Nachrichten in Zeiten des Internet

5

Es ist schon interessant, wie das Internet funktioniert. Zahllose Nachrichten werden binnen Sekunden ins Netz gestellt. Bei vermeintlichen Sensationen bleibt da keine Zeit für eine Recherche, denn wer zuerst schreibt, mahlt zuerst. Oder wird in den Suchmaschinen wie Google schneller gefunden.

Google findet 3.500 Artikel zum Thema Zwölflinge
Google findet 3.500 Artikel zum Thema Zwölflinge

Gerade für News-Seiten ist das von zentraler Bedeutung, denn nichts ist so alt wie die Nachrichten von gestern. Im Internet: Die Nachricht von vor 5 Minuten. Offenbar war ich nicht schnell genug, denn meine Nachricht zu diesem Thema findet sich erst an Position 190.

Da behauptet also eine möglicherweise psychisch gestörte Frau in Tunesien (nicht gerade der Nabel der Welt und weit weg von den Newskanälen), dass sie Zwölflinge erwartet und sie demnächst zur Welt bringen wird. Binnen Kurzem gelangt diese Nachricht über die britische Presse auch in unsere Nachrichten. Einer schreibt vom anderen ab und bald weiß es die ganze Welt. Auch ich habe diese Nachricht hier eingestellt. Aufgrund persönlicher Erfahrungen erschien mir eine solche Mehrlingsschwangerschaft gerade im arabischen Raum nicht als zu absurd.

Binnen weniger Tage ist also eine Nachricht aus dem tunesischen Hinterland über lokale Medien in die Weltpresse gelangt und erst dann begannen die Zweifel. Aber eigentlich auch nur, weil ein Teil der inzwischen verbreiteten Äußerungen der Beteiligten einfach zu abstrus waren, um der Wahrheit zu entsprechen.

Ich kann mir zwar zugute halten, dass mein Bedenkenträgerartikel früher erschien als die Korrekturen der hiesigen Presse, aber … naja. Heute erschienen viele ähnliche Artikel, die auf Unstimmigkeiten in der bisher erfolgten Berichterstattung hinwiesen.

Nun der aktuelle Stand der Dinge (vor weiteren Überraschungen sind wir natürlich auch nicht sicher):

Die Quelle ist die DPA, man kann also hoffen, dass die Recherche hier gründlicher war. Der DPA gegenüber hat das tunesische Gesundheitsministerium Berichte über die Zwölflings-Schwangerschaft der Tunesierin als „große Farce“ zurückgewiesen. Die Frau sei nie im Krankenhaus von Gafsa gewesen, sagte Ministerialdirektor Mongi Hamrouni in Tunis. Man könne eine eingebildete Schwangerschaft nicht ausschließen. Nach Angaben der Behörden hat sich die Frau am Mittwoch erneut geweigert, sich untersuchen zu lassen. Auch im Krankenhaus von Gafsa, wo die 30-Jährige lebt, gab es demnach keine Akte über ihre Schwangerschaft.

Der Sprecher des tunesischen Gesundheitsministeriums ergänzte, er sei „mehr als 99 Prozent“ sicher, dass die Frau ein psychisches Problem habe.


Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

5 Kommentare

  1. atonne schreibt

    Ehrlich gesagt, ich bin sehr erleichtert, dass es sich anscheinend nur um eine Ente handelt. Denn in erster Linie handelt es sich bei solch höhergradigen Mehrlingen um eine Tragödie, schön, dass wir diese jetzt doch nicht erleben müssen…

  2. tuerki77 schreibt

    Schließe mich atonne an!
    🙂
    LG, Alex

  3. Junipa schreibt

    Ja das schließe ich mich auch mal an!

  4. Xanthippe73 schreibt

    vielleicht hat sie ja ein ZWÖLFfingerdarmgeschwür und daraus wurde ZWÖLFKINDER… oder so…