Synchrone Menstruation: Bekommen Freundinnen gleichzeitig ihre Tage?

Je näher Frauen sich stehen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer gleichzeitigen Regelblutung. Ein Mythos?

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Jede Frau kennt die Geschichte Kolleginnen, Bewohnerinnen einer Wohngemeinschaft oder nur guten Freundinnen, die sich regelmäßig treffen und eine synchrone Menstruation haben. Gibt es dieses Phänomen der gleichzeitigen Monatsblutung wirklich?

Diese Seiten widmen sich eigentlich dem Bemühen, den Eintritt einer Regelblutung möglichst zu verhindern. Die Blutung und die Regelmäßigkeit der Menstruation ist allerdings hormonell gesteuert und ein funktionierender Zyklus ist Voraussetzung für eine Schwangerschaft. Daher passt das Thema schon hierher … irgendwie. Kann der Hormonhaushalt anderer Frauen den eigenen beeinflussen?

Mythos synchrone Menstruation

Dass Frauen, die sich nahe stehen – oder auch nur Kolleginnen sind, was ja nicht das Gleiche bedeuten muss – gleichzeitig ihre Menstruation bekommen, ist eine von den Wahrheiten, die als gegeben anerkannt sind. Weiß jeder, ist so, wird schon stimmen.

Erstmals wurde das 1971 wissenschaftlich von Martha McClintock beschrieben und in „Nature“ veröffentlicht. Es war eine Untersuchung über College-Studentinnen, die auf dem Campus zusammenlebten. Soziale Interaktion hat demzufolge einen starken Einfluss auf den Zyklus, eine synchrone Menstruation kann die Folge sein, so dass Ergebnis der vielzitierten Studie.

Geht man von einem 28-Tage-Zyklus aus und einer Blutungsdauer von 7 Tagen mit allem „Vor-und Nachgeplänkel“, dann ist auch ohne eine Veränderung die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass sich dieser Zeitraum bei zwei Frauen zumindest teilweise überschneidet. So selten ist demzufolge eine gleichzeitige Regelblutung von vorneherein nicht. Und bei Frauen mit unterschiedlich langen Zyklen ist es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis die Menstruation auch einmal gleichzeitig auftritt.


Die Studie von Martha McClintock hatte auch Mängel in der Auswertung. 2005 nahm sich Jeffrey Schank die Daten der Studie aus dem Jahre 1971 vor und kam zu dem Schluss: Die „Synchrone Menstruation“ gibt es nicht.

Neue Studie widerlegt die Theorie der synchronen Menstruation

Es gab inzwischen schon zahlreiche weitere Studien zu diesem Thema, die Ergebnisse fielen unterschiedlich aus, eine eindeutige Bestätigung von McClintocks These gab es nicht darunter. Auch der Versuch, die Ergebnisse durch den Einfluss von Pheromonen zu erklären oder nachzustellen, gelang nicht.

Alexandra Alvergne von der Universität Oxford untersuchte mit Hilfe der Menstruations-App „Clue“ erhobene Daten in Kombination mit einer Befragung von 1.500 Frauen, somit die größte Untersuchung zu diesem Thema. Voraussetzung war ein hormonell unbeeinflusster Zyklus und natürlich mindestens eine Frau im engen sozialen Umfeld (Geschwister, Partnerinnen, WG-Mitbewohnerinnen, Kolleginnen), die diese App ebenfalls verwendeten. Mindestens drei Zyklen mussten zur Auswertung vorliegen.

  • bei 79 Paaren näherten sich die Zyklen an, bei 273 entwickelten sich die Zyklen eher auseinander
  • In der gleichen Wohnung lebende Frauen hatten auch keine höhere Wahrscheinlichkeit synchroner Zyklen
  • Auch bei lesbischen Paaren war eine synchrone Menstruation  nicht häufiger.

Ein längerer Beobachtungszeitraum hätte möglicherweise noch zuverlässigere Resultate ergeben. aber den Mythos der gegenseitigen Beeinflussung des Zyklus von eng verbundenen Frauen darf man wohl erst einmal zu den Akten legen.

 



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