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In meinem gestrigen Artikel anlässlich der Bewegung in der Kostenfrage habe ich auf einen Artikel und eine Abstimmung auf der Online-Ausgabe der “WELT” verwiesen. Während zu Beginn noch 45% der Besucher der Meinung waren, dass die Kosten für eine künstliche Befruchtung von den zukünftigen Eltern übernommen werden müssen, hat sich das Bild nun deutlich gewandelt und es sind nur noch 17%. 750 Besucher dieses Blogs haben da wohl Einiges bewirken können
Was mich aber immer wieder wundert ist die Kaltschnäuzigkeit in den Kommentaren von den sogenannten “Normalreproduzierern”, also den Menschen, sich ihre Kinder ohne IVF bekommen haben oder gar keine möchten (gibt´s ja auch). Eigentlich eine interessante Feldstudie zu den immer wiederkehrenden “Argumenten”, denen man wieder und wieder begegnet, wenn es um die künstliche Befruchtung geht
Vermeintlich objektive Hinweise auf die Überbevölkerung der Erde (erinnert mich an den Hinweis meiner Mutter, dass in Afrika die Kinder hungern, wenn ich meinen Teller nicht leer essen wollte) und darauf, dass die künstliche Befruchtung eine versicherungsfremde Leistung sei, sind da noch die harmlosen Argumente, da zumindest irgendwie aus der politischen Ecke kommend.
Das passende Gegenargument kam jedoch erfreulich schnell:”Es gibt zwar eine weltweite Überbevölkerung, aber nur in Afrika und Asien. Diesen Menschen kann ich nicht zumuten, für meine Rente zu zahlen.”
Das klassische Adoptionsargument darf keinesfalls fehlen:”Es gibt “Eltern” die keine Kinder haben und Kinder die keine Eltern haben. Warum nehmen sich die kinderlosen Paare nicht dieser Waisen an?”
Auch persönlich kann es werden in seiner solchen Diskussion:”warum meinen Sie einen aus der Gemeinschaft bezahlten Anspruch zu haben auf Dinge, für die Sie offensichtlich nicht veranlagt sind ?”
Dann regnet es natürlich wieder Fruchtbarkeitsmythen:
Wie früher im Aufklärungsunterricht in der Schule gibt es natürlich auch hier die üblichen Witzbolde:Ich liebe künstliche Befruchtungen. Das erspart mir viel Arbeit – und kommt meiner Bewegungsträgheit zugute. Außerdem muss ich nicht meine Kohle nach dreijähriger Ehe für eine Frau und Kind/er opfern!
)))
Später in der Diskussion kommen dann aber wieder die üblichen Vorurteile gegen Kinderlose und deren Behandlung:
in einem anderen Artikel hatte ich ja bereits auf einen Beitrag verwiesen, in dem sich der Autor Daniel Nester darüber wundert, warum niemand sein 20.000 Dollar-Baby mag.
Kinderlose sind eine Randgruppe und zeichnen sich dadurch aus, dass man ungefährdet über sie herziehen kann. Jeder erinnert sich an seine Schulzeit: In jeder Klasse gibt es 1-2 Leute die abseits stehen und über die man ungestraft herziehen kann. Das ist jedoch nicht nur in der Schule so, sondern das Charakteristikum einer jeden Randgruppe. Sie dienen in der Gesellschaft dazu, Dampf abzulassen.
Interessant ist wer sich dazu aufgerufen fühlt, Dampf abzulassen. Es sind eher die kleinen Lichter, die sich durch Abgrenzung von der Minorität in den Mittelpunkt bringen möchten. So war es in der Schule. Beim Thema Kinderlosigkeit sind es Dünnbrettbohrer, deren einzige Lebensleistung im problemlosen Zeugen oder Gebären eines Kindes besteht. Nicht ärgern lassen.
Möglicherweise sind das auch solche Leute, die sonst immer die Prügelknaben sind. Die freuen sich dann, dass sie auch mal hauen dürfen.
Ich hatte früher mal eine Kollegin, die hat sowas von ekelhaft gemobbt. Zu Hause hatte sie ja auch nichts zu sagen (mit ´nem Türken verheiratet). …
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Zitat Doc: “Interessant ist wer sich dazu aufgerufen fühlt, Dampf abzulassen. Es sind eher die kleinen Lichter, die sich durch Abgrenzung von der Minorität in den Mittelpunkt bringen möchten. So war es in der Schule. Beim Thema Kinderlosigkeit sind es Dünnbrettbohrer, deren einzige Lebensleistung im problemlosen Zeugen oder Gebären eines Kindes besteht. Nicht ärgern lassen.”
Jepp! Genauso sehe ich das auch. Aber da haben sie sich ja mühevoll durchgekämpft. Ich auch, aber ich arbeite im Moment auch nicht und betreue auch kein weltbestes Forum. *schleim*
Meine Respekt!
Schönen Abend,
Alex
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So viel Dummheit tut leider trotzdem weh…
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tue ich auch gerade nicht, Alex. Das macht Jane ganz alleine und ich habe ein schlechtes Gewissen….
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Mhm,lieber Doc dann müssen Sie was ändern, dann gibt es auch kein schlechtes Gewissen. Vor allen Dingen müssen Sie morgen früh fit in der Praxis stehen…..das wäre sonst nämlich wirklich nicht gut.
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“Beim Thema Kinderlosigkeit sind es Dünnbrettbohrer, deren einzige Lebensleistung im problemlosen Zeugen oder Gebären eines Kindes besteht.”
Fast den selben Gedanken hatte ich auch. Trotzdem: Dünnbrettbohrer hin oder her – meine Schale ist leider immer noch nicht dick genug beim Thema Kinderwunsch, das hab ich heute beim Lesen der Kommentare mal wieder gemerkt
Floydine
…)
(auch mit ‘nem Türken verheiratet und trotzdem zuhause “redeberechtigt”, was es nicht alles gibt
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Ganz ehrlich…ich habe die Kommentare auf der Seite nicht gelesen….ich habe dafür überhaupt kein Fell…..
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Ich habe auch abgestimmt, auch wenn ich die Auswahl schwierig fand. :S
Im Endeffekt war oder ist es mir egal, auf wem die Kosten hängenbleiben, solange es nicht die Eltern sind.
Und wenn es wieder 4 Versuche, die zu 100% übernommen würden, gäbe, wäre das ein grosser (Rück-)Schritt für alle Betroffenen. Wer fragt dann noch danach, ob nun Bund, Länder oder die Krankenkassen dafür aufgekommen sind?
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Also ich muss mich jetzt mal outen.
Bis vor ein paar Jahren war ich auch noch ein “Normalproduzierer”, heute nicht mehr, ich bin jetzt eine ICSI-Kandidatin.
Aber diese bodenlose Frechheit habe ich nie besessen, ich hab früher auch schon Bekannte und Freundinen gehabt, die auf eine KB zurückgreifen mussten, aber denen gegenüber hatte ich schon fast ein schlechtes Gewissen, bei mir ging alles so einfach, und sie mussten Jahre darauf warten. Ich wäre nie auf die Idee gekommen sie als “Krüppelgebärende” oder andere boshaften Gestalten zu betiteln.
Ich wusste, dass es schwer sein muss, heute weiß ich wie schwer das es wirklich ist. Ich bin echt entsetzt, wie Menschen wirklich denken können.
Aber wir geben nicht auf und kämpfen für unser Recht.
Wir könnten ja auch schreiben (achtung böse)
Laßt doch die Krebskranken sterben, die kosten zuviel Geld und die Natur wird sich schon was dabei gedacht haben, das tun wir aber nicht. Sowas hat mit Anstand was zu tun.
Solche Leute tun mir einfach nur leid.
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Nicht ärgern lassen, klar, aber allein die schiere Masse der dämlichen Kommentare lässt mich rot sehen. Da nützt es auch irgendwie wenig, zu wissen, dass wir alle schlauer sind als “die”.
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..ich glaube es gehört zur grundkonzeption des menschen in bestimmten bereichen einfach von einem erfolgreichen umsetzten des ziels auszugehen – dazu gehört wohl auch die umsetzung des kinerwunsches als normalreproduzierer.
normative abweichungen werden fast sofort als pathologisch stigmatisiert.
biologisch im pathologischen bereich kommt ja auch hin – meistens beruht der unerfüllte kinderwunsch ja nun wirklich auf gestörten biologischen abläufen.
schlimmer finde ich, wenn von normalreproduzieren das bemühen um medizinischen ausgleich des naturgegebenen oder erworbenen krankhaften defizits, auch als sozial pathologisch gebrandmarkt wird.
erinnert mich immer ein bischen an den umgang mit behinderten im mittelalter bis hin zum III.reich…wegsperren, zuschließen, verschweigen, ignorieren….und sich freuen, dass man selbst nicht betroffen ist.
menschlich vielleicht noch verständlich, für mich allerdings im eigentlichen sinne sozial pathologisch.
ähnliche erfahrungen wie ungewollt kinderlose machen auf dem gebiet aber immer noch behinderte, homosexuelle oder menschen die unverschuldet in existenzbedrohliche situationen gekommen sind (hartzIV z.b.)
viel zynischer finde ich den umgang einer gesundheitsministerin mit dem thema…zynischer als jeden kommentar im welt-blog jedenfalls.
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Ich mußte mich fast zwingen diesen Beitrag zu Ende zu lesen. Ich kann kaum glauben,daß es so viel Ignoranz und Dummheit auf einmal gibt.
Von mangelnder Empathie gar nicht zu sprechen …
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Selbst unerschütterliche Verfechterin des “Guten im Menschen” wurde meine Lebenseinstellung beim Lesen der Kommentare arg auf die Probe gestellt.
Es klingt vielleicht komisch, aber durch die Reaktionen mancher Normalreproduzierer beginne ich, meine eigene Arbeit zu hinterfragen, für die das Gesundheitswesen Millionen zahlt- aber lange nicht jeder Nutznießer weiß das zu schätzen und nutzt es entsprechend. Ich bin dadurch klarer geworden, was jenen zugute kommt, die es wirklich brauchen.
Ich hasse dieses Gegenrechnen, diese “Hauptsache, mir geht es gut”-Mentalität, die jegliche Menschlichkeit vermissen läßt.
Wir sind eine Solidargemeinschaft, fertig! Wir zahlen alle ein, seit Jahren und vielfach nicht zu knapp und für jegliche auch selbstgemachte Gesundheitsstörung. Das ist für mich völlig in Ordnung, wer krank ist, soll Hilfe erhalten, ob Skiunfall oder Raucherlunge! Ich werde nicht gefragt, ob ich für den einen oder anderen Krankheitsfall bezahlen will, ich frage vorallem auch selbst nicht- und damit kann ich schließlich auch leben.
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