Bischof Gebhard Fürst läuft Amok


Die Deutsche Bischofskonferenz hat einen Bioethikexperten. Was sicherlich gut und notwendig ist. Und dieser Experte – Bischof Gebhard Fürst – hat sich das Thema künstliche Befruchtung vorgenommen und kommt zu dem Schluss, dass alle daran Beteiligten auf dem direkten Weg ins Fegefeuer sind, denn..

…«Das ist der Sündenfall», sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart in einem Interview des Medizinethischen Informationsdienstes «MED kompakt». […] bei der künstlichen Befruchtung würden überzählige Embryonen erzeugt und anschließend konserviert oder gegen alle gesetzlichen Bestimmungen und trotz aller Beteuerungen auch vernichtet.

Kinderlose sind auf dem Weg in die ewige Verdammnis

Wohlgemerkt: Wir machen uns nicht nur des Mordes schuldig: «Die Zerstörung embryonaler Menschen wird von vornherein systematisch in Kauf genommen», teilt der Bischof mit, sondern auch der Lüge, da wir beteuern, was so offenbar nicht stimmt. Sagt der Bischof.

Leider habe ich das Interview nicht im Original lesen können, die zitierenden Quellen (hier und hier) geben jedoch keinen Hinweis darauf, dass diese Unterstellung faktisch unterlegt worden wäre.

Von welchem Land redet der Bischof hier eigentlich?

Der Bezug zu der Realität in Deutschland geht im vollends verloren, wenn er behauptet…

…mit Hilfe der künstlichen Befruchtung würden auf technischem Wege für kinderlose Erwachsene Kinder produziert. Er frage sich, «was wir uns als Menschen letztlich antun, wenn der wunderbare Zusammenhang von Zeugung und Weitergabe neuen Lebens auf einen technischen Prozess reduziert wird, wenn Retortenbabys im Extremfall bis zu fünf Elternteile haben können».

Stigmatisierung Kinderloser ist das Ziel

Ein Satz, der an die kinderreiche katholische Gemeinde gerichtet, sicherlich auf zustimmendes Kopfnicken stößt ob der Barbarei in deutschen Kinderwunsch-Kliniken. Dass dieses Szenario in der Theorie zwar möglich, praktisch aber bisher weltweit noch nicht umgesetzt wurde (entkernte Eizelle, Zellkerntransfer, Spenderspermien, Leihmutter) und in Deutschland ohnehin verboten wäre, stört ihn dabei nicht. Denn es geht ihm nicht um Fakten bei seiner Argumentation, sondern lediglich darum, die Reproduktionsmedizin und denen, die sie in Anspruch nehmen, zu stigmatisieren. Als Mörder und Lügner.

Aber es gibt auch Alternativen

Der Hirte zeigt seiner Herde jedoch auch alternative Wege auf: Er schlägt vor, stattdessen das Adoptionsrecht in Deutschland zu reformieren, um lebenden Kindern zu Eltern zu verhelfen.

Jeder, der sich mit Adoption und Kindes-Pflegschaften beschäftigt, wird bei einem solchen Vorschlag ebenfalls nur resignierend aufstöhnen können. Eine Adoption ist keine Alternative zur Kinderwunschbehandlung. Und zwar aus Sicht des adoptierten Kindes. Völlig abgesehen davon ist die Zahl der Kinder, die in Deutschland zur Adoption freigegeben werden verschwindend gering gegenüber der Zahl der adoptionswiligen Paare.

Was ist Ethik?

Die Definition:

Ethik beschäftigt sich mit den Grundlagen menschlicher Lebensführung und will eine Theorie dazu liefern.
Sie beschäftigt sich mit der Beschreibung, Begründung, Kritik und Bewertung von Normen und Werten.
Sie versucht Antworten auf die Fragen: Was ist gut, was ist böse? Was sollen, dürfen, müssen wir tun? Was ist sittlich gerechtfertigt, was ist problematisch, was ist verboten ? Wie frei sind wir in unserer Entscheidung bzw. was beeinflusst sie ? In welcher Weise sind wir für unser Handeln verantwortlich ?

Es stellt sich die Frage, ob ethische Grundsätze nicht auch für den Umgang mit Andersdenkenden gelten sollten. Ob ungerechtfertigte und unbelegte Vorwürfe so in eine Diskussion eingebracht werden dürfen, die von kirchlicher Seite offenbar gar nicht gewünscht ist.

Unbelegte Behauptungen, Verdrehung von Fakten, Versuch der Ausgrenzung, Kriminalisierung und Stigmatisierung Andersdenkender. Das ist populistischer BILD-Zeitungsstil. Und niemand wird behaupten wollen, dass diese Zeitung ein Vorbild für Diskussionsbeiträge in ethischen Debatten sein sollte. Einige religiöse Führer sehen dies offenbar anders.

Die Homepage seiner Diözese und Kontaktmöglichkeit

Update: Was passiert, wenn man einen Bischof auffordert, sich aus Familien- und Sozialpolitik herauszuhalten und dies mit den Worten „Halten Sie sich da raus, fangen Sie doch erst einmal damit an, Kinder zu zeugen“ ist hier nachzulesen. Ich kann mir vermutlich langsam Sorgen machen.

Bild: © Sodawo / PIXELIO


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Kommentar

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51 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Rebella,erstens geht es hier nicht um Fruchtbarkeit und Kiwu.
    Viele haben es so verstanden.
    Zweitens, so viel ich weiß werden bestimmte Fälle von Krankheiten auch stadtesamtlich nicht getraut oder sogar geschieden. Zu mindest in manche Länder.
    Es gibt einfach Regeln überall.
    Das Problem ist schwer. Es kommt auch auf die Diagnose. Manche können etwas noch tun, und sogar Kinder mit Hilfe KB erzeugen, manche aber nichts.
    Die Kirche dafür nieder zu machen ist nicht in Ordnung.
    Das Problem wurde schon im Kiwu-Forum besprochen.
    http://www.wunschkinder.net/forum/read/1/3887854/3890482/rpage=#msg-3890482
    Es ist auch eine Frage um den zukünftigen Glück der Eheleute.
    Einer des Partners zwingt den anderen zum Aufegeben normaler Wünsche und es besteht die Gefahr des Seitenssprungs, oder einer Dreisamkeit in der Ehe.
    Und es ist auch das Problem (das mir auch nicht gefällt), dass die CK keine Scheidung anerkennt.
    Und wenn ich denke was viele Leute so nicht dürfen, auch amtlich, wegen Krankheiten, oder andere Zuständen, dann hat man viel noch zu debatieren.
    Diskriminierung ist sehr breit.
    In diesen bestimmten Fall kann ich nicht sagen wie es richtig ist, ohne die Details zu kennen und die Meinungen der Eheleute.