Deutscher Ethikrat regt gesetzliche Regelung der Embryonenspende an

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Es ist ein auch hier bereits häufiger diskutiertes Problem: Was soll mit eingefrorenen Eizellen und Embryonen passieren, die von ihren Erzeugern nicht mehr verwendet werden können? Sei es aus medizinischen Gründen oder weil der Kinderwunsch inzwischen erfüllt ist. Vor knapp einem Jahr berichteten wir bereits darüber.

Für viele Paare ergibt sich daraus ein moralisches Dilemma, denn für sie stellt schon die befruchtete Eizelle Leben dar. Sie können aber auch die befruchtete Eizelle freigeben und einem anderen Paar mit Kinderwunsch spenden. Umfragen in den USA zeigten vor einigen Jahren zumindest bei der Hälfte der Betroffenen die Bereitschaft, ihre Eizellen zu spenden.

Diese Option fördert in Deutschland das „Netzwerk Embryonenspende„, ein Zusammenschluss vorwiegend süddeutscher IVF-Zentren.

Foto von AMagill
Snowflake-Kids werden Kinder, die durch Embryonenspende entstanden sind, in dewn USA genannt.

Zweck des Vereins ist die Förderung der Vermittlung von zur Spende freigegebener befruchteter Eizellen bzw. Embryonen an ungewollt kinderlose Paare, die medizinisch und biologisch nicht in der Lage sind, auf natürliche oder reproduktionsmedizinische Art Kinder zu zeugen.

erklärt das Netzwerk auf seiner Homepage.

Ist das erlaubt?

Nein, erlaubt ist es nicht. Aber auch nicht verboten und das ist das Entscheidende. Verboten ist nur explizit die Eizellenspende.

Das Verbot der Eizellspende richtet sich also nur auf die Instrumentalisierung einer anderen Frau, um unbefruchtete Eizellen zu erhalten, die dann mit dem Samen des Mannes der Empfängerin der Spende befruchtet werden. führt die Rechtsprofessorin Monika Frommel in ihrem zuletzt 2014 aktualisierten Gutachten aus:

Embryonen und 2-PN-Zellen können also frei gegeben und nach dem Entstehen transferierbarer Embryonen gespendet werden, wenn das Spenderpaar und die Empfängerin damit einverstanden sind. Rechtsprobleme ergeben sich nicht wegen des ESchG, sondern nur nach dem BGB und dem GewebeTransplantationsG, da dieses festlegt, dass eine solche Spende unentgeltlich zu erfolgen hat. Aber diese Aspekte berühren das Ergebnis dieser Auslegung nicht, sondern müssen bei der Beratung der Patientinnen bedacht werden.

Festzuhalten ist aber auch hier, dass der Arzt/die Ärztin ihre Pflicht zur Aufklärung erfüllt hat, wenn er oder sie die Paare bzw. das Spenderpaar und die Patientin auf die den Personenstand des Kindes betreffenden rechtlichen Fragen hinweist und damit auch auf eine ggf. nötige juristische/notarielle Beratung, die ein Arzt/eine Ärztin nun einmal nicht leisten kann und auch nicht soll.

Ethikrat sieht rechtlichen Handlungsbedarf

Unschwer lässt sich erkennen, dass die Gesetzeslage unklar und schwammig ist. Dies hat den deutschen Ethikrat dazu veranlasst, ein Gutachten dazu zu erstellen, in dem die in Süddeutschland gelebte Praxis nicht abgelehnt wird, jedoch Regulierungsbedarf angemeldet wird. Die Hauptforderungen sind:

  • eine präzise gesetzliche Festlegung der Elternschaft und der Rechte und Pflichten der Beteiligten
  • die Zulassung von Embryospenden oder Embryoadoptionen nur im Rahmen eines zu schaffenden, staatlich geregelten Verfahrens
  • eine Regelung der Rechte des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung
  • eine genauere Auslegung der sogenannten Dreierregel, nach der höchstens drei Embryonen erzeugt werden dürfen und nicht mehr als der Frau übertragen werden sollen.

Kleine Zwischenbemerkung: Punkt 1 täte auch der Samenspende gut, da hängt gegenwärtig ebenfalls noch vieles in der Luft.

Beschränkung auf „überzählige“ Embryonen

Die Beschränkung auf Ausnahmefälle wird vom Ethikrat verlangt, da eine ungeregelte Freigabe neue Grauzonen entstehen ließe, in der dann auch die Leihmutterschaft möglich wäre.

Konkret fordert der Ethikrat, dass „nur überzählige Embryonen gespendet werden dürfen, die für die fortpflanzungsmedizinische Behandlung des Paares, für das sie erzeugt wurden, endgültig nicht mehr verwendet werden können“. Damit soll eine absichtliche Überproduktion von Embryonen vermieden werden. Sie sollen auch weiterhin ausschließlich zu dem Zweck erzeugt werden, dass die genetischen Eltern ein Kind bekommen. Nur wenn dabei Embryonen unbeabsichtigt übrig bleiben, dürfen sie weitergegeben werden. „Jegliche Kommerzialisierung der Embryospende ist zu vermeiden.“

Härtere Regelungen? Uneinigkeit im Rat

Der Ethikrat war sich uneins darüber, wie man am besten die Schaffung überzähliger Embryonen vermeiden kann. 14 Mitglieder des Rates votierten für härtere Regelungen als den gegenwärtigen, die auch den „deutschen Mittelweg“ verbieten würden. Diese Fraktion rät dazu, dass nur drei Embryonen pro Zyklus entstehen dürfen, letztlich also auch nur drei Eizellen befruchtet werden. Damit hätten wir italienische Verhältnisse in Deutschland, was nicht wirklich jemand verlangen kann, der das Wohl der Paare – neben dem der Embryonen – im Sinne hat, da die Erfolgsraten deutlich sinken würden. Drei Ratsmitglieder versteigen sich zu der obskuren Formulierung „Vorkehrungen dagegen zu treffen, dass ständig neue rettungsbedürftige Embryonen entstehen“. Anderenfalls etabliere die Reproduktionsmedizin ein „tendenziell unbegrenztes Geschäftsmodell“, das in der Lage ist, Nachschub an „überzähligen“ Embryonen jederzeit selbst zu liefern, argumentieren die Ratsmitglieder Thomas Heinemann, Anton Losinger und Eberhard Schockenhoff (alle drei der katholischen Kirche zuzuordnen, wie katholisch.de berichtet.

Wer kann Embryonen bekommen?

Auch hier herrschte Uneinigkeit: Einige Mitglieder äußerten die Auffassung, eine Heirat sei Voraussetzung, andere sahen dies ebenso, beziehen aber auch eine gesetzlich geregelte Partnerschaft bei lesbischen Paaren mit ein. Eine Minderheit sieht auch kein Problem, wenn alleinstehende Frauen eine Embryonenspende erhalten können.

Zusammenfassend kann man sagen, dass – aus welcher Motivation heraus auch immer (Stichwort „Embryonenrettung“) – im wesentlichen Einigkeit darüber besteht, die Embryonenspende nicht zu verbieten, sondern nur zu regeln. Zu hoffen bleibt, dass diese Regelung nicht zu einer Verschärfung des Embryonenschutzgesetzes führt. Und wenn man schon mal dabei ist, wäre ein Fortpflanzungsmedizingesetz wünschenswert, welches sich auch aktuell völlig ungeregelter Themen wie der Spermienspende annehmen würde.

Foto von AMagill


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Kommentar

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1 Kommentar

  1. Rebella schreibt

    Ich habe die Stellungnahme inzwischen bis Seite 100 gelesen (also noch nicht ganz durch) und kann sagen, dass das ein sehr schönes differenziertes Papier ist. Ich kann allen einigermaßen am Thema Interessierten nur raten, das mal zu lesen.

    Insgesamt freue ich mich sehr darüber, dass es dieses Papier nun gibt. Allerdings hoffe ich ebenfalls, dass der Deutsche Mittelweg weiterhin beschritten werden kann und dass auch PN-Stadien gespendet werden dürfen.