamtbehandlungen seit 2001 um ein Drittel angestiegen ist (von ca. 12.000 auf 18.000). Nicht zuletzt auch deswegen, weil die Kosten für die Punktionszyklen für die Patienten aufgrund der Eigenbeteiligung deutlich gestiegen sind.


Nehmen wir also doch mal die Zahlen, um die es hier eigentlich geht, nämlich die Zahl der durchgeführten künstlichen Befruchtungen mit Eizellentnahmen (untere Zeile).

Und nehmen wir einmal das Jahr 2002 als Bezugspunkt, den hier kam es letztmals noch nicht zu einer künstlichen Erhöhung der Fallzahlen durch eine drohende Selbstbeteiligung wie im Jahr 2003. In dem aktuell statistisch ausgewerteten Jahr 2010 lag die Zahl der Punktionszyklen immer noch 20% unter der des Jahres 2002. Und selbst wenn man – aus für mich unerfindlichen Gründen – das Jahr 2001 als Bezugspunkt nähme, liegt man immer noch um 10% zurück.


Es kann also gar nicht die Rede davon sein, dass ein Einbruch durch die Selbstbeteiligung ausgeblieben ist. Im Gegenteil hält dieser Einbruch immer noch an. Nimmt man das Jahr 2002 mit ca. 62.000 Behandlungen erneut als Referenz, dann wurden in den Jahren 2004 bis 2010 insgesamt 130.000 künstliche Befruchtungen weniger durchgeführt. Und diese Berechnung setzt voraus, dass der tatsächliche Bedarf an Behandlungen in diesem Zeitraum nicht anstieg.

Bär sprach sich für eine bessere Beratung vor einer künstlichen Befruchtung aus, «um die möglichen körperlichen und psychischen Folgeerscheinungen abzumildern». Aber auch danach müssten die Frauen fachlich begleitet werden: «Es reicht nicht zu sagen, es hat leider nicht geklappt, auf Wiedersehen.»

Sie bezieht sich dabei (in Fachkreisen durchaus umstrittene) auf die Studie der Uni Bochum, deren Ergebnisse wir bereits hier vorstellten und diskutiert haben. Der pauschale Vorwurf, die Reproduktionsmediziner würde nur unzureichend aufklären, ist sicherlich so nicht zu halten und das Problem der Patientenbetreuung ist deutlich vielschichtiger, als dass es mit einer „besseren Beratung“ getan wäre. Wobei das Thema fachliche Begleitung dann auch eine psychologische Betreuung bedeutet und in Anbetracht der geringen Kapazitäten in psychologischen Praxen ist diese nicht umsetzbar. Noch eine Baustelle.

Nach einer Studie der Universitätsklinik Aarhus komme es bei künstlicher Befruchtung häufiger zu Frühgeburten, Fehlbildungen und Untergewicht, so die CSU-Politikerin.

Mehrlingsrisiko: Ein gutes Argument für die komplette Kostenübernahme

Die einzige (mir bekannte) Studie der Universität Aarhus zu diesem Thema ist diese hier. In diesem Artikel habe ich bereits 2006 einiges zusammengetragen, was eine differenziertere Sichtweise als die von Frau Bär ermöglicht. In dieser Studie wird vor allem darauf hingewiesen, dass die negativen Auswirkungen auf die Kinder nicht im Zusammenhang mit der künstliche Befruchtung stehen, sondern nur indirekt Folge von Mehrlingsschwangerschaften sind.

Womit wir auch wieder bei den Kosten wären: Um die Risiken einer künstlichen Befruchtung zu minimieren, wäre eine möglichst niedrige Mehrlingsrate erforderlich. Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt: Wird die ärztlich assistierte Fortpflanzung von der Krankenkasse übernommen, werden auch weniger Embryonen transferiert. Den Zusammenhang habe ich in einem weiteren Artikel ausführlich erläutert: Mehrlinge und Kosten: Können wir uns nur einen Embryo leisten? Die Risiken der Behandlung können also sehr effizient deutlich gemildert werden, wenn man den Patienten den Kostendruck und die damit einhergehende Risikobereitschaft nimmt. Ich zitiere mal aus dem eben verlinkten Artikel:

Insbesondere das sogenannte “Belgische Rückerstattungsmodell”, welches seit 2003 in unserem Nachbarland gilt, hat zu einer deutlichen Reduktion der Mehrlingsraten nach künstlicher Befruchtung geführt. Hier wird bei Frauen unter 37 Jahren in den ersten beiden Behandlungszyklen nur ein Embryo in die Gebärmutter eingepflanzt. Ist die Frau älter oder waren die ersten beiden Behandlungen erfolglos, werden zwei Embryonen transferiert. Insgesamt hat ein Paar jedoch Anspruch auf sechs vollständig bezahlte Behandlungszyklen und ist somit weitestgehend frei von finanziellem Druck.

Der “Single Embryo Transfer” ist kostenneutral

Aus Sicht des Staates rechnet sich dieses Konzept auch ökonomisch. Die Folgekosten einer Mehrlingsschwangerschaft sind aufgrund der Komplikationen (Frühgeburtlichkeit und Fehlbildungen) wesentlich höher und gehen ebenso zu Lasten des Sozialsystems. Die etwas reduzierte Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft pro Behandlung und der sich daraus ergebende Anstieg der Therapiezyklen wird durch die Reduktion der Folgekosten mehr als kompensiert.

Der Transfer nur eines Embryos ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern verbessert vor allem die medizinische Versorgung der Patienten. In Anbetracht von mehr als 200 Embryonen, die im Jahre 2004 aufgrund von Mehrlingsschwangerschaften im Mutterleib abgetötet wurden, ist dies keine These für eine akademische Diskussion, sondern eine Feststellung.

Und möglicherweise auch ein Grund für christliche und soziale Politiker, ihre Einstellung zur Kostenübernahme zu überdenken, Frau Bär.


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Kommentare

30 Kommentare für “Dorothee Bär hat Bedenken”

  1. Ein sehr guter Kommentar. Hinzufügen möchte ich noch, dass sie mal die Zusammensetzung der Behandlungszahl von 2002 und 2009 vergleichen sollen. 2009 dürfte der Anteil der Privatpatienten (privat Versicherte) deutlich höher sein als 2002. Jedenfalls wurde auf den enormen Rückgang von GKV Patienten vor ein paar Jahren in einer TK Studie hingewiesen. Wenn ich mich recht erinnere, war die Zahl der GKV Patienten auf die Hälfte geschrumpft. Einen höheren Anteil nahmen hingegen privat Versicherte ein, die von dem Gesetz ja auch nicht in dem Maße betroffen sind. Auch die IGES Studie von 2009 wies nach meiner Erinnerung auf diesen Sachverhalt hin.

    Davon abgesehen hatten wir bis 2002 einen Trend zu höheren Behandlungszahlen, der gewiss auch daraus resultierte, dass die Menschen in diesem Land immer aufgeklärter über ihre Möglichkeiten werden. Im Netz kann man sich gut informieren. Und wo man 1995 noch Berührungsängste hatte, traute man sich offenbar 2002 eher. Auch durch die höhere Zahl der Kinderwunschpraxen, also durch Angebote in der Nähe der betroffenen Patienten stieg die Zugangsmöglichkeit. Dieser Trend hätte sich bis heute fortgesetzt, wenn sicher auch nicht mit der Steigerung von 1995 auf 2002, so doch trotzdem mit einer gringen Steigerung wohl in dem Maße, wie es jetzt auch auf niedrigerem Niveau erfolgt ist.


    Geschrieben von Rebella am 29. November 2011 um 00:46
  2. ach schön – da redet wieder eine normalreproduziererin von kiwubehandlungen… der blinde von den farben…..

    ich würde übrigens einiges, wenn nicht sogar wertvolle körperteile, darauf verwetten, dass fr. schröder kinderwunschbehandlungen persönlich kennt.

    umso schöner, dass es erfolgreich war 🙂


    Geschrieben von greta am 29. November 2011 um 11:13
  3. „Zu viele offene Fragen“ ist ein äußerst oberflächliches Argument. Frau Bär ist immerhin stellvertretendes Mitglied im Gesundheitsausschuss und familienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion. Obendrein arbeitet sie auch noch als Mitglied im Beirat der Rhön-Klinikum AG. Da darf man wohl etwas detaillierte Argumente erwarten.

    @greta: Gibt es denn irgendwelche Anhaltspunkte dafür, dass sich Frau Schröder einer Kinderwunschbehandlung unterzogen hat? Frau Schröder hat im Februar 2010 geheiratet und im Juni 2011 ihr erstes Kind geboren. Da man davon ausgehen kann, dass eine Unionspolitikern erst nach der Hochzeit eine Schwangerschaft anstrebt, klingt das eher nach einer unproblematischen Empfängnis. Es sei denn, sie hätte schon vor der Heirat gewusst, dass sie auf Hilfe angewiesen ist …


    Geschrieben von Buntspecht am 29. November 2011 um 12:12
  4. Ich hab‘ noch mal genau geschaut, was Frau Bär gesagt hat und muss sagen, dass ich das sehr abgewogen finde:

    „Bonn (ots) – Die familienpolitische Sprecherin der
    CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dorothee Bär, fordert ein Gesamtkonzept
    zur Unterstützung ungewollt kinderloser Paare. Bär kritisierte
    gegenüber dem „Bonner General-Anzeiger“ (Dienstagausgabe)
    Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), die lediglich neue
    Zuschüsse zur künstlichen Befruchtung plane. Im Bundesetat 2012 sind
    dafür sieben Millionen Euro eingestellt, die bis zu einer Einigung in
    der Koalition aber gesperrt sind. Die gesetzlichen Krankenkassen
    übernehmen die Hälfte der Behandlungskosten und das auch nur bis zum
    dritten Versuch, den Rest tragen die Patienten.

    Bär (CSU) forderte, dass die Bundeszentrale für gesundheitliche
    Aufklärung Betroffene über die Risiken der künstlichen Befruchtung
    ausreichend informieren müsse. Ärzte berichteten ihr, dass die
    Aufklärung der Patientinnen heute reine „Alibiveranstaltungen“ seien.
    So müssten sie wissen, dass acht von zehn Frauen auch nach einer
    Kinderwunschbehandlung kinderlos blieben. Die betroffenen Paare
    müssten unbedingt psychologisch betreut und dürften nicht allein
    gelassen werden, sagte Bär.“

    Psychologische Relevanz ist sicher (neben den Finanzen, die sie ja unterstützt) ein relevanter Beitrag. Meine ich.


    Geschrieben von Fran_MUC am 29. November 2011 um 12:52
  5. @Fran_MUC: Die Aussage mit den acht von zehn Frauen ist und bleibt nachweislich falsch. Eine Kinderwunschbehandlung besteht ja nicht nur aus einem Behandlungszyklus, sondern aus mehreren. Nach Abschluss der Behandlung bleiben daher erheblich weniger als acht von zehn Frauen kinderlos.

    Mehr Aufklärung wäre sicherlich wünschenswert, aber Frau Bär sollte sich erstmal selbst aufklären lassen, bevor sie Fehlinformationen verbreitet.


    Geschrieben von Buntspecht am 29. November 2011 um 13:17
  6. @ Fran_MUC Soso, Sie haben nochmal genau geschaut. Das Interview mit der KNA? Nein Sie zitieren ein zweites Interview von ihr, auf das ich mich in dem Artikel nicht bezog, da es auch erst heute durch die Presse ging.

    Natürlich ist eine psychologische Unterstützung in manchen Fällen erwägenswert, es stellt sich jedoch die Frage, wer diese professionell durchführen soll. Psychologen gibt es dafür bei weitem nicht genug. Und es stellt sich die Frage, warum dies eine Voraussetzung sein soll für die Kostenübernahme?

    Die Kostenübernahme abzubügeln, weil es zu wenig psychologische Unterstützung gibt ist in etwa so sinnvoll wie eine Krebstherapie nicht zuzulassen, weil die Krebsvorsorge noch Schwächen hat. Diese Argumentationskette ich in höchstem Maße unlogisch. Reine Politikerlogik, es merkt leider nicht jeder. Verknüpfe eine Wahrheit, der sich jeder anschließen wird negativ mit einem Argument deines Opponenten und dieser steht argumentativ schnel im Regen, wenn er nicht aufpasst.


    Geschrieben von Elmar Breitbach am 29. November 2011 um 15:21
  7. Prozentrechnung… schwieriges Thema.
    1. Behauptung:
    2 von 10 Paaren bekommen ein Kind => 2 von 5 Frauen bzw. 4 von 10. (Lesbische Paare mal nicht mitgerechnet.)
    Erfolgsrate: 40 %

    Zweite Behauptung:
    9 von 10 Frauen unglücklich
    => 1 von 10 Frauen bekommt eine Kind.
    Erfolgsrate: 10 %

    Unterschied von der ersten zur zweiten Behauptung: -75 %

    Wie auch immer. egal.


    Geschrieben von Isving am 29. November 2011 um 15:40
  8. Argh, Streichkommentar. Ich war innerlich bei „10 Menschen die sich als Paar behandeln lassen“…

    nichts desto Trotz ist der Unterschied noch 50 % von der ersten zu rzweiten Aussage…


    Geschrieben von Isving am 29. November 2011 um 15:45
  9. eben…. 😉 Ist gestrichen… also innerlich.


    Geschrieben von Elmar Breitbach am 29. November 2011 um 15:55
  10. Ich denke über das Argument der psychologischen Begleitung nach.
    Unumstritten wäre sicherlich eine psychologische Begleitung im Kinderwunschprozess wünschenswert- was mein Mann und ich in einer großen Kinderwunschpraxis auch bereits einmal positiv in Anspruch nehmen konnten.
    Aber auch kinderlose Paare haben bei endgültig feststehender Kinderlosigkeit in ihrer Beziehung sicherlich genügend Bedarf an psychologischer Aufarbeitung.

    P.S. Apropos Statistik: Das beste Argument der Psychologin vor Durchführung einer anstehenden Kinderwunsch-Behandlung war übrigens folgendes:

    „Sehen Sie es so: Es klappt zu 50%! Entweder Sie werden schwanger oder nicht!“

    Das hat uns viel Druck rausgenommen, auch wenn es nicht den oben angeführten Statistiken entsprach.


    Geschrieben von Steinwachs am 29. November 2011 um 16:21
  11. Ich zieh nach Belgien…


    Geschrieben von grueneGurke am 29. November 2011 um 16:47
  12. Jetzt kenne ich dieses Forum auch 🙂

    gleich zum thema, was ich nicht verstehe: FrauSchröder selbst sagt ja auch, dass man beides braucht, bessere Zuzahlung und bessere Beratung:

    „Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) plant ein Gesamtkonzept für ungewollt kinderlose Paare. Nach den Plänen, die der Nachrichtenagentur dapd vorliegen, soll die vorgesehene finanzielle Unterstützung bei der künstlichen Befruchtung flankiert werden von einer Verbesserung der psychosozialen Beratung bei ungewollter Kinderlosigkeit.“ (gerade gegoogelt)

    Verstehe also nicht, was die Bär will… in die Schlagzeilen??? 🙂


    Geschrieben von Silberfisch am 29. November 2011 um 17:56
  13. wenn man die kiwubehandlung (teil-)bezahlt bekommt, hat man ja vielleicht auch noch geld für eine psychologische unterstützung übrig….


    Geschrieben von greta am 29. November 2011 um 19:04
  14. @ Silberfisch: Ich vermute mal, dass sie die künstliche Befruchtung generell nicht gutheißt. Frau Schröder hält jetzt mit einem „Sowohl als auch“ dagegen, also dem von Ihnen zitierten Gesamtkonzept. Mehr dazu hier. Ich hoffe nur, dass sie sich dabei nicht in unfinanzierbare Pläne verstrickt.


    Geschrieben von Elmar Breitbach am 29. November 2011 um 21:55
  15. […] « Dorothee Bär hat Bedenken […]


    Geschrieben von Kostenübernahme Zwischenstand II | Dies und das, Krankenkassen, Politik | Aktuelles zum Thema Kinderwunsch am 29. November 2011 um 22:20
  16. Die Idee, die psychologische Beratung mitzufördern, schwebte auch schon vor 10 Tagen durch die Mails der Abgeordneten, die alle die erhalten haben, die die Abgeordneten anschrieben. Ich finde das persönlich gut, wenn diese Beratung mitfinanziert wird. Für alle die, die sie sich wünschen. Manch einer verzichtet wohl auf die Beratung, weil sie zusätzlich noch Geld kostet.

    Die römisch-katholische Abgeordnete Bär wird vermutlich im Sinn haben, den Paaren durch Beratung die Kinderwunschbehandlung auszureden. Aber wer da in eine christliche Beratungsstelle geht, ist selbst schuld.


    Geschrieben von Rebella am 30. November 2011 um 00:15
  17. Ich finde es schon einmal bedenklich, so pauschal von Belastungen zu sprechen. Aus meiner eigenen Erfahrung ist es für die eine Frau leichter (sowohl in körperlicher als auch in seelischer Hinsicht – ebenso in finanzieller Hinsicht) und für die andere schwerer. Zudem ist die Belastung, kein Kind auf natürlichem Weg zu empfangen und (!) sich keine Behandlung leisten zu können, sicher das seelisch belastendste Szenario – das wäre doch mal ein klares Argument für eine bessere Zuzahlung.

    Oder was ist die Alternative? [ironie]Ergebt euch in euer Schicksal??? Bekommt einfach kein Kind und werdet dafür noch mit höheren Beiträge für die Sozialkassen bestraft. Das ist dann aber sicher ganz unbelastend, oder?[/ironie]


    Geschrieben von atonne am 30. November 2011 um 10:38
  18. ich fand auch die belastung durch die BEHANDLUNG an sich verschwindend gering.

    das einzige, was mich vor 7-8 jahren echt belastet hat, war, dass ich SELBER herausfinden musste, was mir fehlt, um erfolgreich zu sein.

    mein kiwuzentrum hat immer mitgemacht, aber damals war doch so einiges noch nicht wirklich standard (immu, gerinnung…)

    da sind einige jahre nutzlos verstrichen.

    dafür/dagegen hilft auch kein psycho, da helfen nur fähige ärzte oder fähige patienten…


    Geschrieben von greta am 30. November 2011 um 10:43
  19. Es gibt jedoch die Paare, die eine psychische Beratung suchen (hier in den Foren sehr in der Minderheit – wir sind hier aber auch schon eine Art Ersatz-Psychoberatung). Wer sowas braucht, sollte es auch bekommen, denke ich.

    Natürlich sollte es keine Zwangsberatung geben.


    Geschrieben von Rebella am 1. Dezember 2011 um 00:50
  20. „Bär verwies demgegenüber auf die «hohen Risiken» für Frau und Kind bei einer künstlichen Befruchtung.“

    Zu diesem Punkt hat Frau Bär sich jetzt konkretisiert. Sie bezieht sich auf eine Studie der Universität Arhus über die höhere Rate an Fehlgeburten nach künstlicher Befruchtung.


    Geschrieben von Rebella am 17. Dezember 2011 um 00:35
  21. Vielleicht mögen Sie, Herr Dr. Breitbach diese Studie kommentieren oder mit anderen Studien zum selben Thema vergleichen.

    „IVF and stillbirth: a prospective
    follow-up study“

    Human Reproduction, Vol.25, No.5 pp. 1312–1316, 2010
    Advanced Access publication on February 23, 2010 doi:10.1093/humrep/deq023


    Geschrieben von Rebella am 17. Dezember 2011 um 00:50
  22. So interessant diese dänischen empirischen Studien auch sind, sie haben immer den gleichen Fehler (hatten wir hier schon öfters): beweisen kann man damit wenig. Mehr als Hinweise können sie uns nicht geben.

    Es wurde in dieser Studie getrennt nach subfertil mit und ohne IVF/ICSI und fertilen Kontrollen. Und in der Gruppe derer mit IVF war die Zahl der Totgeburten höher. Problem: Die subfertile Kontrollgruppe ohne IVF musste immerhin so fertil sein, um ohne künstliche Befruchtung schwanger zu werden.

    Auch wenn man trennte nach subfertil mit und ohne künstliche Befruchtung, so können auch die Autoren die Zunahme an Totgeburten nicht durch die IVF erklären.

    „Our results indicate that the increased risk of stillbirth seen after fertility treatment is a result of the fertility treatment or unknown factors pertaining to couples who undergo IVF/ICSI.“

    Und damit sind wir dann da, wo wir oft sind. Ist es die künstliche Befruchtung oder sind es die Voraussetzungen seitens der Eltern, die den Schwangerschaftsverlauf negativ beeinflussen? Es lässt sich nicht trennen. Und nicht wenige andere Studien (kleinere Fallzahlen, dafür sauberer zusammengestellt) zeigen andere Ergebnisse


    Geschrieben von Elmar Breitbach am 17. Dezember 2011 um 01:50
  23. Danke! Können Sie diese anderen Studien benennen?

    Was mich auch interessiert, ist die Frage, ob in der Studie bei den subfertilen Paaren, die ohne medizinische Hilfe schwanger wurden, auch immer schon 2 Wochen nach der erwarteten Befruchtung ein Schwangerschaftstest gemacht wurde. Weil, falls das nicht so war, fallen ja in der Gruppe einige Fehlgeburten durch´s Raster. Wurde da auf gleiche Ausgangsbedingungen geachtet?


    Geschrieben von Rebella am 18. Dezember 2011 um 01:50
  24. wenn ich jetzt die Zeit hätte, das herauszusuchen, würde ich es tun. Jedoch…


    Geschrieben von Elmar Breitbach am 18. Dezember 2011 um 14:07
  25. Vielleicht finden Sie ja noch die Zeit, bevor das Thema im nächsten Jahr im Bundestag behandelt wird. Ich glaube nicht, dass das jetzt noch in den Weihnachtsferien passieren wird.

    Frau Bär hat sich per Mail als kommunikationsbereit gezeigt. Das ist eine gute Möglichkeit für uns, unsere Sichtweise zu ihren Bedenken zu äußern und zumindest damit auch zur Kenntnis genommen zu werden. Ich kann jedoch auf den Einwand mit der Fehlgeburtenrate nur dann so reagieren, dass ich vielleicht auch ernst genommen werde, wenn ich das nötige Hintergrundwissen habe.

    Zunächst kann ich dazu nur sagen, dass die Kinderwunschpatienten über die Fehlgeburtenrate aufgeklärt werden sollten und dass es in ihrem eigenen Ermessen liegen sollte, ob sie diese in Kauf nehmen oder nicht.


    Geschrieben von Rebella am 18. Dezember 2011 um 23:06
  26. Es geht in der Studie nicht um Fehlgeburten, sondern um Totgeburten.


    Geschrieben von Elmar Breitbach am 18. Dezember 2011 um 23:49
  27. Sorry, Totgeburten. Ich hatte das von Frau Bär übernommen, die den wirklich hohen Grad von Fehlgeburten, der aus der Studie herauszulesen sei, kritisiert hat.

    Ich habe gerade die DIR-Statistiken ab 2001 durchgesehen, da ab 2001 auch die Totgeburten mit aufgenommen wurden. Die Werte dort schwanken in den Jahren zwischen 5/1.000 und 12/1.000 und liegen meist zwischen 7/1.000 und 9/1.000.

    Der Vergleichswert ohne IVF liegt bei gut 2 Totgeburten von 1.000 geborenen Kindern. Zumindest ein Teil dieser erhöhten Totgeburtenzahl sollte doch aber mit den Mehrlingsschwangerschaften und der davon abgeleiteten Frühgeburtlichkeit zusammenhängen. Wie wurde das in der o.G. Studie mit einbezogen?


    Geschrieben von Rebella am 20. Dezember 2011 um 00:52
  28. Es wurden nur Einlingsschwangerschaften aufgenommen. Ich kenne auch nicht mehr als den Abstract http://humrep.oxfordjournals.org/content/25/5/1312.short


    Geschrieben von Elmar Breitbach am 20. Dezember 2011 um 16:20
  29. Danke! Der Text, den Frau Bär mir geschickt hat, ist 4 Seiten lang. Und sorry, jetzt sehe ich das mit den Einlingsschwangerschaften auch. Habe ich überlesen, da mein Englisch nicht so gut ist.

    Mir fällt jedoch jetzt auf, dass die Stichprobe sehr gering war. Zwar wurden gut 20.000 Einlingsschwangerschaften beobachtet, davon waren aber nur 742 IVF Schwangerschaften, 879 Non-IVF-Art und 2.020 Subfertile. Von den 742 IVF Schwangerschaften gab es 12 Totgeburten, was ca. 16 von Tausend entspricht.

    Diese Zahl dann zu zementieren, ist sicher nicht sinnvoll. Auch unter Betracht der Ergebnisse des IVF Register, die wie gesten von mir ermittelt in den Jahrgängen zwischen 5 und 12 von Hundert schwanken, das bei einer Zahl von jeweils fast oder auch über 10.000 Geburten (einschließlich Mehrlingsgeburten).

    Was auffällt, ist auch eine Altersverschiebung, 5% bei den Fertilen und 32% bei den IVF-Müttern über 35. Eine Differenzierung der Ergebnisse nach dem Alter der Mutter kann ich nicht erkennen.


    Geschrieben von Rebella am 20. Dezember 2011 um 23:38
  30. Ich meinte oben „zwischen 5 und 12 von Tausend“ und nicht „von Hundert“.


    Geschrieben von Rebella am 20. Dezember 2011 um 23:39

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