Elterngeld als Geschäftsmodell

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Nachdem nun Frau von der Leyen feststellen musste, dass die Geburtenrate im letzten Jahr nicht wie erhofft angestiegen ist, muss sie sich nun auch Gedanken darüber machen, ob das Elterngeld der richtige Weg ist. Fairerweise sollte man anmerken, dass diese als „Herdprämie“ verballhornte finanzielle Unterstützung nicht auf ihrem Mist gewachsen ist, sondern ein Projekt der CSU war, der die Förderung von Krippenplätzen alleine nicht reichte.

Einem Artikel auf FAZ.net ist nun zu entnehmen, dass sich durch diese Maßnahmen die Geburtenrate vor allem bei den unteren Einkommensschichten erhöht, während Akademikerinnen (die eigentliche Zielgruppe) weiterhin keine Kinder bekommen:

Von den ersten 750.000 Babys, die bis Mitte 2008 Ansprüche auf das Geld vom Staat einbringen, stammen nicht einmal fünf Prozent von hochqualifizierten Frauen in guten Jobs. Ein verheerendes Ergebnis; denn gerade ihnen sollte mit dem 2007 eingeführten Elterngeld doch schmackhaft gemacht werden, nicht nur ein erstes, sondern am besten noch das demographisch so schmerzlich vermisste zweite Kind zu bekommen.

Ganz anders wirkte der Geldsegen der Ursula von der Leyen in den unteren Gesellschaftsschichten. Hier hilft es den Frauen, ihre Kinderwünsche umzusetzen. Es ist sogar ein Anreiz. Mehr als jedes zweite Baby wird in Deutschland in Familien geboren, in denen Geld knapp ist. Der Grund dafür ist einfach: Kindergeld, die 300 Euro Elterngeld, dazu vielleicht noch der Geschwisterzuschlag – die Hilfen des Staates erhöhen hier spürbar das Familieneinkommen. Kinder werden – gar nicht unbedingt bewusst – zum Geschäftsmodell.

Sicher eine problematische Erkenntnis. Und vermutlich auch sehr arrogant, wenn man das als Missstand ansieht, den es zu beheben gilt. Denn warum sollten sozial schwächere Gesellschaftsschichten nicht zum Kinderreichtum beitragen. Jedoch muss man sich weiterhin die Frage stellen, wie man speziell Akademikerinnen die Kombination von Beruf und Kind vereinfachen kann. Mit dem Elterngeld scheint es zumindest nicht möglich zu sein.

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Kommentar

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18 Kommentare

  1. m*g*ms schreibt

    Vielleicht, weil wir Akademikerinnen einfach länger lernen und verhüten müssen(ohne Abschluß wären wir ja keine), danach wollen die meisten ja erst mal das Geld verdienen, welches sie im Studium aufnehmen mußten(nicht alle, aber z.Bsp. ich;-)) und sogar zurückzahlen und dann muß man auch noch Zeit haben neben einem Job, der meist mehr als 40Std. in Anspruch nimmt! für die Suche des richtigen Partners usw…

  2. Kira29 schreibt

    Das Elterngeld ist schon ne feine Sache, doch brauchte ich es wahrlich – so wie wohl die meisten hier – nicht als Anreiz für unser erstes Kind! Und für ein mögliches Zweites auch nicht! Doch wenn es gerade Akademikerinnen ein zweites Kind schmackhaft machen soll, dann hapert das Modell doch. Ich bekomme keinen Krippenplatz, weil es schlichtweg viel zu wenige gibt, also arbeite ich nach der Elternzeit nur wenige Stunden in meinem Job oder gar nicht und bekomme gerade beim zweiten Kind dann vielleicht nur den Minimalsatz. Das kann doch kein Anreiz sein. Höchstens dann, wenn sich beim Zweiten der Mann entscheidet, Elternzeit zu nehmen. Dann lohnt es sich finanziell. Gedanken muss man sich ja über´s fnazielle durchaus machen, aber wie gesagt, auch für das zweite kommt der Anreiz für mich zum Glück aus dem Herzen!

    Kira

  3. Viktoria1 schreibt

    Wenn ich sowas lese, kommen mir die Tränen. Mein (akademischer)Job lässt sich mit Kindern vereinbaren (berufliche Karriere allerdings nicht). Krippenplatz- hier kein Problem. Und dank ICSI und dem lieben Gott haben wir ein wundervolles Kind. Die ICSIS für Nummer 2 klappen aber nicht, da hilft kein Elterngeld der Welt. Aus meiner Sicht ist das Elterngeld komplett überflüssig (der Anreiz für ein Kind sollte in der Tat aus dem Herzen kommen). Das Geld hätte man lieber zur Unterstützung ungewollt kinderloser Paare verwenden sollen.

  4. Donza schreibt

    Ja, ich warte auch noch auf die tolle Krippenreform, 2011 sollen ja angeblich ALLE Kinder unter 3 einen Anspruch auf Betreuung haben, ich lach mich tot.

    Dass das Elterngeld ein Anreiz für Akademikerinnnen ist, Kinder zu bekommen, hat ja nun wirklich niemand ernsthaft geglaubt, oder?

    Ich hab’s gerne bezogen, aber die Entscheidung zum Kinderwunsch hatte damit ja nun so gar nichts zu tun.

  5. Maggie1978 schreibt

    Es wundert mich aber schon, dass einkkommensschwache Familien das Elterngeld als Anreiz sehen sollen noch mehr Kinder in die Welt zu setzen. Zumal sie vor dem Elterngeld mit dem Erziehungsgeld (ungefähr genauso viel Geld aber für 2 Jahre statt nur einem) finanziell wesentlich besser dagestanden haben. Die Entscheidung für ein (weiteres) Kind hat mit dem Elterngeld wenn überhaupt nur ganz wenig zu tun meiner Meinung nach.

  6. Teetasse2105 schreibt

    Die Hauptmeinung, das Elterngeld hätte keinen einfluss, kann ich so nicht bestätigen. Mir / uns hat das Elterngeld die Entscheidung für Kinder schon deutlich vereinfacht. Sonst hätten wir evtl. noch ein paar Jahre gewartet, vorher ein paar mehr Ausbildungsschulden getilgt usw. Und das Elterngeld bevorzugt in der Tat erstmals Akademikerinnen / Gutverdienende gegenüber Geringverdienern. Im frühreren System wurden Gutverdienende eigentlich eher bestraft für ihre Entscheidung, Kinder zu bekommen.

    Noch viel erfolgreicher scheint jedoch das „Akademikerinnenzeugungsförderungsprogramm“ von Harald Schmidt gewesen zu sein…: http://www.haraldschmidt.t-online.de/html/deutsch/news/newseinzeln/newseinzeln.php?id=416&seite=1&woher=archiv&suchbegriff=zeugung&kategorie=alle

  7. Julisonne schreibt

    Das Elterngeld war ja nun wirklich kein Anreiz für mich ein Kind zu bekommen, aber doch eine hochwillkommene Unterstützung um die Ausfallzeit abzufedern. Leider wird wohl nicht viel draus. Als Selbstständige fallen viele Zahlungen in meine Kinderpause und die werden mir leider voll aufs Elterngeld angerechnet. Daß der eigentliche Verdienstausfall dann einige Monate später kommt wenn ich schon wieder arbeite interessiert leider nicht. So viel zu den Anreizen für Akademikerinnen.

  8. lukas 18,27 schreibt

    Bei uns hat das Elterngeld dazu beigetragen, dass wir uns überhaupt dafür entschieden haben jetzt „schon“ Kinder zu bekommen (ich bin 31J.). Wir sind beide Akademiker, aber nur ich arbeite, da mein Mann noch ganztätig seine Doktorarbeit schreibt. Solange diese noch nicht fertig ist (dauert 4 Jahre insges.), könnten wir uns sonst keine Kinder leisten- wovon denn auch. Leider klappt es ja auch so nicht…von daher hätte ich auch nichts gegen eine finanzielle Unterstützung für die künstliche Befruchtung.

  9. Chagak schreibt

    Wie sollte denn der Anreiz für ein zweites Kind durch das Elterngeld zustande kommen?

    Für das erste Kind gibt es Elterngeld ausgehend vom Vollzeitgehalt. Aber die wenigsten Frauen gehen doch schnell wieder Vollzeit arbeiten, so dass in der Elternzeit beim zweiten Kind das Elterngeld ausgehend von einem vielleicht nur Halbtagsjob (wenn überhaupt) gezahlt wird. Toller Anreiz!

    Und die Begrenzung auf 1.800 Euro dürfte auch nicht hilfreich sein. Das sind ja bei Akademikerinnen oft nicht mal 67 Prozent des Vollzeitgehalts. Und nicht jede Familie verkraftet mal eben Einkommenseinbußen von mehr als 1.000 Euro monatlich.

    Die Regelung ist zwar besser als das Erziehungsgeld früher, aber ein Anreiz, um Kinder zu kriegen, bestimmt nicht. Da wäre mit besseren und flexibleren Betreuungsmodellen eher geholfen.

    Ich hab ja schließlich nicht studiert, um meinen Töchtern dann vorzuleben, dass Schule und Studium nix bringen, weil die Politik eine Frau sowieso lieber am Herd sieht.

    Meine Entscheidung für Kinder steht jedenfalls schon seit Jahren fest! Die Anzahl der Kinder allerdings bestimmen allein mein Körper und auch meine Nerven!

  10. tintenklecks schreibt

    Für uns war das Elterngeld allenfalls ein Anreiz, FRÜHER Kinder zu bekommen, woraus dank der Befunde definitiv ein „später“ wird und wir uns bei anhaltendem Misserfolg wohlmöglich in einigen Jahren die vorwurfsvolle Mär vom karriereversessenen Akademikerweibchen anhören dürfen.

    ABER: Ein Jahr hätten wir gut überbrückt bekommen, auch mit Erziehungsgeld und Co.-so super ich das Elterngeld finde- mehrere Jahre ohne Krippenplatz jedoch nur schwer, das bereitet ja schon Bauchschmerzen, zumal wir Akademikerinnen neben dem Spaß an der Arbeit ab und an auch hohe laufende Kosten der Selbständigkeit tragen und somit nicht mal einfach länger ausfallen oder weniger arbeiten können. Das ist für einige existenziell bedrohlich. Also mein Modell: Geld für die assistierte Reproduktion für alle ( 🙂 ) und Krippenplätze, dann holt Ursula uns Akademiker auch ins Boot.

  11. reaba schreibt

    ..ist es nicht an sich und als solches ein bischen pervers „zielgruppen“ materiell zur bevorzugten reproduktion zu ködern..?

  12. lalilu schreibt

    Da mein Mann Akademiker ist und ich selbstständig, äußere ich mich mal dazu.
    Kinderwunsch besteht schon lange.

    Das Elterngeld käme uns sehr gelegen, da ich sonst als Selbstständige gar keine Hilfe bekommen hätte.
    So gibt es zumindest die theoretische Möglichkeit ein Jahr ein wenig runter zu fahren.
    Weiterarbeiten müsste ich trotzdem, sonst sind die Kunden weg.
    Allerdings haben auch wir keine Ahnung, wie das mit der Betreuung klappen soll. Die Kita hier nimmt die Kleinen erst ab 1,5…
    Selbst wenn ich mein Kind so lange wir möglich mit ins Büro nehme, ab 6-8 Monate wäre eine 3-4 Stündige Betreuung schon wünschenswert… und die ist so teuer, dass ich das Arbeiten dann auch gleich lassen könnte….
    Die mangelnde Kinderbetreuung ist das Problem.
    Anstelle von irgendwelchen Geldern sollte lieber Kinderbetreuung, Lernmittel, Mittagessen in der Schule, Klassenfahrten, Studium….
    usw kostenlos sein und ausreichend vorhanden… da hätten alle mehr davon, egal ob Akademiker oder Handwerker.
    LG

  13. NIka schreibt

    Das Elterngeld ist für uns sicherlich kein Grund, aber wir werden finanziell wesentlich besser da stehen, als mit der alten Regelung. Die Behauptung für schlecht verdienende/arbeitslose sei es ein Anreiz verstehe ich nicht, da sie ja mit der neuen Regelung wesentlich schlechter da stehen (siehe anderer Kommentar). Da wir etwa gleich viel verdienen, überlegen wir auch, die Zeit jeder zur Hälfte zu nehmen. Ich denke, es ist eher ein Anreiz für den Besserverdienenden in der Familie (was ja leider oft der Mann ist) auch Elternzeit zu nehmen. Wenn dadurch tatsächlich langfristig mehr Männer Elternzeit nehmen, finde ich das sehr begrüßenswert.

  14. Ich schreibt

    Jemand sagte dass die Akademikerinen mehr Zeit brauchen für studieren und Job usw.
    Es mag sein und da mußte man auch arbeiten.
    Ich verstehe nicht warum die Schule + Uni so lange dauern muß (ich meine Abi erst nach 13 Klassen und dann Uni bis 30 usw.).
    Für mich mach 18 + 5 oder 6 Jahre Uni mal 23 bzw, 24. Und das gibt es noch in viele Länder.
    Doktorarbeiten und ähnliches machen nicht alle und da wäre auch eine Diskussion der Dauer.
    Na ja, die Vorteile des PH Titels ist für mich immer noch eine offene Frage.
    Und ich bin auch der Meinung dass man mit dem Erziehungsgeld nicht nach Ausbildung differenzieren soll.
    Alle würden es mit dieses Geld leichter haben.
    Akademikerinen bräuchten eher in der ersten Phase mehr Geld, dann könnten sie auch wärend Doktorarbeit, oder sonst andere Studien Kinder bekommen, wenn das Geld fehlt. Wenn sie ein Job haben, dann haben sie auch das eigene Geld wieder.
    Ich verstehe nicht warum Arbeitslose schlechter stehen würden mit Erziehungsgeld.
    Und die Betreuung des Kindes – da wären auch manche Ideen:
    1. Frühere Rente für Frauen, die dann auch mal Omies sein können. Die Omas sind ja am verschwinden, den mit 67 sind die Enkeln meistens schon groß.
    2. Wegen Kigas und Kitas weiß ich nun nicht, aber viele arbeitslose Frauen würden in dem Bereich arbeiten als Tagesmütter, aber so streng wie das geregelt ist und wenig bezahlt…
    Jemand im Elternforum sagte mir Arbeitslosen/Hartz IV dürfen überhaupt keine Tagesmütter sein. Warum, habe ich nicht verstanden.
    Da würde man beiden Seiten helfen.
    3. Auch bessere Arbeitszeiten von den Arbeitgeber würden helfen, damit die Mütter mehr zu Hause sein können.
    Und ja – den Leuten mit Unfruchtbarkeit und KB würde das Erziehnugsgeld und die Betreuung auch nicht helfen, sondern die brauchen bezahltes KB.
    Die Diskussion hier ist lang und sensibel, gar nicht einfach.

  15. Nika schreibt

    @Ich:

    Zitat: „Ich verstehe nicht warum Arbeitslose schlechter stehen würden mit Erziehungsgeld.“

    Nun, dann sollte man sich zur Sachlage vielleicht informieren, bevor man sie kommentiert.

    Und ich persönlich möchte auch keine unqualifizierte Tagesmütter für meine Kinder.

    Tut mir leid, aber bei den Vorschlägen kann ich nur den Kopf schütteln.

  16. Ich schreibt

    @Nika – 1. Wegen Arbeitslose habe ich nicht kommentiert, sondern nur gefragt. Ich habe keine Kinder, also weiß ich nicht.
    2. Was meinst du mit „unqualifizierte“ Tagesmütter? Ohne jede Ausbildung, oder ohne bestimmte Kurse für Tagesmütter?
    Was ich damit meinte war das so wie ich (übrigens habe ich Uni-Diplom), auch andere arbeitslosen Frauen (ausgebildet oder nicht), Kinder lieben und sie betreuen wünschen.
    Die Bedingungen überhaupt um ein Kurs zu machen sind hart so wie ich erfahren habe, und man darf nicht arbeitslos sein. Ich habe nicht verstanden warum, ob wegen das Geld, oder sonstwas. Ich denke nicht die Arbeitslosigkeit an sich der Grund sein muß, weil auf der andere Seite werden wir zur Alten und Krankenpflege empfohlen.
    Auch dort braucht man etwas zu lernen, denke ich.
    Vielleicht wollen sie nicht das man damit ein Einkommen hat?

    Und jeder mit seine Meinung.

  17. Nika schreibt

    @Ich:

    Ich habe auch (hoffentlich noch) keine Kinder. Man kann sich ja trotzdem informieren.

    Und natürlich können arbeitslose Frauen als Tagesmütter arbeiten. Sie müssen sich allerdings dafür qualifizieren und sind dann auch nicht mehr arbeitlos, sondern selbstständig. Das die Bedingungen dafür hoch gesteckt sind, begrüße ich.

    Natürlich darf jeder seine eigene Meinung haben und kundtun. Allerdings muss man dann auch mit Kritik rechnen und sollte damit leben können.

    Nichts für ungut.

  18. Rebella schreibt

    Ich denke, da ist ein grundlegender Fehler, das Elterngeld als „Anreiz“ zu definieren und sich darüber zu beschweren, wenn der Anreiz nicht gewirkt hat. – Elterngeld sollte doch dazu da sein, um die Eltern, die Kinder bekommen, zu unerstützen, damit das Familieneinkommen ausreicht. Man könnte es auch als Anerkennung der Gesellschaft für die Arbeit der Eltern und oft insbesondere der Mütter betrachten.

    Aber Anreiz? Weil der Staat Profit aus meinem Kind schlagen will? Nö. Nicht für ein paar läppische tausend Euro. Da muss man mal gegenrechnen, was so ein Kind im Laufe des Großwerdens kostet. Das ist FINANZIELL immer ein Minusgeschäft für die Eltern. 500.000 Euro könnten vielleicht ein echter Anreiz sein. Damit kommt man dann hin und hat noch was über. – Nee, für ein Kind entscheidet man sich doch fast immer nur, weil man eben gern ein Kind / eine Familie haben will. Ob der Staat nun was dazu gibt oder nicht. Und wenn ich am Grübeln wäre, ob ich ein weiteres Kind will oder nicht, dann wäre das Wort „Anreiz“ bzw. „Über den Tisch ziehen“ für mich eher ein Grund, kein weiteres Kind zu bekommen.

    Glaubt von der Leyen, die Frauen in unserem Land und explizit die Akademikerinnen könnten alle so schlecht rechnen?