Kinderwunsch-Tage Berlin in der Süddeutschen Zeitung

2

Wir haben hier ja kürzlich bereits über die Kinderwunsch-Tage in Berlin berichtet. Grundsätzlich ging es in dem Artikel auch um die Frage, inwieweit solche Veranstaltungen für Patienten hilfreich sein können, trotz ihres kommerziellen Hintergrunds.

Die prinzipielle Ablehnung der Veranstaltung, weil dort für Behandlungsmethoden geworben wird, die in Deutschland überhaupt nicht erlaubt sind, halte ich ebenfalls nicht für zielführend. Sieht man sich aber die Aussteller und Vortragenden an, dann stellt sich schon die Frage, ob es hier um weitestgehend objektive Informationen über bestimmte Themen gehen kann, wenn die Aussteller und Vortragenden doch – bis auf einige Ausnahmen – vor allem etwas verkaufen möchten. Dabei ist es aus meiner Sicht unerheblich, ob diese Dienstleistungen nun im In- oder Ausland angeboten werden.

Es gibt auch Gründe für die Kinderwunsch-Tage

Bisher veröffentlichte Artikel zum Thema Kinderwunsch-Tage stützten sich im Wesentlichen auf die Aussage des Frauenärzteverbands Berlin: „Das ist eine Werbeveranstaltung, von der gerade für Patienten keine sachlichen Informationen zu erwarten sind„. Ein Artikel der Süddeutschen Zeitung ist da etwas differenzierter und verweist auf die die Möglichkeit zum Austausch über das Thema unerfüllter Kinderwunsch und natürlich auch zur Information. Man zitiert die Geschäftsführerin des Bundesverbands Reproduktionsmedizinischer Zentren (BRZ), welche das Dilemma recht gut widerspiegelt:

Ihrem Verband sei die Entscheidung schwergefallen, ob man an der Messe teilnehmen wolle; F2F hatte einen kostenlosen Stand angeboten. Einerseits sei es gut, über das Thema zu reden. Am Ende aber, sagt sie, „haben wir die Reißleine gezogen“. Zu groß sei die Sorge gewesen, „hier als eine Art Zugpferd benutzt zu werden“. Vor allem die Überzahl ausländischer Reproduktionsmediziner sei problematisch. „Da wird es keine reine Information mehr geben, das wird auf Werbung hinauslaufen“, befürchtet Uszkoreit.

Mir ging das ähnlich und die Entscheidung war die Gleiche. Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, ich schreibe nur Pressemitteilungen um: Ich war beim Start-Up-Treffen in Berlin dabei („Steering group“ nennt sich so etwas heute). Allerdings fand ich mich persönlich als jemand, der Kinderwunsch-Informationen schon seit fast 2 Jahrzehnten an Laien vermittelt, in dem Konzept der Messe nicht wieder.

Chance verpasst?

Weniger wegen der zahlreichen Anbieter aus dem Ausland, das finde ich, wie gesagt, nicht so problematisch. Irgendwoher muss das Geld ja kommen für eine solche Messe. Nein, es fehlte jegliches Konzept über die Informationen, die dort vermittelt werden sollten. Und man konnte leider auch nicht den Eindruck gewinnen, dass dies im Vordergrund stehen würde.

Eine solide Vortragsreihe, die wesentliche Aspekte dessen behandelt, was Kinderwunschpaare interessiert als Kern der „Kinderwunsch-Tage“ wäre wünschenswert gewesen. Und zwar orientiert an dem, was diese Paare interessant finden könnten. Das hätte man natürlich mit „Werbeblöcken“ durchsetzen können, also Vorträgen, die vor allem dazu dienen, die Angebote bestimmter Aussteller zu promoten.

Es steht zu hoffen, dass ich das falsch einschätze und/oder die Veranstalter daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.

Den kompletten Artikel der Süddeutschen Zeitung finden Sie hier

 


Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

2 Kommentare

  1. Jane schreibt

    Natürlich geht es um mehr als Informationen bei den Kinderwunsch-Tagen, nämlich um einen Eindruck von den Kliniken zu bekommen, die die Paare sonst aufwendig eh aufsuchen würden und zwar in der Regel mehrere. Hier gehen doch nicht Paare hin, die einfach und problemlos schwanger werden sondern die bereits einen harten Weg hinter sich haben und Alternativen suchen oder Frauenpaare, die sich im Vorfeld nun mal gut informieren.
    Es sind aber auch Aussteller dabei, die über alternative KiWu Behandlungen informieren oder Vereine, die über das Thema Samenspende sprechen. Breit gefächert nenne ich das und alles an einem Ort!
    Und „Werbung“ machen übrigens alle KiWu Kliniken, nicht nur auf dieser Informationsveranstaltung. Alle stellen sich als die Experten vor mit der besten Schwangerschaftsquote…..

  2. Dr. David Peet schreibt

    Hallo,
    ich war mit meiner Klinik, bei den Kinderwunsch-tagen- Berlin vertreten. Auch die Berliner Samenbank war dort, erfreulicherweise auch 2 weitere deutsche Banken.
    Die Veranstaltung wurde im Vorfeld durch die Presse scharf kritisiert, so dass mehrere Zentren ihre Teilnahme zurückgezogen haben.
    Wir können das nur bedauern, denn das Informationsbedürfnis gerade für Behandlungsmethoden, die auch in Deutschland üblich und zulässig sind, war riesig. Als einziges deutschsprachiges Zentrum hatten wir alle Hände voll zu tun, um die vielen Fragen zu beantworten und über die Arbeit in einer Kinderwunschpraxis zu informieren. Paare aus dem gesamten Bundesgebiet waren angereist, um mit Spezialisten zu sprechen und den vielen Fachvorträgen zuzuhören. Das große Interesse zeigte sich daran, dass immer wieder weitere Stuhlreien hereingebracht werden mußten. Und trotzdem saßen einige Besucher auf dem Boden. Ja, es waren einige Werbeauftriite dabei, aber auch eine interessanter Vorträge. Meinen Vortrag über die Diagnostik bei Einnistungsversagen hielt ich deshalb sogar zweimal!
    Die Werbung für, in Deutschland illegale Verfahren, war nur ein Teilaspekt der Messe. Wir hätten uns jedoch gewünscht, gemeinsam mit anderen Berliner Zentren die wissenschaftlich hochkarätige und erfolgreiche deutsche Reproduktionsmedizin präsentieren zu können.
    Peet