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Ausland

Das sogenannte Gutachten: Mehrlinge, Fetozid und Embryonensterben

So bezeichnet “domradio.de” das Gutachten, welches im Namen der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellte wurde und zu dem Schluss kommt, dass der elektive Single Embryo Transfer helfen könnte, risikoreiche Mehrlingschwangerschaften zu vermeiden und über das ich hier auch bereits berichtete.

Das “sogenannte Gutachten” wird in dem Bericht von der Pressekonferenz durchgängig in Gänsefüßchen geschrieben und der Hinweis, dass Lübecker Reproduktionsmediziner an der Erstellung beteiligt waren, reicht den Autoren von domradio.de völlig aus, um das gesamte Gutachten zu diskreditieren.

Das Potenzial eines Embryos, sich später in die Gebärmutter einzunisten, wird an morphologischen Kriterien festgemacht. Domradio weist wiederholt darauf hin, dass es hier offenbar darum geht, den “Bestaussehendsten” auszuwählen. Dass damit nicht blond und blauäugig gemeint ist, wird nicht gesagt, im Gegenteil wird darauf hingewiesen, dass “Begriffe wie selektiv oder Selektion im Deutschen immer noch merkwürdig klingen“.

Diedrich schwärmte auch von dem Erfolg deutscher Mediziner, die im vorigen Jahr einer 64-Jährigen noch zum Neugeborenen verhalfen. Das zeige, dass die Gebärmutter eben grundsätzlich „fantastisch ausgestattet“ sei - aber eigentlich doch grundsätzlich nicht darauf angelegt, „zwei Kinder zur Geburt auszutragen“.

Entweder hat sich der Kollege Diedrich da komplett verstiegen oder er ist falsch zitiert worden, da die deutschen Mediziner dieser Frau lediglich bei der Geburt halfen, jedoch nicht auf dem Weg zur Schwangerschaft, wie hier bereits berichtet.

Ich persönlich glaube auch, dass ein sehr laxes Embryonenschutzgesetz hinsichtlich der Zahl transferierter Embryonen in Verbindung mit sehr teuren Behandlungen ein sehr viel größeres Risiko für Mehrlingsschwangerschaften darstellt, wie an der hohen Rate an Mehrlingsschwangerschaften in den USA erkennbar ist.

Natürlich ist der elektive SET ein guter Weg, die Zahl der Mehrlinge zu reduzieren. Ein anderer Weg wäre, die Kosten der Behandlung für die Patienten sehr deutlich zu reduzieren, wenn sie sich nur einen Embryo “einflanzen” lassen. Dieses “Belgische Modell” hat bei unseren Nachbarn erfolgreich dazu beigetragen, die Mehrlingsrate deutlich zu vermindern:

In Belgien konnte die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften durch das so genannte “belgische Rückerstattungsmodell” deutlich gesenkt werden. Bei dieser Variante werden die ersten beiden IVF-Versuche bei Frauen unter 37 Jahren mit nur einem Embryo unternommen, alle anderen erhalten zwei Embryonen. Dadurch sank die Mehrlingsquote auf zwei bis drei Prozent. Das gesparte Geld, etwa für Intensivbehandlungen Frühgeborener, wird kinderlosen Paaren für die Kinderwunschbehandlung zur Verfügung gestellt und zwar für insgesamt bis zu sechs IVF-Behandlungen.

Nichts gegen die Änderung des Embryonenschutzgesetzes, aber ein Allheilmittel ist es sicherlich nicht. Wenn die Kosten weiterhin drücken, werden die Paare dennoch auf dem Transfer mehrerer Embryonen bestehen.

Aktuell gibt es übrigens eine ähnliche Diskussion unter anderen Vorzeichen in England, wo die British Fertility Society (BFS) und die Association of Clinical Embryologists neue Richtlinien erstellt haben, die ebenfalls dem Ziel dienen soll, Mehrlingen zu vermeiden. Ganz offenbar ist dies auch in Ländern nötig, die weniger strenge Gesetze haben als wir in Deutschland.


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Kommentare

2 Kommentare für “Das sogenannte Gutachten: Mehrlinge, Fetozid und Embryonensterben”

  1. http://www.domradio.de/aktuell/artikel_44676.html

    ist es das was gemeit ist..?
    der nächste “sündenfall”..?
    jungejunge, die leute hätten wirklich allen grund dem klassiker von dieter nuhr zu folgen: wenn man keine ahnung hat, einfach mal…usw :-D

    domradio.de ist doch parteinah angesiedelt zu sehen, oder? da gehts doch nicht darum zu sagen oder gar zu tun, was gut ist für die leute, sondern größtmögliche wählbarkeit zu generieren..egal wie dumm oder platt die themen und sprüche auch sind..
    alle meinungsinstitute attestieren dem thema “reproduktionsmedizin/embryonenschutz” deutliche skepsis der bevölkerung (aus relativer desinformation heraus zu bewerten), ABER die ablehnung ist mehrheitsfähig…und schwupps: es wird zur headline..

    sich selbst erklärender und bestätigender blödsinn so zu sagen was da geschrieben und getrieben wird…genial gemacht, das mit der informationsfreiheit :-D

    ;-) schön wieder zu hause zu sein..


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    Geschrieben von reaba am 10. September 2008 um 11:56
  2. ich nehme alles zurück..domradio.de ist der radiosender des erzbistums köln…noch schlimmer als parteien sind nur diese spezies… :- D


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    Geschrieben von reaba am 10. September 2008 um 12:03

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