Bleiben Spermien im Weltall fruchtbar?

Zumindest eingefrorene Mäusespermien bleiben befruchtungsfähig

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Eine außergewöhnlich bedeutsame Frage beschäftigte japanische Wissenschaftler in den letzten Jahren. Sind Spermien im Weltall der einhundert mal höheren Strahlenbelastung im Vergleich zur Erdoberfläche gewachsen?

Freunde von Startrek sind schon lange davon überzeugt: Der Mensch wird spätestens im Jahre 2020 dauerhaft im Weltall unterwegs sein, „um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen„. Recht zwanglos ergibt sich daraus die Frage von Nerds für Nerds: Werden die Spermien im Weltall, in den unendlichen Weiten, weiter der Fortpflanzung dienen können?

Die Antwort:

  • Ja.
  • Zumindest kurz.
  • Wenn man sie einfriert.
  • Und Mäuse züchten möchte

Japanische Wissenschaftler transportierten eingefrorene Spermien von Mäusen in der ISS für 9 Monate und ließen sie sich dann wieder auf die Erde zurückbringen1)Wakayama S, Kamada Y, Yamanaka K, Kohda T, Suzuki H, Shimazu T, Tada MN, Osada I, Nagamatsu A7 Kamimura S, Nagatomo H, Mizutani E, Ishino F, Yano S, Wakayama T.
Healthy offspring from freeze-dried mouse spermatozoa held on the International Space Station for 9 months.
Proc Natl Acad Sci U S A. 2017 Jun 6;114(23):5988-5993. doi: 10.1073/pnas.1701425114. Epub 2017 May 22.
. Durch die hohe Strahlenbelastung fanden sich in den Spermin mehr Schäden am Erbgut als bei den zeitgleich auf der Erde gelagerten Kontrollen. Jedoch war die Rate an trächtigen Mäusen und die Zahl gesund geborener Baby-Mäuse dadurch nicht beeinträchtigt.

Wenn das Weltraum-Zeitalter beginnt, so die Wissenschaftler, ließen sich damit Haustiere auch im Weltall züchten und auch die menschliche Fortpflanzung wäre dann noch möglich. Auf so eine Studie muss man erst einmal kommen, das verdient Respekt.



Literatur   [ + ]

1. Wakayama S, Kamada Y, Yamanaka K, Kohda T, Suzuki H, Shimazu T, Tada MN, Osada I, Nagamatsu A7 Kamimura S, Nagatomo H, Mizutani E, Ishino F, Yano S, Wakayama T.
Healthy offspring from freeze-dried mouse spermatozoa held on the International Space Station for 9 months.
Proc Natl Acad Sci U S A. 2017 Jun 6;114(23):5988-5993. doi: 10.1073/pnas.1701425114. Epub 2017 May 22.

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Kommentar

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5 Kommentare

  1. Jasha schreibt

    Mal abgesehen davon, dass ich mich frage wie man rein praktisch Mäuse-Sperma gewinnt, würde mich die Sache mit den festgestellten Schäden am Erbgut interessieren. Sind die beschriebenen Schäden am Erbgut mit dem Spermienfragmentationsindex beim menschlichen Spermien vergleichbar? Und falls ja, könnte man aus dem Mäuse-Experiment Rückschlüsse darauf ziehen, dass beim Mann Schäden am Erbgut der Spermien (=hoher DFI?) auch keine Auswirkungen auf die Zeugungsfähigkeit haben? Und gibt es eine Erklärung dafür, dass Erbgut-Schäden bei Spermien nicht von Bedeutung sind?

  2. MissMolli schreibt

    Mir hat Mal ein schlauer Doc () gesagt, die Eizelle ist sehr wählerisch. Vielleicht eine Erklärung? Eine andere, dass ja die meisten FG aufgrund von Chromosomenfehlern passieren. So würden Erbgutgeschädigte Spermien bzw. durch diese befruchtete Eizellen selektiert?!

  3. Silke schreibt

    Ich finde solche Art der Forschung interessant und sie macht sicherlich Spaß.
    Ich lebe mit meiner Familie seit einiger Zeit im Silicon Valley und für manche Firmen hier wie beispielsweise Space X ist ein Leben auf dem Mars und regelmäßiger Shuttle Verkehr dorthin keine Träumerei.
    Elon Musk (der auch Chef von Tesla Motors ist) will auf dem Mars leben und setzt alles daran, dies Wirklichkeit werden zu lassen.

    Er hat übrigens 5 Kinder – einmal Zwillinge und einmal Drillinge: Das riecht nach Reproduktionsmedizin! 😉

    Herzliche Grüße

    Silke

  4. Elmar Breitbach schreibt

    @ Miss Molli, Ja, es ist anzunehmen, dass der Befruchtungsprozess auch Sicherheitsfeatures hinsichtlich der Spermienchromosomen enthält (die offenbar auch bei der Befruchtung durch eine ICSI greifen).

  5. Elmar Breitbach schreibt

    @ Jasha: Ich halte den DFI für keinen sinnvollen prognostischen Parameter. Keine Auswirkung auf die Zeugungsfähigkeit ist vielleicht etwas hoch gegriffen, aber zumindest eine einen wesentlich geringeren Einfluss als einige (wenige) behaupten. Nein, eine Erklärung dafür habe ich nicht. Zumindest nichts, was hier in die Kommentarspalten passt 😉