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Zu alt für Kleinkind. Sorgerecht entzogen.

Der 70jährige Luigi De Ambrosis und seiner 57-jährigen Frau Gabriella wünschten sich schon lange ein Kind. Mehr als 20 Jahre dauerte es, bis sie sich diesen Wunsch mit Hilfe einer Eizellspende erfüllen konnten.

Im Mai 2010 wurde die kleine „Viola“ zur Welt. Die Freude am gemeinsamen Kind währete jedoch nur kurz. Das Kind wurde einer Pflegefamilie übergeben, nachdem Nachbarn das Paar anzeigten, weil es das Kind eine halbe Stunde im Auto gelassen hat. Italienische Richter entzogen dem Paar nun das Sorgerecht und warfen ihnen Narzissmus vor. Sie hätten sich niemals Gedanken darüber gemacht, dass ihre mit Hilfe von künstlicher Befruchtung gezeugte Tochter bereits in jungen Jahren Waise sein könnte. Die Richter beschuldigten die Eltern, die Möglichkeiten der Reproduktionsmedizin missbraucht zu haben.

Via: Stern.de

[Update 17. 9. 9:40]: Grundsätzlich kann ich den bisherigen Kommentatoren nur zustimmen, dass eine Vernachlässigung des Kindes unabhängig vom Alter der Eltern Konsequenzen haben muss. Jedoch erschien mir der Teil der Urteilsbegründung suspekt, in dem auf den Narzissmus des Paares hingewiesen wurde. Hier scheint neben der Berücksichtigung der Fakten auch noch die persönliche und emotionale Einstellung der Richter gegenüber den Methoden der Reproduktionsmedizin eine Rolle gespielt zu haben.

Und in einem Artikel des Telegraph wird auch darauf eingegangen (neben einer ausführlicheren Schilderung des Sachverhaltes). Die Richter merkten offenbar selbst (oder wurden von anderer Seite darauf hingewiesen), dass der vermeintliche Narzissmus der Eltern eine den Richtern nicht zustehende Bewertung ist und in der Urteilsbegründung nichts zu suchen hat:

In a clarifying statement released on Friday, the court said that the ruling was based primarily on the fact that the couple had „abandoned“ the baby on numerous occasions, endangering her physical and mental health.

Aus meiner Sicht ist die Voreingenommenheit der Richter gegenüber der Eizellspende evident und man kann nur hoffen, dass dieses Urteil noch einmal von einem anderen Gericht überprüft wird, das ausschließlich die Fakten im Hinblick auf die Betreuung des Kindes berücksichtigt.


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Kommentare

11 Kommentare für “Zu alt für Kleinkind. Sorgerecht entzogen.”

  1. Nach den jüngsten Entscheidungen des EuGH haben die sicher gute Chancen, das Sorgerecht zurückzubekommen, wenn der Entzug sich wirklich nur auf das Alter bezieht. Der zusätzliche Prozeß wegen Vernachlässigung wird aber wohl kaum zu gewinnen sein, denn die Kleine war ja erst einen Monat alt, als sie sie einen halbe Stunde im Auto allein gelassen haben, im Juni in Italien, das hätte schnell mal fahrlässige Tötung werden können bei entsprechender Sonneneinstrahlung.


    Geschrieben von raise am 17. September 2011 um 02:54
  2. Das hätte böse ausgehen können, daher finde ich den Sorgerechtsentzug schon berechtigt. Allerdings sehe ich keinen Bezug zum Alter……
    konsequenterweise müsste man Gianna Naninni, die ein vergleichbares Alter aufweist, dann auch das Sorgerecht entziehen. Das wird man wohl kaum tun.


    Geschrieben von Viktoria1 am 17. September 2011 um 08:47
  3. Ihnen das Sorgerecht mit dieser Begründung zu entziehen ist nicht fair. Dennoch bin ich gegen eine so späte Elternschaft, weil die Gründe des Gerichts nachvollziehbar sind. Ich verstehe meine Aufgabe als Mutter so, dass ich meine Kinder begleiten will. Und das so lange ich lebe- darunter sollten sich nicht nur die nächsten 5 Jahre verstehen.
    Auch der Generationskonflikt ist einfach zu arg. Wer kennt nicht die kopfschüttelnden Großeltern, wenn Jugendliche viele Dinge anders angehen! In diesem Fall ist der VATER des Kindes nur ein Jahr jünger als mein OPA- der mit seinen 71 bereits zwei Urenkel zählt.


    Geschrieben von schäfchen am 17. September 2011 um 13:34
  4. @Herr Breitbach: Eine generelle Voreingenommenheit gegenüber der Eizellspende kann ich nicht erkennen. Wenn die Richter voreingenommen waren, dann wohl eher wegen des Alters der Eltern.

    Und es gibt mir auch sehr zu denken, dass gerade DIESE Eltern ihren Säugling unbeaufsichtigt im Auto zurückließen. Schließlich ist das (angeblich) höhere Verantwortungsbewusstsein doch eines der beliebtesten Argumente der Befürworter extrem später Elternschaft. So gesehen hat dieses Paar ihren Leidensgenossen einen echten Bärendienst erwiesen.


    Geschrieben von Buntspecht am 17. September 2011 um 19:14
  5. liegt halt daran, dass italien eine mischung aus bigottem gottesstaat und mafiadiktatur ist, der vom mit sicherheit „verantwortungsvollsten“ mitteleuropäischem politiker regiert wird … ein glück endet sowas meistens vorm europäischen gerichtshof.
    natürlich haben die eltern extrem fahrlässig und unverantwortlich gehandelt aber die voreingenommenheit der richter ist ja fast tastbar!


    Geschrieben von reaba am 17. September 2011 um 20:28
  6. Im übrigen möchte ich daran erinnern, dass in ähnlichen Fällen auch hierzulande Kinder in Pflegefamilien gegeben werden:

    http://www.welt.de/vermischtes/article13581071/Kofferraum-Baby-kommt-in-Pflegefamilie.html

    Ja, das Kind aus Neumünster lag im Kofferraum. Dafür war es auch bereits acht Monate alt und nicht erst einen Monat wie in dem italienischen Fall …


    Geschrieben von Buntspecht am 17. September 2011 um 22:26
  7. @Buntspecht. Wie immer die Voreingenommenheit gewesen ist. Man darf sich mit Fug und Recht fragen, warum sie ihre eigene Urteilsbegründung nochmals begründen und betonen, dass es nur um die vernachlässigte Aufsichtspflicht ging.

    Und ich kenne die Details dieses Falles nicht, aber Kofferraum … naja.


    Geschrieben von Elmar Breitbach am 17. September 2011 um 23:27
  8. @Herr Breitbach: Die Rechtfertigung des Gerichts ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass Sie nicht der einzige waren, der den „moralischen Appell“ im URTEIL kritisiert hat. Nur
    ist eine Rechtfertigung eben nicht mit einem Schuldeingeständnis gleichzusetzen, und ein Urteil besteht nicht nur aus den Entscheidungsgründen. Schauen Sie sich mal an, wie oft das BVerfG Appelle an den Gesetzgeber richtet, die mit den formalen Entscheidungsgründen überhaupt nichts zu tun haben. Solange wir nicht den vollständigen Text des Urteils kennen, wissen wir nicht, ob noch weitere Indizien dafür vorlagen, dass die Eltern ihr Kind nicht richtig versorgen konnten.


    Geschrieben von Buntspecht am 18. September 2011 um 07:26
  9. solche vernachlässigungen passieren normalerweise nur normalreproduzierern, die zufälligerweise zu einem kind kamen… übrigens könnte man in bestimmten berliner bezirken dann die straße entlang gehen und der hälft der leute das sorgerecht entziehen.
    keiner hätte eizellspende gemacht und wenn einer ü40 gewesen wäre, wäre es bestimmt die OMA gewesen!

    nein, eizellspende führt nicht automatisch zu designerbabys von uralten müttern – nur um es nochmal klarzustellen…


    Geschrieben von greta am 20. September 2011 um 06:57
  10. http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article13616347/Eltern-zu-alt-Stadt-gibt-Kind-zur-Adoption-frei.html

    hier ist noch eine variante der story – klingt jetzt wieder ganz anders wie ich finde…

    allerfeinst auch die kommentare von den pappköpfen darunter, die finden, dass frauen jenseits der 40 eh nicht mehr schwanger werden sollten *gr*


    Geschrieben von reaba am 21. September 2011 um 08:11
  11. http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0924/berlin/0115/index.html

    wäre schön, wenn JEMAND sich mal um die kinder der jungen NORMALREPRODUZIERER kümmert, die trotz JUNGER eltern einfach VERWAHRLOSEN. nicht nur ne viertel stunde. sondern fürs ganze leben…


    Geschrieben von greta am 24. September 2011 um 13:08

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