Chancen bei IVF steigen bei Kostenübernahme durch Versicherung

Wer sich die Behandlung vom Munde absparen muss, hört oft zu früh auf

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Die Wahrscheinlichkeit für die Geburt eines Kindes nach IVF steigt signifikant, wenn die Kosten von einer Krankenversicherung getragen werden. Laut einer aktuellen Studie der Washington University School of Medicine in St. Louis besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen Kostenübernahme und Therapieerfolg.

Die Hauptautorin der Studie –  Emily S. Jungheim –
findet die Ergebnisse ihrer Untersuchung selbst ziemlich „einfach und möglicherweise offensichtlich„. Dennoch ist es nun erstmals im Rahmen einer Studie1)In Vitro Fertilization Insurance Coverage and Chances of a Live Birth
Emily S. Jungheim, Man Yee (Mallory) Leung, George A. Macones, Randall R. Odem, Lisa M. Pollack, Barton H. Hamilton
JAMA. 2017;317(12):1273-1275. doi:10.1001/jama.2017.0727
untersucht und nachgewiesen worden.“Die größte Hürde ist möglicherweise nicht die Behandlung, sondern die finanzielle Belastung“, sagt Jungheim.

In den USA ist die finanzielle Belastung höher als in Deutschland

In den USA gibt es in vielen Bundesländern keine Kostenübernahme für eine künstliche Befruchtung, während dies in Deutschland deutlich besser geregelt ist, zumindest wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Aber auch als Selbstzahler bleibt man in Deutschland doch meist im 4-stelligen Bereich, während in den USA pro Behandlungszyklus schnell mal 12.000 bis 17.000 Dollar aufgerufen werden (Schätzung der American Pregnancy Association).

Aber auch in Deutschland und außerhalb der USA haben Kosten einen meist negativen Einfluss auf die Erfolgsraten. So sind zum Beispiel Mehrlinge häufiger, wenn die Kostenübernahme fehlt oder gering ist.

Vergleich bei über 1500 Paaren

In den Jahren 2001 bis 2010 wurden in der Washington Universität 1.572 Paare behandelt, deren Daten in die Studie einflossen. Die Universität heißt zwar „Washington“, liegt aber an der Grenze zwischen Missouri und Illinois. In Missouri werden die Kosten nicht übernommen, in Illinois hingegen erfolgt die Kostenübernahme der IVF durch die Versicherungen.

Bei 875 Frauen wurde die Behandlung bezahlt, 697 (44%) mussten die Kosten selbst tragen. Nach bis zu vier Behandlungszyklen hatten 51% der Frauen mit selbst bezahlter IVF ein Kind, während die komfortabel versicherten Paare in 59% der Fälle Eltern wurden.

Kostenübernahme lässt mehr Behandlungen zu

Die beiden Patientengruppen unterschieden sich hinsichtlich ihrer medizinischen Voraussetzungen nicht, so dass der signifikante Unterschied der Lebendgeburtenrate nur darauf zurückzuführen ist, dass die versicherten Patienten mehr Behandlungszyklen durchführen konnten.

Auch, wenn in Deutschland die Kostenübernahme besser geregelt ist, bleiben auch hierzulande viele Paare ohne Versicherungsschutz, weil sie zu alt, unverheiratet oder nicht innerhalb von drei Behandlungszyklen schwanger geworden sind.

Die Wahrscheinlichkeit für mehr gesunde Einlingsschwangerschaften nach IVF steigen mit einer besseren finanziellen Unterstützung. Und auch in Deutschland gibt es dahingehend weiterhin Handlungsbedarf.


Literatur   [ + ]

1. In Vitro Fertilization Insurance Coverage and Chances of a Live Birth
Emily S. Jungheim, Man Yee (Mallory) Leung, George A. Macones, Randall R. Odem, Lisa M. Pollack, Barton H. Hamilton
JAMA. 2017;317(12):1273-1275. doi:10.1001/jama.2017.0727

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Kommentar

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7 Kommentare

  1. Libby1234 schreibt

    Ist denn bekannt, wie viele Behandlungszyklen die Selbstzahler absolviert haben? Im Text steht nur etwas von einer Lebendgeburtrate „nach bis zu vier Behandlungszyklen“.

    Wenn die Selbstzahler tatsächlich signifikant weniger als vier Behandlungszyklen hatten und weniger als die Patienten mit Kostenübernahme, ist die Kostenübernahme nur ein indirekter Einflussfaktor. Den tatsächlichen Einfluss macht dann die Anzahl der Behandlungen aus. Dieses Ergebnis scheint mir (im Einklang mit der eingangs zitierten Aussage der Studienautorin) ziemlich trivial…

  2. Rebella schreibt

    Das würde mich auch interessieren. Haben alle Frauen, die noch keinen Erfolg hatten, jeweils auch den nächsten Versuch (bis zum 4.) unternommen? Oder resultiert die geringere Erfolgsrate bei den Selbstzahlern gerade daraus, dass sie nach dem 1., 2. oder 3. erfolglosen Versuch aufgegeben haben?

  3. Elmar Breitbach schreibt

    Es war eine retrospektive Analyse. Aber der Hauptgrund für das Ausbleiben einer Schwangerschaft war der signifikant geringere Anteil an Folgezyklen bei den Selbstzahlern

  4. Ivonne Hartmann schreibt

    Ohne die Kostenübernahme unserer Krankenkasse hätte es unsere Kleine vielleicht nie gegeben….es sollte wieder eingeführt werden….wir brauchen den Nachwuchs….es belastet ein Paar doch noch viel mehr wenn man die hohen Rechnungen zugeschickt bekommt und das kann man in dieser Zeit so überhaupt nicht gebrauchen.

  5. Miri Jam schreibt

    Ja das belastet sehr……zusätzlich zu allem anderen…….

  6. Katja Tietz schreibt

    Ja, aber leider wird es nie so sein,dass die Kosten für HI= insemination mit Spendersamen, von der KK übernommen werden. Das ist schade, deshalb wird es für unseren Kleinen(durch HI entstanden) nie ein Geschwisterchen geben.

  7. Tanja Ohse schreibt

    Was nutzt es, wenn man über 40 ist????